So vermeidest du Stress und Streit mit dem Nachbarn

Egal, ob nächtliches Hundegebell oder zu hohe Gartenzäune - Nachbarschaftsstreitigkeiten gehören oft zu den skurrilsten Fällen, die vor Gericht landen - und manchmal gehen sie bis in die letzte Instanz. Viele Streitfälle lassen sich aber auch anders beheben. Wie du den Streit am Gartenzaun schlichtest oder gar vermeiden kannst, das klären wir jetzt.

Ein wütender Nachbar schimpft über die Gartenhecke 1 min
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MDR JUMP Mi 06.05.2020 10:45Uhr 01:12 min

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Die häufigsten Gründe warum es zu Streit unter den Nachbarn kommt sind:

Lärm

Dabei gibt es ganz einfache Richtlinien: Grundsätzlich gilt in Wohngegenden eine Ruhezeit zwischen 20 Uhr abends und 7 Uhr morgens. An Sonn- und Feiertagen müssen Rasenmäher und Co. durchweg schweigen. In manchen Gemeinden gilt außerdem eine Mittagsruhe.

Haustiere

Hund
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Wenn ein Hund in der Nachbarwohnung gelegentlich bellt, müssen das die anderen Mieter hinnehmen. Denn das gilt als zumutbar. Anders sieht es aus, wenn sich das Gebell über mehrere Stunden oder Tage hinzieht. Das Oberlandesgericht Hamm hat in einem Urteil sogar Bellzeiten festgelegt. Demnach darf der Hund von 8 bis 13 Uhr bzw. 15 bis 19 Uhr bellen, aber nicht länger als 10 Minuten am Stück und höchstens 30 Minuten insgesamt. Das Krähen des Hahnes kann in Wohngebieten verboten werden. Frosch Gequake hingegen ist in der Regel hinzunehmen.

Gartennutzung und Grundstücksgrenzen

Auch beim Thema Garten geraten Nachbarn immer wieder in Streit. Dafür verantwortlich sind nicht selten Grenzabstände oder Anpflanzungen. Auch das ist ganz klar geregelt: Bäume, Sträucher oder Hecken müssen zum Grundstück des Nachbarn einen Mindestabstand von einem halben Meter einhalten. Wenn Äste oder Hecken auf das Nachbargrundstück überhängen, müssen sie zurückgeschnitten werden. Immer wieder entsteht ein Nachbarschaftsstreit wenn es um die Art des Gartenzauns geht. Die entsprechenden Bestimmungen befinden sich in den landesrechtlichen Nachbarschaftsgesetzen. Grundsätzlich muss eine Einfriedung (Zaun) ortsüblich sein. Kann keine Ortsüblichkeit festgestellt werden, besteht ein Anspruch auf einen circa 1,20 Meter hohen Gartenzaun.

Balkonnutzung

Grillen, Ruhestörungen, Rauchen, Bepflanzung etc. sind die häufigsten Gründe für die Streitereien. Grundsätzlich gehört der Balkon mit zur Wohnung, sodass er auch frei benutzt werden darf. Nachbarn haben kein Recht, sich über die Dekoration oder Bepflanzung zu beschweren. Dieses muss natürlich so angebracht werden, dass kein Nachbar zu Schaden kommt.

Auch darf sich die Nachbarin auf ihrem Balkon beispielsweise oben ohne sonnen. Solange Dritte nicht gefährdet werden, hat jeder seine Freiheiten auf dem eigenen Balkon. Die gesetzlich vorgeschriebenen Ruhezeiten müssen natürlich eingehalten werden. Grillen und Rauchen sind ebenfalls erlaubt, wenn der Nachbar durch den Rauch nicht übermäßig belästigt wird.

Wie reagiere ich, wenn mir irgendetwas an dem Verhalten meines Nachbarn missfällt?

Als erstes sollte man das direkte Gespräch suchen, auch wenn die Situation noch so verfahren ist. Nicht gleich einen Anwalt einschalten. Ein Anwaltsbrief verhärtet meist die Fronten. Wichtig dabei: Ruhig, sachlich und freundlich bleiben und dem Nachbarn keine böse Absicht unterstellen. Wenn man so nicht weiter kommt, sollte man trotzdem weiter auf Verständigung setzen. Ein neutraler Dritter, der zwischen beiden Konfliktparteien vermittelt, kann helfen, sich zu einigen. Seit Dezember 1999 gibt es in Deutschland das „Gesetz zur Förderung der außergerichtlichen Streitbeilegung“. Auf dessen Grundlage können die Bundesländer festlegen, dass bei Bagatellstreitigkeiten ein Schiedsverfahren Pflicht ist bevor geklagt werden kann. In Sachsen-Anhalt ist dies der Fall, in Thüringen und Sachsen ist es keine Pflicht. Beim Schiedsverfahren wird einer Schiedsstelle das Anliegen vorgetragen, die Nachbarn zum Gespräch eingeladen. Dann wird ein Vorschlag unterbreitet, wie das Problem zu lösen wäre. Die Parteien können sich dazu verpflichten es auch so zu tun, das ist aber rein freiwillig.

Wer darf schlichten?

Nachbarschaftsstreit
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Der Schlichtungsversuch muss vor einer Schlichtungs- und Gütestelle unternommen werden. Als solche kommen Rechtsanwälte, Notare, dauerhaft eingerichtete Schlichtungsstellen der Kammern, Innungen, Verbände und ähnlicher Institutionen sowie anerkannte Gütestellen in Betracht. Schiedspersonen haben die Aufgabe zivilrechtliche Streitigkeiten unter Nachbarn ohne große Kosten und Zeitaufwand zu schlichten. Auch der Vermieter kann auf Nachfrage vermitteln.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 06. Mai 2020 | 10:45 Uhr

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