Münzen sammeln als Geldanlage

11.12.2018 | 02:10 Uhr

Goldmünzen 1 min
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MDR JUMP Di 11.12.2018 02:10Uhr 01:13 min

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Aufgrund der derzeitig niedrigen Zinsen suchen viele nach Anlagemöglichkeiten für ihr Erspartes. Vielen sind Aktien zu riskant und für eine Immobilie reicht das Geld nicht. Sie ziehen dann Münzen als Geldanlage in Betracht, zumal in Zeitschriften und Magazinen oft für den Münzkauf geworben wird. Bei der Entscheidung für Münzen und beim Kauf gilt es allerdings einiges zu beachten. Grundsätzlich gilt: Münzen werfen keine Zinsen ab, unterliegen Preisschwankungen und ihre sichere Verwahrung, etwa in einem Banktresor, kostet Geld.

Aller Anfang ist schwer

Wer sich mit dem Münzsammeln befasst, steht zunächst einer großen Anzahl unterschiedlichster Münzen gegenüber und muss herausfinden, welche es lohnt zu sammeln. „Wildes“ Sammeln nach Optik oder Bauchgefühl ist nicht zielführend, wenn durch die Sammlung Rendite erwirtschaftet werden soll. Man sollte sich also z. B. für bestimmte Metalle, Länder, Serien oder Epochen entscheiden und sich dann spezialisieren. Grundsätzlich wird bei Münzen zwischen Sammlermünzen und Anlagemünzen unterschieden.

Nicht verwechseln sollte man Münzen mit Medaillen.

Andrea Heyer, Finanzexpertin der Verbraucherzentrale Sachsen

Münzen sind offizielle Zahlungsmittel, Medaillen nicht. Letztere dürfen auch von privaten Unternehmen herausgegeben werden.

Sammlermünzen

Gedenk- und Sondermünzen, auch Sammlermünzen genannt, werden zu bestimmten Anlässen und in limitierter Stückzahl geprägt.

Oft werden versilberte oder vergoldete Münzen zum Sammeln angeboten, bei denen die Verbraucher den Eindruck haben, dass sie ganz aus Gold oder Silber sind. Das stimmt jedoch nicht und der Preis für diese Stücke ist oft höher als ihr Wert.

Andrea Heyer

Bei Sammlern scheinen derzeit historische Münzen begehrter zu sein als moderne Prägungen wie z. B. zu Olympischen Spielen oder Sonderprägungen von Euromünzen. Ähnlich wie der Kunstmarkt ist auch der Markt für Sammlermünzen von Trends beeinflusst, was Vorhersagen zur Wertentwicklung bestimmter Münzen schwierig macht.

Trendunabhängig gilt jedoch: Je seltener und wertvoller (bezogen auf den Materialwert) eine Münze ist, desto höher ist ihr Sammlerwert. Ebenfalls extrem wichtig ist der Erhaltungszustand. Als Geldanlage sollte man den Kauf von Sammlermünzen grundsätzlich überdenken.

Anlagemünzen

Anlagemünzen werden meist in hoher Stückzahl geprägt und ihr Wert bestimmt sich hauptsächlich über den Wert des Edelmetalls, aus dem sie hergestellt werden. In der EU gelten deshalb Anlagemünzen aus Gold auch als Anlagegold. In Krisenzeiten sind sie eine Wertanlage. Doch auch ihr Wert schwankt mitunter stark. Deshalb kommt eine Investition in Gold nur bei großem Vermögen und mit einem kleinen Anteil von etwa 10 Prozent der Gesamtinvestitionen in Frage. Zusätzlich zum Edelmetallwert erhöht sich der Wert der Münzen nur, wenn es sich um Fehlprägungen oder um Münzen aus den selteneren Prägungen in geringer Auflage handelt.

Klassische Anlagemünzen (auch Bullionmünzen genannt) sind:

Krügerrand - Südafrikanische Goldmünze
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  • der südafrikanische Krügerrand
  • der kanadische Maple Leaf
  • der US- amerikanische American Eagle und American Buffalo
  • die britische Britannia-Goldmünze

Münzwert, Wertsteigerung und Rendite

Je nachdem, ob es sich um Sammler- oder Anlagemünzen handelt, bestimmen verschiedene Faktoren den Wert und die Wertsteigerung einer Münze. Bei Sammlermünzen sind einerseits Seltenheit, Erhaltungszustand, Herkunft und Materialwert wichtige Kriterien. Andererseits bestimmen Markttrends und demzufolge die Zahl der Interessenten über Wert bzw. Wertsteigerung und Rendite.

Bei Anlagemünzen sind Wert, Wertsteigerung und Rendite vom jeweiligen Edelmetallpreis abhängig. Eine Investition in Anlagemünzen empfiehlt sich also nur bei niedrigem Gold- oder Silberpreis. Mit der Erholung des Preises für die Edelmetalle steigt dann auch der Wert der Sammlung. Investitionen in Münzen als Geldanlage lohnen sich also nur, wenn man auch langfristig nicht auf das investierte Geld angewiesen ist, denn der Goldpreis ist sehr volatil und unterliegt starken Schwankungen.

Einen großen Vorteil hat die Investition in Goldmünzen: Gold beweist sich seit Jahrhunderten als Notfallwährung, wenn alle anderen Währungen verfallen. Investitionen in Gold sollten deshalb immer physisch erfolgen, also z. B. in Münzen, und nicht in Gold-Wertpapiere, denn die sind in Krisenzeiten ebenfalls wertlos.

Wie bestimme ich den Münzwert?

Männer mit Münzsammlung
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Wer Münzen sammelt, sollte sich auch das entsprechend notwendige Fachwissen aneignen. Verlässt man sich nur auf Schätzungen von Münzhändlern, Scheideanstalten oder Banken, besteht die Gefahr, nicht den besten Kauf- oder Verkaufspreis zu bekommen. Gute Informationsquellen sind Preisvergleiche bei Privatverkäufen im Internet, Münz- und Auktionskataloge, Fachzeitschriften und bei ungewöhnlichen oder seltenen Exemplaren das Gutachten eines Numismatik-Experten. Der Wert der Goldmünzen richtet sich nach ihrem Gesamtgewicht und ihrem Feingehalt an Gold.

 Kauf, Verkauf und Steuern

Um den Erwerb von Fälschungen zu vermeiden, sollten angebotene Münzen genau geprüft oder noch besser gleich bei vertrauenswürdigen Partnern erworben werden. Als solche gelten z. B. die Mitglieder des Berufsverbandes des Deutschen Münzenfachhandels e.V.. Dessen Logo dürfen nur versierte Unternehmen führen. Für einen sicheren Kauf und Verkauf kann man sich auch an Scheideanstalten, Auktionshäuser und Banken wenden. Banken sollten allerdings eine numismatische Abteilung besitzen, um die notwendige Expertise zu gewährleisten.

Anfänger, die in Anlagemünzen investieren wollen, sollten keine kleinen Stückelungen kaufen, da dabei die Zusatzkosten des Kaufs höher sind. Je schwerer eine Münze ist, desto geringer ist auch die Differenz zwischen Münzpreis und Edelmetallpreis. Edelmetallmünzen dürfen in Deutschland bis zu einem Wert von 15.000 Euro anonym ge- und verkauft werden. Übersteigt der Preis diese Summe, müssen kommerzielle Käufer und Verkäufer die Personalien des an der Transaktion Beteiligten aufnehmen.

Auch beim Thema Steuern gelten bei Münzen einige Sonderregelungen. Goldmünzen kommt ein Sonderstatus zu. Gewinne aus ihrem Verkauf bleiben steuerfrei, wenn sie mindestens ein Jahr im Besitz des Verkäufers waren. Unterhalb der Jahresfrist müssen Gewinne ab 600 Euro mit dem individuellen Steuersatz des Verkäufers versteuert werden. Zudem sind Goldmünzen mit einem Goldgehalt von mindestens 900/1000‰, die nach 1800 geprägt wurden, schon offizielles Zahlungsmittel im Herkunftsland waren und deren Preis nicht mehr als 80 Prozent über dem Marktwert des Goldes liegt in der EU mehrwertsteuerfrei.

Für den Kauf und Verkauf von Silbermünzen gelten dieselben Regelungen wie für Münzen aus Gold. Allerdings fällt hier je nach Herkunftsland eine Mehrwertsteuer von 7 oder 19 Prozent an.

Pflege

Da der Erhaltungsgrad einer Münze ein wichtiger Faktor für ihren Wert ist, hat auch die Münzpflege einen hohen Stellenwert. Das bedeutet aber nicht, dass jede Münze auf Hochglanz gewienert werden muss. Die Pflege richtet sich nach Art und Herkunft der Münzen. Bei historischen Münzen ist die Patina nicht nur ein Teil ihrer Geschichte, sondern auch Beleg für ihre Echtheit. Sie muss deshalb erhalten werden. Bei modernen Anlagemünzen hingegen kommt es auf absolute Unversehrtheit an. Sie sollten deshalb am besten gar nicht mit bloßen Händen berührt und in ihrer Originalverpackung belassen werden.

Bei der Reinigung ist generell vorsichtig vorzugehen. Experten empfehlen – wenn geputzt werden muss – eine milde Seifenlauge. Darin werden die Münzen mit einem weichen Pinsel von Rückständen befreit. Zur Sicherheit sollten dabei Handschuhe getragen oder die Münzen nur mit speziellen Münzpinzetten angefasst werden. Anschließend spült man die Münzen mit klarem Wasser und trocknet sie sorgfältig.

Sichere und sachgerechte Lagerung

Münzen müssen ihrem Material entsprechend sachgerecht und ihrem Wert folgend sicher untergebracht werden. Das bedeutet, die Aufbewahrung erfolgt am besten trocken, bei geringer Luftfeuchte und staubfrei. Dazu eignen sich im Fachhandel erhältliche Alben, Boxen oder auch Koffer, in denen die Münzen jeweils einzeln gelagert werden. Wegen ihres Wertes sind Münzsammlungen auch bei Dieben beliebt. Die Hausratversicherung sollte deshalb über die Sammlung informiert sein und gegebenenfalls müssen die Münzen gesondert versichert werden. Um die Versicherungsklauseln zum Diebstahlschutz zu erfüllen, empfiehlt sich die Lagerung zu Hause in einem Tresor mit einer hohen Sicherheitsklasse oder noch besser in einem Bankschließfach.

Fazit

Wer sein Geld in Münzen anlegen will, sollte zu Anlagemünzen greifen. Wer auf Sammlermünzen setzt, muss den Markt gut kennen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 11. Dezember 2018 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Dezember 2018, 02:10 Uhr