Mobbing in der Schule erkennen und bekämpfen

30.04.2019 | 02:10 Uhr

Ein Blick von hinten in ein Klassenzimmer in dem sich ein Lehrer und Auszubildene befinden. 1 min
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MDR JUMP Di 30.04.2019 02:10Uhr 01:13 min

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Laut einer PISA-Studie von 2017 wird fast jeder sechste 15-Jährige in Deutschland Opfer von Mobbing. Mobbing in der Schule steht für bewusste böswillige Handlungen über eine längere Zeit, die das Ziel haben, Mitschüler fertigzumachen. Es nimmt laut Soziologen und Psychologen ständig zu. Gründe sind unter anderem die gestiegene Arbeitsbelastung in der Schule, aber auch fehlende Erziehung der Kinder zu Hause. Lernt ein Kind innerhalb der Familie nicht, wie es Konflikte löst, wird dies auch in der Schule zum Problem. Mobbing kann allerdings für die Opfer schwerwiegende seelische und sogar körperliche Folgen haben. Deshalb ist es wichtig für Kinder, Eltern und Lehrer Mobbing zu erkennen und rechtzeitig zu handeln.

Formen von Mobbing

Manchmal ist es "nur" eine Hänselei, die über Wochen und Monate nicht aufhört, manchmal wird es körperlich. Dabei sind es nicht immer nur Mitschüler, die zu Tätern werden. Auch Lehrer können Täter sein, indem sie einzelne Schüler vor der Klasse vorführen bzw. demütigen.

Im Allgemeinen lässt sich zwischen aktiv körperlichem und passiv psychischem Mobbing unterscheiden. Letzteres hat wiederum verschiedene Formen.

Direkt und indirekt Direktes Mobbing: drohen, hänseln, abwerten, beschimpfen, bloßstellen, schikanieren, herabsetzen

Indirektes Mobbing: ausgrenzen, Ruf schädigen, nicht beachten

 Zwei Mädchen schauen sich etwas auf dem Smartphone an und lachen.
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Cybermobbing
Mittlerweile haben oft selbst Grundschüler schon ein Smartphone oder einen Computer, sind so Teil von WhatsApp-Gruppen oder Schul-Chats und nutzen Instagram und andere soziale Netze. Dies birgt die Gefahr von Cybermobbing, eine Form des Mobbings über soziale Plattformen, wo beispielsweise heimlich aufgenommene Videos oder Fotos von Schülern ohne ihr Einverständnis veröffentlicht und sie damit bloßgestellt werden. Das Schlimme daran ist das sehr große Publikum, vor dem der Schüler gemobbt wird. Zudem können die Täter anonym agieren. Da es schwer ist, einmal online eingestellt Videos und Fotos löschen zu lassen, raten Experten sich in schwerwiegenden Fällen an die Polizei zu wenden und Anzeige zu erstatten. Cybermobbing ist ein Straftatbestand.

Mobbing erkennen

Kinder im Schulalter suchen oft zunächst die Schuld bei sich und gehen seltener mit ihren Sorgen auf Lehrer oder Eltern zu. Um zu handeln, muss Mobbing in der Schule jedoch erst einmal als solches erkannt werden. Psychologen haben hierzu verschiedene Handlungsmuster von Opfern identifiziert, die einzeln aber auch zusammen auftreten können.

Erste Anzeichen von Mobbing können sein: Der Schüler oder Schülerin:

  • möchte nicht mehr zur Schule gehen, täuscht Erkrankungen vor oder möchte plötzlich wieder bis zur Schule gebracht werden.
  • zieht sich zurück von Eltern und Freunden.
  • beginnt plötzlich zu stottern.
  • bekommt Albträume.

Auswirkungen
Auf die Opfer selbst kann sich Mobbing ganz unterschiedlich auswirken. Es kann zum Verlust von Selbstvertrauen, Konzentrationsproblemen, abnehmender Lernmotivation, Appetitlosigkeit bis hin zu Schlafstörungen führen. Allerdings können sich durch die gefühlte Einsamkeit und Isolierung, die mit Mobbing einhergeht, auch depressive Tendenzen entwickeln. Dies alles kann zu Selbstverletzungen und zum Suizidversuch führen.

Jugendlicher droht mit Faust.
Nicht in allen Fällen ist Mobbing mit körperlicher Gewalt verbunden. Bildrechte: imago/photothek

Opfertyp
Es gibt bestimmte Persönlichkeitsmerkmale, die häufig auf Mobbing-Opfern zutreffen. So sind es oft ängstliche bzw. überangepasste Schüler mit geringem Selbstwertgefühl. Zudem können andersartiges oder auffälliges Aussehen, Hilflosigkeit, eine Behinderung oder Ungeschicklichkeit für Mobbing prädestinieren. Auch besonders gutgläubige Kinder aus gewaltsensiblen Familien können potenzielle Opfer sein.

In den unteren Klassen ist häufiger das sogenannte Bullying zu beobachten, die Ausgrenzung aufgrund körperlicher Unzulänglichkeiten. In der Mittelstufe stehen bestimmte Normen in Bezug auf Mode (Markenkleidung) oder Verhaltensnormen im Unterricht ("Streber") eher im Vordergrund. Während Jungen häufiger zu körperlicher Aggression neigen, bedienen sich Mädchen eher subtileren Mitteln wie dem Verbreiten von Gerüchten, Manipulation und sozialer Ausgrenzung.

Handeln

Sind Anzeichen für Mobbing erkannt, gilt es für Eltern aber auch Lehrer und Mitschüler zu handeln.

Eine Mutter hilft ihrem Sohn bei den Hausaufgaben.
Eltern sollten aufmerksam werden, wenn ihr Kind sich immer mehr zurückzieht und Angst vor der Schule hat. Bildrechte: imago/Photocase

Eltern
Zunächst sollten sich Eltern die Zeit nehmen, um mit ihren Kindern über den Schultag zu sprechen. Auch wenn Kinder im Allgemeinen nicht gern und viel darüber erzählen, ist dies für das Kind eine Möglichkeit, Probleme anzusprechen. Redet das Kind aus Scham oder Angst nicht und vermuten die Eltern, dass etwas nicht stimmt, ist der erste Weg der zum Klassenlehrer oder zur Klassenlehrerin. Er oder sie kennt das Kind und sein Arbeits- und Sozialverhalten am besten. Zusätzlich sollte auch die Schulleitung einbezogen werden. Auch Schulpsychologen können helfen.

Lehrer
Das Verhalten der Lehrer hat laut Experten großen Einfluss, ob es an Schulen Nährboden für Mobbing gibt. Auch die Verfügbarkeit von Mediatoren bzw. Sozialarbeitern und Schulpsychologen spielt eine entscheidende Rolle. Leider wird laut Experten das Problem häufig seitens der Lehrer nicht erkannt und das Opfer als "zu sensibel" eingeschätzt. Da oft gruppendynamische Aspekte innerhalb der Klasse eine Rolle spielen, müssen Lehrer besonders sensibel mit "dem Neuen in der Klasse" oder auch bei einer neu zusammengewürfelten Klasse umgehen. In Zusammenarbeit mit Präventionsstellen der Polizei oder Anti-Mobbing-Trainern können Lehrer gemeinsam mit der Klasse erlernen, wie man sich gegen Mobbing wehrt. Dabei hilft es nicht zu sagen "wehr dich, wenn dich jemand ärgert". Können sich Schüler selbstbewusst und schlagfertig wehren, kommt es oft erst gar nicht zu weiteren Mobbing-Angriffen, weil den Tätern die nötige Opferhaltung fehlt. Doch das muss trainiert werden.

Mitschüler
Mitschüler sollten den Mut haben und Sozialarbeiter oder Lehrer auf ein Mobbing-Problem in ihrem Umfeld ansprechen. Denn ist das Opfer nicht allein den Repressalien des Täters ausgesetzt, ist schon viel getan. Mobbing-Opfer schämen sich meist und können diesen Schritt nicht selbst tun.

Fazit

Mobbing ist an vielen Schulen ein Thema. Aus diesem Grund haben Lehrer und Sozialarbeiter hier eine besondere Verantwortung. Aber auch Eltern sollten ihre Kinder genau beobachten und bei Veränderungen nachfragen. Experten empfehlen Eltern und Lehrern schon frühzeitig über Themen wie Mobbing und Cybermobbing mit den Schülern zu sprechen. Anti-Mobbing-Trainer aber auch die Präventionsstellen der Polizei können hier eine gute Unterstützung sein.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 30. April 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. April 2019, 02:10 Uhr