Heuschnupfen: So kriegst du die Allergie in den Griff

Symbolfoto die Pollen fliegen wieder! Eine Frau schneutzt hinter einem blühenden Haselstrauch. 1 min
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Umschau-Quicktipp Heuschnupfen

Heuschnupfen

MDR JUMP Mo 25.03.2019 02:10Uhr 01:15 min

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In den westlichen Industriestaaten ist die Zahl der Menschen mit Allergien laut Robert-Koch-Institut in den letzten Jahrzehnten um das 20-fache gestiegen. Darunter sind vor allem Pollenallergiker. In Deutschland hat jeder achte Erwachsene im Lauf seines Lebens Heuschnupfen - pünktlich zur wärmeren Jahreszeit leiden Betroffene dann unter Niesreiz, geschwollener Nase und Augenjucken. Mit den richtigen Mitteln kann man die Allergie allerdings gut in den Griff bekommen.

Was hilft?

Experten empfehlen, die Pollen möglichst zu meiden. Das ist die sicherste Methode, allerdings in der Praxis eher schwierig, denn Pollen fliegen kilometerweit durch die Luft. Deshalb gibt es zahlreiche Medikamente, um die Symptome des Heuschnupfens zu lindern. Diese sollte man sich individuell von einem Arzt zusammenstellen lassen, denn nicht für jeden Heuschnupfen-Geplagten taugen die gleichen Medikamente. Hier hilft ein Allergologe, aber auch Hausärzte, Hals-Nasen-Ohren-Ärzte oder Haut- und Kinderärzte können eine entsprechende Fachqualifikation haben. Nur sie können die richtige Diagnose stellen und entsprechend beraten. Denn bei der Anwendung von Heuschnupfen-Medikamenten kann man einiges falsch machen - Unterdosierung bringt nichts, und eine Überdosierung kann sogar schädlich sein. Zudem kann ein nicht oder falsch behandelter Heuschnupfen das Risiko auf zunehmende Atemwegsbeschwerden bis hin zu Asthma erhöhen.

Zunächst sollte man auf rezeptfreie Medikamente gegen den Heuschnupfen setzen. Diese bekommt man von unterschiedlichsten Anbietern in der Apotheke. Erst wenn sie keine Linderung verschaffen, sind rezeptpflichtige Mittel eine Alternative. Eventuell kommt auch eine Hyposensibiliserung, also eine Immuntherapie in Frage.

Rezeptfreie Medikamente

Diese werden in den meisten Fällen empfohlen und müssen von erwachsenen Patienten in der Regel selbst bezahlt werden. Als sanfteste Variante bei leichten Beschwerden, die auch für Schwangere geeignet ist, empfehlen Experten Wirkstoffe wie Cromoglizinsäure. Durch sie wird verhindert, dass der Körper Histamin freisetzt. Somit werden die Symptome des Heuschnupfens unterdrückt. Doch bis die Medikamente wirken, dauert es circa zwei Wochen. Solange müssen Allergiker vor Start des Pollenfluges die Mittel mehrmals täglich einnehmen. Nur so wirkt die Therapie auch.

Schnellere Wirkung haben Sprays und Tropfen mit Wirkstoffen aus der Antihistaminika-Gruppe. Sie blockieren die Andockstellen des Botenstoffes im Gewebe und bremsen somit das Immunsystem aus. Bei diesen Präparaten unterschiedet man in erste, zweite und dritte Generation. Während Medikamente der ersten Generation mit älteren Wirkstoffen wie Clemastin, Ketotifen oder Dimetinden müde machen, wirkt die zweite Generation mit Wirkstoffen wie Cetirizin oder Loratadin weniger ermüdend und wird von Experten eher empfohlen. Nur wenn die Wirkung nicht ausreicht, kann ein Antihistaminikum der dritten Generation, wie zum Beispiel Ebastin oder Rupafin, sinnvoll sein. Dieses ist jedoch verschreibungspflichtig. Wichtig bei allen Antihistaminika: Um eine dauerhafte Wirkung zu erzielen, sollten sie regelmässig angewendet werden.

Test der Stiftung Warentest

Die Auswahl bei den rezeptfreien Heuschnupfen-Medikamenten ist riesig. Aus diesem Grund hat die Stiftung Warentest diese Mittel in den Fokus einer Untersuchung gerückt. Arzneimittelexperten bewerteten im Frühjahr 2018 Präparate gegen die Immunreaktion des Körpers auf Pollen, darunter Augentropfen und Nasensprays, aber auch Tabletten, Saft und Sirup. Als empfehlenswert wurden Medikamente eingestuft, wenn ihre Wirksamkeit durch aussagekräftige Studien belegt werden konnte und der Nutzen die Risiken übersteigt. Das Ergebnis ist eine Empfehlung von 52 geeigneten Augentropfen, Nasensprays und Mitteln zum Einnehmen. Dabei gibt es erhebliche preisliche Unterschiede. Bei Tabletten mit dem Wirkstoff Loratadin kosteten 20 Stück mit jeweils 10 mg Wirkstoff im Untersuchungszeitraum beispielsweise zwischen 2,70 Euro und 6,62 Euro.

Rezeptpflichtige Medikamente

Wenn die rezeptfreien Medikamente nicht ausreichen, können Allergiker auf verschiedene rezeptpflichtige Mittel zurückgreifen. Darunter gibt es auch Mittel mit Kortison. Diese sollte man nach Rücksprache mit dem Arzt allerdings eher als Nasenspray statt mit Tabletten einnehmen, denn sie reizen den Magen. Allerdings kann eine längere Anwendung auch die Nase schädigen. Deshalb hier nur maximal vier Wochen am Stück anwenden.

Immuntherapie

Bei der sogenannten Hyposensibilisierung bekommt der Allergiker gezielt Allergene in kleinen Dosen zugeführt, um das Immunsystem nach und nach daran zu gewöhnen und die Symptome so abzuschwächen. Die Therapie dauert bis zu drei Jahre, eine Erfolgsgarantie gibt es dabei nicht.

In den meisten Fällen bekommen Patienten dafür zunächst wöchentlich, später in größeren Zeitabständen, eine Spitze mit dem Allergen gesetzt. Gerd Glaeske, Leiter der Arzneimittelbewertung der Stiftung Warentest bewertet diese Therapie jedoch nur als "mit Einschränkungen geeignet".  Ein Grund dafür sind die Nebenwirkungen: In seltenen Fällen kann es zu schweren allergischen Reaktionen bis hin zum Kreislaufschock kommen. Deshalb müssen Patienten nach der Therapiesitzung für 30 Minuten in der Praxis bleiben, bevor sie nach Hause gehen können.

Eine neuere Variante der Hyposensibilisierung verzichtet auf Spritzen. Bei der sublingualen Immuntherapie wird das Mittel unter die Zunge gelegt oder geträufelt. Dabei werden allergische Reaktionen im Mund erzeugt. Nebenwirkungen treten hier seltener auf als bei den Spitzen. Hierfür muss man nicht regelmäßig zum Arzt, sondern kann die Therapie auch zuhause machen. Wichtig dabei: die konsequente tägliche Einnahme.

Weitere Tipps

  • Schutz an Fenstern: Lindernd wirken sich Schutzgitter an den Fenstern aus. Hier gibt es spezielle Produkte, die die Pollen draussen halten. Auch saugen und feucht wischen in den Wohn- und Schlafräumen hilft. Es empfiehlt sich ein Staubsauger mit Mikrofilter.
  • Pollen weg waschen: Tägliches Haare waschen am Abend hilft die reizenden Pollen des Tages loszuwerden. Auch getragene Kleidung sollte aus dem Schlafzimmer verschwinden. In der Pollenzeit Bettwäsche und Kleidung nicht draussen trocknen.
  • Pollenflugkalender lesen: Diesen Kalender sollten Allergiker gut studieren. Er zeigt im Jahresverlauf wann welche Pollen fliegen und wie stark die Belastung ist. Zusätzlich gibt es in Rundfunk, Tageszeitung und Internet tagesaktuelle Vorhersagen. Wichtig ist der Kalender weil viele Mittel vorbeugend wirken.
  • Kreuzreaktionen beachten: Bei einigen Patienten können zum Heuschnupfen weitere Unverträglichkeiten hinzukommen. Da sich die Allergene einiger Pollen und Lebensmittel ähneln, kann es auch beim Verzehr von bestimmten Lebensmitteln zu Kreuzreaktionen kommen. Vom Arzt abklären lassen.
  • Pollenfilter im Auto: Auch hier gelangen Pollen über offene Fenster oder die Lüftung hinein. Ein Pollenfilter ist vom Mechaniker einfach nachzurüsten und hilft.
  • Kinder: Der Akut-Wirkstoff Levocabastin ist ab einem Lebensjahr einsetzbar. Mittel mit Citirizin können ab zwei Jahren angewendet werden. Ab sechs Jahren können für Kinder ähnliche Medikamente wie für Erwachsene angewendet werden. Eine Immuntherapie ist in der Regel bereits mit 5 Jahren möglich.
  • Hausmittel: Unterstützend wirken verschiedene Hausmittel gegen die Symptome des Heuschnupfens. Gegen eine verstopfte Nase helfen Dampfbäder, die mit Salz oder ätherischen Ölen angereichert werden können. Auch eine Nasendusche hilft hier. Gegen das Kratzen im Hals hilft viel Flüssigkeit.

Fazit

Es gibt zahlreiche wirksame Mittel für Heuschnupfen-Geplagte. Du solltest aber in jedem Fall zunächst einen Arzt aufsuchen, um das richtige Medikament zu finden. Achte dabei auch auf die Nebenwirkungen - manche Präparate machen müde und können beim Autofahren gefährlich werden.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 25. März 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. März 2019, 02:10 Uhr