Schäden durch Marder an Auto und Haus vermeiden

Sie sind fast nie zu sehen und verursachen doch jedes Jahr Millionenschäden. Kein Gebäude und kein Auto sind vor Mardern sicher. Was sie anrichten können und wie du sie im Ernstfall los wirst erfährst du jetzt.

Eine Marder unter der Motorhaube. 1 min
Bildrechte: imago images / blickwinkel

MDR JUMP Do 30.07.2020 10:45Uhr 01:07 min

Audio herunterladen [MP3 | 1 MB | 128 kbit/s] Audio herunterladen [MP4 | 2,1 MB | AAC | 256 kbit/s] https://www.jumpradio.de/podcasts/quicktipp/schaeden-durch-marder-vermeiden-100.html

Rechte: MDR JUMP

Audio

Wovon reden wir eigentlich?

Erste Erkenntnis: Obwohl sie tolle Zähne haben, sind Marder keine Nagetiere sondern Alles fressende Raubtiere. Zweite Erkenntnis: Ihre Familie ist groß. Sie reicht vom winzig kleinen Mauswiesel bis hin zum aggressiven Vielfraß, den selbst Jäger und Bären fürchten. Ein bisschen davon steckt auch im bei uns heimischen Steinmarder. Und deswegen lautet die dritte Erkenntnis: Lege dich nie persönlich mit einem Steinmarder an. Wenn so ein maximal zwei Kilo schweres Tier sich wehrt, trägst du schwere Verletzungen davon. Und letzte Erkenntnis: Hast du mal einen Marder am Hals, kann er dir bis zu 20 Jahre "treu" bleiben. Er schläft gern am Tag und ist außer in der Paarungszeit Juli/August strenger Einzelgänger.

Welche Schäden richten Marder am Haus an?

Wenn du das Rascheln und Getrippel auf deinem Dachboden nachts über lange Zeit nicht bemerkst, dann können Marder sich richtig schön häuslich einrichten. Dabei kommen sie über Dachrinnen oder auch mal direkt an der Hauswand entlang durch Löcher oder Ritzen ab 5 Zentimeter Größe. Sie schleppen Obst, Gemüse, tote Tiere ein und zerlegen das genüsslich. Im leichtesten Fall stinkt es nur und du wirst im Schlaf gestört. Schlimmer wird es, wenn Marder die Dachisolation unter den Dachziegeln oder gar elektrische Leitungen anfressen. Vom Feuchtigkeitsschaden bis hin zum Brand ist alles möglich. Und: Durch seine Abfälle werden andere Schädlinge angezogen. Hast du einen Marder im Haus, prüfe, ob deine Versicherung eventuelle Schäden deckt.

Wie wirst du den Marder wieder los?

Tatsächlich ist Aussperren die beste Methode. Suche nach allen möglichen Durchschlupflöchern und verschließe sie mit Drahtgeflecht oder anderem bisssicheren Material. Wichtig ist immer wieder zu überprüfen, ob der Marder wirklich nicht reinkommt, er kann nämlich auch mal einen großen Dachziegel hochheben und sich durchquetschen. Allgemein mag er keine großen offenen Räume, weshalb ein möglichst leerer, aufgeräumter Dachboden sehr wichtig ist. Hat sich der Marder häuslich eingerichtet, kannst du ihn mit Licht und lauter Musik am Tag nerven. Strenge Gerüche wie von WC-Steinen oder auch Tierhaaren sollen ihn ebenfalls vertreiben. Erfolgreicher sind jedoch Ultraschallgeräte, die ihn mit hohen Tönen nerven. Wichtig dabei: Wenn kleine Kinder oder empfindliche Menschen sich in der Nähe der Ultraschallgeräte aufhalten, können sie davon unter anderem Kopfschmerzen bekommen.

Wenn er weg ist, kommt er wieder. Er hat nämlich in seinem Revier fünf und mehr  Behausungen und wechselt gerne mal. Deshalb musst du immer wieder mit Besuch rechnen und wachsam bleiben

Wer darf dem Marder Fallen stellen?

Steinmarder
Bildrechte: Imago/McPHOTO

Das ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich und wird vom jeweiligen Jagdgesetz geregelt. In Sachsen etwa darf man im eigenen Grundstück eine Falle aufstellen und den Marder dann wegbringen oder gar töten. Das ist aber in der Praxis schwierig und ziemlich sinnlos. Denn wenn ein Marder weg ist, zieht bald ein neuer in das freigewordene Revier und guckt erstmal in deinem Auto nach, ob er nicht dort kräftig markieren muss. Und Vorsicht: Auch wenn es im Internet für wenige Euro effektive Marderfallen zu kaufen gibt: Wer in seinem Bundesland gegen Jagdrecht verstößt oder Schonzeiten nicht einhält, kann unter anderem Bußgelder von bis zu 5000 Euro zahlen. Wende dich also im Zweifel immer an die für dich zuständige sogenannte Untere Jagdbehörde oder/und an einen Schädlingsbekämpfer, die wissen Bescheid, was du darfst und was nicht.    

Warum "lieben" Marder Autos?

Ein Marder duldet in seinem Revier keine Konkurrenz. Parkt dein Auto nachts immer an der gleichen Stelle, wird er es einmal markieren und du solltest keine Probleme bekommen. "Wir haben aber Kunden, bei denen denken Sie, dass der Marder das Auto regelrecht hassen muss, er zerlegt da innen alles was geht. Fragt man dann nach, hört man oft, das sind Pendler", so Kfz-Meister Erik Apitz aus Dornreichenbach. Und damit beschreibt der Experte genau das Problem. Hat der Marder den schönen warmen Motorraum deines Autos als sein Revier markiert und du übernachtest dann ganz woanders, wird der dortige Marder bei seiner nächtlichen Runde sofort merken, dass da ein vermeintlicher Eindringling in seinem Revier markiert hat und mit wütenden Bissen reagieren. Dein neuer Gebrauchter bekommt also am besten erstmal eine gründliche Motorwäsche, bevor du ihn nachts vorm Haus parkst.

Welche Schäden richten sie am Auto an?

Stempel mit der Aufschrift "Teilkasko"
Bildrechte: Imago/blickwinkel

Auf den Ersten Blick erkennst du einen Marderbesuch nur an kleinen Pfotenabdrücken auf der Karosse und/oder einer angeknabberten Antenne. Hat der Marder wichtige Kabel durgebissen, kommst du im besten Fall gar nicht erst los. Ansonsten bleibst du unter Umständen später irgendwo im Verkehr liegen, weil wichtige Bauteile beschädigt sind. Dazu unser Experte: "Das berüchtigte  Zündkabel ist heute eher selten dran, bei aktuellen Modellen sitzen die Zündspulen ja direkt über der Zündkerze. Aber Kühlwasserschläuche, Kabelbäume allgemein, Faltenbalge und natürlich alle Arten von Verkleidungen sind sehr beliebt." Und das kann an deinem Auto auch langfristig zu schweren Schäden führen. Über die Kasko-Versicherung werden die meisten Marderschäden abgedeckt. Wichtig: Manche Versicherungen zahlen nur für den unmittelbaren Schaden, nicht aber für die Folgen. Dazu musst du den Versicherungsvertrag genau prüfen.

Marderabwehr am Auto

"Ultraschallgeräte oder auch Elektroschocker bieten eigentlich eine sehr gute Abwehr", so unser Experte. Wer über handwerkliches Geschick verfügt und sich mit Autoelektrik auskennt, kann die kleinen Geräte ab 20 Euro im Internet kaufen und selbst im Motorraum einbauen. Für Ungeübte hat unser Kfz-Meister einen anderen Tipp: "Die Ultraschallvariante gibt es auch mit Knopfzellen, die halten gut 18 Monate. Das müssen Sie nirgendwo anschließen, einfach nur im Motorraum an einer sicheren Stelle anbringen. "Die Geräte erkennen mit einem Sensor, wann das Auto fährt und schalten sich für diese Zeit ab.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 30. Juli 2020 | 10:45 Uhr

Mehr Quicktipps