So gesund sind Light-Lebensmittel wirklich

10.02.2020 | 09:10 Uhr

Joghurt Regal im Supermarkt 1 min
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MDR JUMP Mo 10.02.2020 02:10Uhr 01:13 min

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Was 'Light-Lebensmittel' bedeutet

Hersteller, die ihre Lebensmittel als fettarm, leicht oder energiereduziert bezeichnen wollen, müssen laut EU-Verordnung dafür ganz bestimmte Voraussetzungen erfüllen: Energiereduziert bedeutet zum Beispiel, dass mindestens 30 Prozent weniger Kalorien enthalten sind als in einem normalen Vergleichsprodukt. Zuckerarm bedeutet, dass ein Produkt im festen Zustand nicht mehr als fünf Gramm Zucker pro 100 Gramm Lebensmittel enthalten darf. Das heißt, es ist weniger Zucker drin, vielleicht aber für den guten Geschmack mehr Fett. "Light" oder "leicht" darf nur auf Lebensmitteln stehen, wenn mindestens 30 Prozent Kalorien gespart werden. Es muss dabei aber zwingend informiert werden, wovon das Produkt weniger enthält.    

Von einem weniger, vom anderen mehr

In einem als fettfrei beworbenem Produkt können ohne weiteres reichlich Zucker, Salze und Zusatzstoffe wie Geschmacksverstärker enthalten sein. Denn sie sorgen dafür, dass wir gerne zubeißen. Wer einfach Fett bei einem Lebensmittel reduziert, macht es unter Umständen fade. Durch mehr Zucker oder die Geschmacksverstärker wird dies ausgeglichen. Das funktioniert auch umgekehrt: Setzt man einem zuckerreduzierten Joghurt mehr Fett zu, passt der Geschmack wieder. Und so haben Light-Lebensmittel oft von einem weniger, dafür von anderen Stoffen mehr.

Symbolbild Nutri-Score
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Nährwertprofile oder auch Lebensmittel-Ampeln könnten den Verbraucher genauer und vor allem schnell ersichtlich aufklären, was wirklich drin ist. Doch diese Angaben sind bislang freiwillig. Nestlé, Aldi und Lidl haben allerdings angekündigt, noch 2020 die Nährwertkennzeichnung 'Nutri-Score' für ihre Produkte zu verwenden.

Was die Stiftung Warentest sagt

Die Experten haben 77 Lebensmittel eingekauft und nachgerechnet, wieviel Zucker, Fette und Kalorien damit tatsächlich gespart werden können. Außerdem wollten die Warentester wissen, welche Ersatz- oder Austauschstoffe enthalten sind. Und sie haben die Kosten verglichen. Das Ergebnis: Light-Lebensmittel kosten heutzutage in der Regel so viel wie normale Lebensmittel. Bei 60 Prozent der Produkte spart man deutlich an Kalorien. Dafür wird aber jedes zweite Produkt mit anderen Stoffen, wie etwa ungesunden Palmfetten, umstrittenen Süßstoffen oder Geschmacksverstärkern aufgepeppt. Und die Hersteller nutzen in der Werbung alle Grauzonen aus. So werden zum Beispiel Kinderpuddings mit 30 Prozent weniger Zucker beworben und tatsächlich einfach nur mit Milch verdünnt. Ein Testergebnis deshalb: Wer bei Light-Produkten wirklich wissen will, was drin ist, muss das Kleingedruckte lesen und selber rechnen.   

Was Light Produkte wirklich können

Kalorienreduzierte Light-Produkte, die vor allem Fett einsparen, können beim Abnehmen helfen. Fettreduziertes Fleisch oder auch Wurst können zu einer gesunden Ernährung beitragen. Man muss aber beim Kauf genau auf die enthaltenen anderen Inhaltstoffe achten.

Welche Fallen in der Light-Ernährung eingebaut sind

Eine Frau hält Zuckerwürfel und Süßstoff-Tabletten.
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Künstliche Süßstoffe wie Cyclymat oder Aspartam können beim Kaloriensparen helfen. Manche stehen aber im Verdacht, den Appetit erst richtig anzuregen. Außerdem kann unser Gehirn mit dem Verlangen nach mehr reagieren. Süß bedeutet für den Körper Energie. Bleibt die aber aus, kann es zu vermehrtem Appetit auf Süßes kommen. Der Zuckerersatzstoff Stevia hat im Vergleich zu handelsüblichem Zucker fast keine Kalorien, er schmeckt aber von Haus aus ein bisschen bitter. Das ist gewöhnungsbedürftig. Wird ein Produkt 'mit Stevia' beworben, heißt das nicht gleich, dass er auch zuckerfrei ist. Light-Produkte könnten außerdem den Eindruck vermitteln, man spare damit Kalorien und deswegen könne man richtig zugreifen. Das heißt, der Spargedanke fördert unter Umständen ein ungesundes Essverhalten. Die Essportionen dürfen sich also nicht erhöhen.

Fazit

Light-Lebensmittel versprechen eine kalorienreduzierte Ernährung. Im Prinzip halten sie dieses Versprechen auch. Der Verbraucher muss aber genau hinschauen, was in den Lebensmitteln wirklich drinsteckt. Um eine Stoffgruppe einzusparen, fügen die Hersteller oft andere Stoffe zu, und die wiederum können sogar ungesund sein. Nur Light-Lebensmittel zu essen, garantiert noch keine gesunde Ernährung oder etwa einen Abnehmerfolg. Dafür sollte man vielmehr frische, möglichst wenig verarbeitete Lebensmittel aus der ganzen Ernährungspalette wählen und Sport treiben.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 10. Februar 2020 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Februar 2020, 09:10 Uhr

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