Lastenfahrräder: Wie findet ihr für eure Familie das passende Rad?

29.05.2019 | 02:10 Uhr

Ein Mann fährt mit einem Lastenrad 1 min
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MDR JUMP Mi 29.05.2019 02:10Uhr 01:08 min

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Ob Kinder, Einkauf oder Werkzeug für den nächsten Handwerkerjob – Lastenfahrräder sind eine echte Alternative für den mobilen Transport. Gemeinsam haben alle Typen den stabilen Rahmen, der den Transport von Lasten erst ermöglicht und meist eine größere Transportbox. Diese ist vor dem Lenker oder hinter dem Sitz des Rades montiert. Lastenräder sind deshalb breiter und länger als gewöhnliche Fahrräder. Doch nicht nur deshalb gilt es rund um das praktische Gefährt einiges zu beachten.

Lastenradtypen

Mit dem Boom der Lastenräder in den letzten Jahren hat auch die Modellvielfalt zugenommen. Das Design ist attraktiver geworden und der Zubehörmarkt lässt bei wählbaren Extras keine Wünsche offen. Unterschieden wird meist in einspurige und mehrspurige Räder sowie Lastenfahrräder mit doppeltem Gepäckträger. Während letztere dem klassischen Fahrrad am nächsten kommen, weil sie zusätzlich eine zweite Lademöglichkeit besitzen, unterscheiden sich andere Lastenräder deutlicher.

Einspurig:
- Long John, der Klassiker unter den Lastenrädern, kommt auf zwei Rädern daher und ist wesentlich älter als das Christiania-Bike. Schon in den 1920er-Jahren des letzten Jahrhunderts wurden diese Räder mit verlängertem Radstand und der Transportfläche zwischen Lenker und Vorderrad produziert.
- Der Backpacker, auch Long Tail, genannt, ist ein Zweirad. Der Rahmen ist nach hinten verlängert und hat einen besonders großen Gepäckträger.
- Das Postrad, auch Backerfahrrad genannt, ist ebenfalls ein Zweirad mit großen Körben vorn und/oder hinten.

Bakfiets - traditionelles Lastenrad in Amsterdam
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Zweispurig:
- Dreiräder. Bei diesen Rädern sitzt die Transportkiste auf der zweirädrigen Vorderachse. Der Klassiker hier ist das seit 1984 gebaute sogenannte Christiania-Bike, das nach der gleichnamigen alternativen Wohnsiedlung in Kopenhagen benannt ist.

Fahreigenschaften

Im Vergleich zum herkömmlichen Fahrrad sind Lastenräder weniger agil und flink, da sie ja für den Lastentransport konstruiert sind. Insbesondere die Lenkung ist am Anfang gewöhnungsbedürftig. Und natürlich ist auch der Wendekreis größer als bei einem herkömmlichen Rad.

Worauf muss ich beim Kauf achten?

Eine Frau fährt auf einem Elektrolastenfahrrad bei einem Pressetermin im Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum (DLR) in Köln
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Da die Anschaffungskosten für ein Lastenrad recht hoch sind, sollte man sich vor dem Kauf einen Überblick verschaffen, welche Modelle in Frage kommen. Für Familien ist meist der Kindertransport ausschlaggebend für den Kauf. Hier fällt die Entscheidung in der Regel zwischen Dreirad und Long John.

Ein Dreirad sollte es werden, wenn eher gemächlich gefahren wird, die zurückzulegenden Strecken nicht allzu lang sind und viel transportiert werden muss. Wer eher längere Strecken fährt und schnell ans Ziel kommen möchte, der ist mit einem zweirädrigen Lastenfahrrad besser dran.

Ist die Entscheidung für den Grundtyp gefallen, unterscheiden sich die Modelle noch in Einzelheiten, die auch Einfluss auf die Fahrweise haben. Die Lenkung bewegt beispielsweise bei Dreirädern wahlweise Lenker, Transportbox und vordere Laufräder oder nur die Laufräder. Bei Long Johns gibt es Modelle mit einer Sitzposition im Holland-Stil oder mit einer eher sportlichen Variante.

Unumgänglich vor dem Kauf sind deshalb eine ausführliche Beratung durch den Händler und eine Probefahrt. Die Kinder sollten beim Radtest dabei sein, damit auch sichergestellt ist, dass sie gut ein- und aussteigen können und sich im Rad wohlfühlen. Im Fachhandel kann man sich – wie bei normalen Rädern auch – sein Lastenrad gegen Aufpreis selbst zusammenzustellen.

Vor dem Kauf sollte bedacht werden, dass ein Lastenrad eine größere Unterstellmöglichkeit braucht, weil es in der Regel etwas länger und auch breiter ist als ein gewöhnliches Fahrrad. Eine enge Treppe in den Keller kann da schnell zum Hindernis werden, auch weil ein Lastenrad mehr wiegt als einfache Fahrräder.

E-Lastenräder

Ein Fahrradkurier fährt 2017 auf einem "Cubicycle"-Fahrrad.
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Der größere Teil der Lastenradkäufer entscheidet sich inzwischen für die motorisierte Variante. Schließlich unterstützt der Motor die Tretbewegung, so dass der Fahrer auch mit einem voll beladenen Rad mit bis zu 25 km/h gut vorankommt. Gerade in Städten kann das Lastenrad so durch guten Komfort und Schnelligkeit zur Auto-Alternative werden. E-Lastenräder gibt es ebenfalls als Zwei- und Dreiräder. Kalkulieren sollte man bei der E-Variante, dass nach einer gewissen Zeit der Akku ersetzt werden muss, ein witterungssicherer Stellplatz benötigt wird und der Wartungsaufwand wegen der komplexen Technik hoch ist.

Kosten

Lastenfahrräder sind nicht zu Schnäppchenpreisen zu haben. Basisvarianten werden ab zirka 1.500 Euro ohne Zubehör, wie z.B. Regenplanen, angeboten. Für E-Lastenräder muss man mindestens 4.000 Euro berappen, man kann mit allem Zubehör aber auch im unteren fünfstelligen Bereich landen. Vor der Anschaffung eines Lastenfahrrades lohnt es sich zu prüfen, ob man einen Zuschuss zum Kauf bekommen kann. Aktuell laufen immer mehr Förderprogramme vom Staat, von Ländern und Kommunen. Die Programme richten sich sowohl an private als auch an gewerbliche Kunden. Informationen und Beratung dazu geben auf Lastenräder spezialisierte Händler - oder man recherchiert selbst im Netz. Der hohe Kaufpreis und der aktuelle Boom von Lastenrädern hat einen Vorteil: Der Wiederverkaufswert der Räder ist sehr hoch, liegt oft bei bis zu 80 Prozent des Anschaffungspreises. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass die Räder gut gepflegt sind. Lastenfahrräder sollten deshalb selten im Regen stehen und wenn, dann mit einem entsprechenden Schutz.

Kinder im Lastenrad?

Anders als im Fahrradanhänger dürfen in Lastenrädern laut StVO auch mehr als zwei Kinder mitgenommen werden. Bis zu vier Kinder im Alter von maximal sieben Jahren dürfen befördert werden, ein Mindestalter gibt es dabei nicht. Ein großer Vorteil: Man hat die Kinder immer im Blick und die Kinder haben einen tollen Ausblick. Allerdings muss die Transportbox des Rades gewisse Voraussetzungen erfüllen. Die StVO schreibt vor, dass “durch Radverkleidungen oder gleich wirksame Vorrichtungen dafür gesorgt ist, dass die Füße der Kinder nicht in die Speichen geraten können“ und “besondere Sitze vorhanden sind“.

Für das bequeme Sitzen der Kleinen bieten die Hersteller ein breit gefächertes Sortiment an. Es gibt Wintersitzkissen und Sitzbänke mit Lehnen, auf denen auch Sitze für Kleinkinder montiert werden können. Selbst Babys ab zwei Monaten können im Lastenrad mitfahren. Dazu wird die Babyschale im Rad genau wie im Auto entgegengesetzt der Fahrtrichtung montiert. Die Kinder sollten angeschnallt sein, ein 3-Punkt-Sicherheitsgurt wird dabei als Mindeststandard empfohlen, ebenso das Tragen eines Schutzhelmes.

Um die Kinder vor Wind und Wetter zu schützen, gibt es im Handel Verdecks. Einige Hersteller bieten auch schon Kinderkabinen mit Überrollschutz an.

Mit dem Lastenrad in die Bahn – geht das?

Fahrgäste und Fahrräder im Fahrradabteil eines Zuges
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Wer sein Lastenrad auch in der Bahn mitnehmen will, sollte sich für ein kleineres Modell entscheiden. Einspurige und kompakte Modelle, die kaum länger als ein herkömmliches Fahrrad sind, lassen sich leichter in der Bahn transportieren. Im Regionalverkehr können Lastenräder, wenn auch mit Mühe, im Fahrradabteil untergebracht werden. Allerdings lassen nicht alle Fahrverbünde Lastenräder zu.

Im Fernverkehr unterscheidet die Bahn zwei Fahrradtypen: “normale“ und “besondere“ (z.B. Liegeräder und Tandems). Lastenräder fallen unter “besondere“, wobei bei beiden Typen die Größe in den Beförderungsbedingungen nicht näher spezifiziert ist. Fest steht: Soll das Lastenrad im Fernverkehr mitreisen, muss ein gesonderter Stellplatz gebucht werden. Das geht nicht online, sondern nur am Schalter. Nicht in allen Fernverkehrszügen gibt es Fahrradstellplätze, und wenn, dann stehen nur sehr wenige Plätze für größere Räder zur Verfügung. Wer sein Lastenrad im Zug mitnehmen will, sollte vorher auch klären, wie das Rad bis zum Zug kommt. Ist kein Fahrstuhl auf dem Bahnhof vorhanden, wird der Weg zum Bahnsteig nämlich schnell zur Tortur.

Versicherung

Lastenfahrräder sind wegen des aktuellen Booms und wegen ihres Wertes auch bei Langfingern sehr beliebt. Es ist deshalb ratsam, in ein sehr gutes Schloss zu investieren. Experten empfehlen sogar, das Rad immer mit zwei Schlössern zu sichern und auf jeden Fall polizeilich markieren zu lassen. Auch die Hausratversicherung muss um das Lastenfahrrad erweitert werden. Inzwischen bieten Versicherungen und auch Hersteller sogar spezielle Policen für die Räder an.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 29. Mai 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. Mai 2019, 02:10 Uhr