Kuscheln mit dem Haustier - Warum es dir gut tut und wann es gefährlich wird

Hund, Katze, Maus sind gut für uns. Tatsächlich sind Haustierbesitzer gesünder und oft fitter als andere. Woran das liegt und welche Gefahren gleichzeitig beim Kuscheln mit Schnuffi und Co drohen, erfährst du jetzt.

Frau kuschelt mit Katze 1 min
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MDR JUMP Mi 17.03.2021 10:45Uhr 01:14 min

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Die positiven Effekte

Naturheilkundlerin und Schulmedizinerin Dr. Anke Görgner sagt ganz klar: "Menschen, die mit ihrem Haustier kuscheln, spazieren gehen und sich mit ihm beschäftigen, geht es gesundheitlich oft besser. Sie schütten beim Kontakt Glückshormone wie Oxytocin aus." Der Aufenthalt im Freien sorgt für frische Luft. Das Nervenvitamin D wird in der Haut gebildet und dein Immunsystem gestärkt. "Wir wissen auch, dass Menschen, die ein Haustier haben, in der Regel ruhiger und besser schlafen", so unsere Expertin. Ganz klar also: Schmusen und Kuscheln mit deinem Haustier ist gut für Körper und Seele.

Finnische Forscher und der Bauernhof Effekt – doch keine Spinnerei

Schon lange hält sich das Gerücht, dass Kinder vom Bauernhof inklusive Kontakt zu Kühen und anderem Getier seltener krank werden und noch wesentlich seltener Allergien entwickeln. Finnische Forscher fahndeten nach Fakten und haben bewiesen: Es stimmt! Dazu Dr. Görgner: "Uns ist auch bekannt, dass Kinder, die mit Hund aufwachsen, stärkere Abwehrmechanismen gegen bestimmte Bakterien und Pilze haben, wahrscheinlich ein Trainingseffekt."

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aus dem Tierheim Jena

Es lauern aber auch Gefahren

Besonders für Kinder, Ältere und Menschen mit schwachem Immunsystem können durch zahlreiche Bakterien, Parasiten und Pilze gesundheitlich gefährdet werden, wenn der Kontakt zu eng und unhygienisch ist.

Was Tiere übertragen können

"Es sind seltener die Viren, viel eher Bakterien wie Salmonellen oder auch resistente Keime und nicht zuletzt Tollwuterreger, die vom Tier auf uns übertragen werden und uns gefährden können." Diese Übertragung, bezeichnet als Zoonose, kommt enorm häufig vor. Da reicht es schon, wenn man sich während des Essens mal intensiv mit dem bettelnden Hund beschäftigt und dann weiter isst. Darmparasiten, Spulwürmer, Durchfallerreger oder auch Erreger wie Staphylokokken und Salmonellen können teilweise in beide Richtungen übertragen werden. Auch vermeintlich niedliche Schildkröten oder Schlagen und Echsen können gefährliche Erreger übertragen.

Hinzu kommen Zecken, Flöhe und ganz schnell auch mal Würmer. Dazu nochmal Dr. Görgner: "Sie sollten da nicht zu leichtfertig sein. Dass Hunde das Gesicht ihres Besitzers abschlecken oder gar das von Kindern, geht aus meiner Sicht zu weit."

Auch die Tiere können leiden

Die Übertragung von Krankheiten geht auch ab und zu vom Mensch zum Tier. Entwarnung gibt es zunächst für Herpes geplagte Katzen- und Hundebesitzer: Die Virenstämme von uns Menschen sind für die Vierbeiner nicht gefährlich. Umgekehrt übrigens auch nicht. Aber: Für Chinchillas und Kaninchen sollen menschliche Herpesviren ansteckend und tödlich sein. Hinzu kommt, dass Fluchttiere wie Meerschweinchen und Kaninchen die menschliche Bekuschelung überhaupt nicht genießen, sondern vielmehr in einer Art Angststarre über sich ergehen lassen.

Nach dem Kuscheln ist Hygiene wichtig

Es klingt ein bisschen abgedroschen aber gründliches Händewaschen sollte nach Kuscheln mit deinem Tier ganz normal sein. Besonders für Kinder ist das wichtig; sie fassen sich oft unbemerkt ins Gesicht, stecken die Finger in den Mund und so weiter. Bei der Reinigung von Tierkäfig, Katzenklo und Aquarium solltest du möglichst Handschuhe tragen und dir besonders gründlich die Hände waschen. Wer krank ist oder ein schwaches Immunsystem hat, sollte auf nahen Kontakt zum Tier verzichten und besonders auf Hygiene achten.

Nimmst du dein Tier mit ins Bett?

Das ist für Kinder keine Frage, da gilt ein klares Nein. Denn Kinder können im unruhigen Schlaf das Tier und - wenn es sich wehrt - sich selbst gefährden.

Als Erwachsener solltest du dir genau überlegen, ob Hund und Katze mit in die Kissen kommen. Denn, wenn sie es einmal genießen durften, werden sie es immer wieder einfordern. Und: Beim Schlafen und ganz engem Kuscheln ist der Kontakt intensiver und nicht kontrollierbar. So haben Parasiten und Krankheitserreger optimale Chancen. Hinzu kommt, dass sich Milben und Co. in deiner Bettwäsche unbemerkt ansiedeln und vermehren können. Deshalb gelten folgende Grundregeln:

  • Nur gesunde und gegen Würmer, Zecken und andere Parasiten geschützte Tiere dürfen mit ins Bett.
  • Auch wenn du selbst krank bist, bleibt das Tier draußen.
  • Bei einer Allergie solltest du grundsätzlich ohne Tier schlafen.
  • Vorm Schlafen gehen sind intensive Fellpflege das Putzen von Pfoten und Po des Tieres angesagt.
  • Regelmäßiges Wechseln und Waschen der Bettwäsche ist Pflicht.

Sonderfall Schwangerschaft und Katze

Katzen sind unter den Haustieren nochmal ganz speziell. Schon im normalen Alltag können sie gefährliche Erreger übertragen. Bei einer Schwangerschaft warnt unsere Expertin: "Katzenkot und auch ein Katzenbiss stellen für eine schwangere Frau eine enorm hohe Gefahr dar. Sie und ihr Kind können nachhaltig geschädigt werden. Und dieses Risiko besteht während der gesamten Schwangerschaft". Am gefährlichsten: Eine Ansteckung mit Toxoplasmose. Dabei kann das Kind im Mutterleib so geschädigt werden, dass es mit schweren Fehlbildungen oder gar tot auf die Welt kommt. Allerdings nur, wenn die Mutter noch nie eine Toxoplasmose hatte und somit keine Abwehr dagegen. Wichtig also: Wenn du schwanger bist, oder es werden willst, solltest du dich unbedingt auf Toxoplasmose testen lassen. Bist du immun, ist alles gut, wenn nicht, gilt erhöhte Aufmerksamkeit.

Sonderfall Coronavirus

Von deinem Haustier geht nach einer italienischen Studie keine Gefahr aus. Andersherum schon eher. Das heißt: In Haushalten, in denen Menschen mit einer Covid-19-Infektion leben, können sich unter Umständen auch die Haustiere anstecken. Gesunde Menschen müssen sich also im Kontakt nicht zurückhalten. Wer infiziert ist sollte beim Kontakt unbedingt einen Mund-Nasenschutz tragen, Hände waschen und das Tier möglichst nicht anfassen.

Trotzdem gilt: Führst du ein Tier eines Corona-Patienten aus, dann bitte mit eigener Leine, sämtlichen Hygienemaßnahmen und ohne Kuscheleinheiten. Und auch wer infiziert ist, sollte aufs Kuscheln mit seinem Haustier erstmal möglichst verzichten.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 17. März 2021 | 10:45 Uhr

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