Was hilft gegen Kopfschmerzen und Migräne?

Kopfschmerzen können, egal ob chronisch oder anfallsweise, das Leben massiv beeinflussen. Was gegen Kopfschmerzen hilft und wann du damit unbedingt zum Arzt solltest, haben wir zusammengefasst.

Junge Frau mit Migräne 1 min
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MDR JUMP Do 03.09.2020 10:45Uhr 01:11 min

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Die Kopfschmerzarten

Es soll über 360 verschiedenen Arten geben. Mediziner teilen diese in zwei Gruppen:

  1. Der sogenannte primäre Kopfschmerz. Der entsteht im Kopf selbst, kann also oft keiner äußeren Ursache zugeordnet werden. Dazu zählen der Spannungskopfschmerz und die Migräne als die häufigsten Formen. Und ganz besonders schlimm für die Betroffenen ist der Clusterkopfschmerz. Die Schmerzen sind hierbei oft extrem, die Anfälle sehr häufig.
  2. Der sekundäre Kopfschmerz. Er entsteht in Folge von Verletzungen. Zum Beispiel nach Operationen am Kopf oder Nervensystem, nach einer Kopfverletzung durch einen Unfall. Aber auch eine bakterielle Entzündung der Nerven, Wassermangel, Verletzungen an Hals, Nase, Ohren und Zähnen oder Entzugserscheinungen können unter anderem zu sekundären Kopfschmerzen führen. Wenn die Ursache bekannt ist und der Arzt frühzeitig behandeln kann, verschwinden die in der Regel komplett

Die häufigsten Formen und was du dagegen tun kannst

Spannungskopfschmerz

Pfefferminzöl
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Spannungskopfschmerz ist die am häufigsten vorkommende Kopfschmerzerkrankung, wobei mehr Frauen als Männer betroffen sind. Der Schmerz wird als dumpf, drückend, um den ganzen Kopf herum beschrieben, als wäre der Kopf in einem Schraubstock eingeklemmt. Die Schmerzen können immer mal wiederkehren oder ohne Behandlung auch dauerhaft bleiben. Oft liegt die Ursache in Bewegungsmangel und Verspannung, zum Beispiel wenn man lange am Computer sitzt. Aber auch Zähneknirschen oder Schlafmangel können zu solchen Schmerzen führen. Das beste Hausmittel gegen die Schmerzen ist Pfefferminzöl. Es wird auf die betroffenen Stellen eingerieben und hat einen kühlenden Effekt. Das Öl sollte nicht bei Kleinkindern oder Patienten mit Asthma angewendet werden. Zusätzlich helfen Entspannungsübungen und viel Bewegung im Freien. Und natürlich gibt es die bekannten Kopfschmerztabletten mit Wirkstoffen wie Ibuprofen, Paracetamol oder auch Acetylsalicylsäure.

Migräne

Migräne ist eine chronische Krankheit, die nicht heilbar, aber gut behandelbar ist. Etwa 12 bis 14% aller Frauen und 6 bis 8% aller Männer in Deutschland leiden unter Migräne. Bei Kindern sind 4 bis 5% betroffen. Meist beginnen die Attacken im Teenageralter und erreichen ihren Höhepunkt zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr. Einige Betroffene haben nur ein oder zwei Migräneanfälle im Jahr, andere leiden mehrmals im Monat oder gar täglich unter den Schmerzen. Dieser ist pochend, pulsierend oder stechend. Häufig tritt er einseitig auf, kann sich jedoch auf die andere Seite ausdehnen. Zu den Schmerzen kommen Appetitlosigkeit, Übelkeit, Lärm-, Licht-, und Geruchsempfindlichkeit. Die Attacken dauern von ein paar Stunden bis zu drei Tagen. Als Ursache haben neuere Forschungen eine Überaktivität von Hirnzellen mit anschließender Entzündung des Gehirns gezeigt. Auch Botenstoffe, speziell Serotonin, spielen bei der Entstehung von Migräne eine Rolle. Ausgelöst werden die Attacken durch so genannte Trigger. Dazu zählen Stress, helles Licht, Lärm aber auch Gerüche, Nikotin und Alkohol, sowie Wetterumschwünge. Mit Migränekopfschmerzen musst du Arzt. Er stellt dich auf die richtigen Medikamente ein und bespricht weitere Verhaltensmaßnahmen. Wichtig ist, dass sich Betroffene an regelmäßige Schlaf-, Pausen-, und Essenszeiten halten. Günstig sind auch Entspannungsübungen, Akkupunktur und Ausdauersportarten wie Joggen, Schwimmen oder Radfahren.

Clusterkopfschmerz

Cluster kommt aus dem Englischen und bedeutet Haufen. Anfälle von Clusterkopfschmerzen kommen nämlich in mehreren Schüben hintereinander – bis zu 8 Mal täglich. Dabei dauert eine einzelne Attacke zwischen 15 Minuten bis zu drei Stunden. Die Schmerzen sitzen einseitig hinter Auge, Stirn oder Schläfe und sind unerträglich bohrend und stechend. Hinzu kommen ein tränendes oder gerötetes Auge auf der betroffenen Seite, das Augenlid kann geschwollen sein und herabhängen, oft ist die Nase verstopft und es kommt zu vermehrtem Schwitzen an Stirn und Gesicht. Männer sind dreimal häufiger betroffen als Frauen. Die meisten Patienten sind bei der ersten Attacke zwischen 30 und 40 Jahre alt. Wie es zum Clusterkopfschmerz kommt, ist noch nicht eindeutig erklärt. Vermutet wird, dass Stress und Alkohol eine Rolle spielen oder auch ein gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus. Die Diagnostik kann sich über Jahre hinziehen, denn Clusterkopfschmerz wird häufig mit Migräne verwechselt. Dabei ist aber die Behandlung eine völlig andere: Akut helfen Nasentropfen, reiner Sauerstoff und spezielle Medikamente, die der Arzt verschreiben muss.

Dann solltest du zum Arzt

Eine Frau hat Kopfschmerzen.
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Gelegentliche Kopfschmerzen sind nicht schlimm, aber wenn neuartige Kopfschmerzen auftreten, etwas was so noch nicht da war oder wenn sich Kopfschmerzen verändern, also stärker werden und häufiger kommen, musst du zum Arzt, um die Ursache abklären zu lassen, denn im schlimmsten Fall kann eine Hirnblutung dahinterstecken.

Medikamente nur in Maßen

Wer viel unter Anspannung und Stress steht, bekommt auch schon mal Kopfschmerzen. Der Griff zur Tablette sollte aber kontrolliert werden. Experten empfehlen, an höchstens zehn Tagen im Monat ein Schmerzmittel zu nehmen. Erstens besteht die Gefahr einer Abhängigkeit von solchen Mitteln. Der Kreislauf ist: Schmerzen, Tablette, Wohlgefühl. Das will der Körper dann immer häufiger. Und ein zweites Problem ist: Über einen langen Zeitraum eingenommen, erzeugen Kopfschmerzmittel selbst Kopfschmerzen. Es drohen chronische Kopfschmerzen und andere Probleme wegen der Nebenwirkungen der Medikamente.

Ausweg Schmerztherapie

Wenn du alleine mit den Schmerzen nicht mehr klar kommst und der normale Hausarzt auch nicht weiter weiß, dann hilft eine Schmerztherapie. Dafür gibt es auch in Mitteldeutschland spezielle Kopfschmerzzentren. Hier werden die Schmerzen und die Ursachen genau untersucht. Ein Team von Ärzten, Physiotherapeuten, Psychologen und Ernährungsberatern stellen einen individuellen Behandlungsplan auf. Oft sind nach einem stationären Aufenthalt und einer konsequenten Weiterbehandlung für die Betroffenen deutliche Verbesserungen möglich.

So kommst du mit Kopfschmerzen besser zurecht

Nahaufnahme der Sportschuhe einer Joggerin im Wald
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Ob Veranlagung oder nicht, ein gesunder Lebenswandel kann Kopfschmerzen oder die Anzahl der Attacken reduzieren. Mäßige dich bei Nikotin und Alkohol. Beweg dich ausreichend und versuch, Stress und Überarbeitung zu vermeiden. Nimm nur dann Medikamente, wenn unbedingt nötig. Akzeptiere gelegentliche Schmerzen, besprich aber jede Neuerung oder Veränderung unbedingt frühzeitig mit dem Arzt.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 03. September 2020 | 10:45 Uhr

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