Kontaktlos bezahlen: Wie es funktioniert, welche Haken es gibt

07.04.2020 | 02:10 Uhr

Eine Frau bezahlt kontaktlos mit ihrem Smartphone 1 min
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MDR JUMP Di 07.04.2020 02:10Uhr 01:11 min

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In der Corona-Krise ist das Zahlen mit Bargeld deutlich zurückgegangen. In den vergangenen Tagen wurden mehr als die Hälfte aller Einkäufe kontaktlos mit Girocard bezahlt, hat die Deutsche Kreditwirtschaft mitgeteilt. Im Dezember lag der Anteil noch bei 35 Prozent. Beim kontaktlosen Bezahlen halten Kunden einfach ihre Kreditkarte oder Girocard kurz an ein Lesegerät und schon ist der Einkauf über Funk bezahlt. Das klappt inzwischen auch gut mit Smartphones. Die müssen Nutzer aber vorher mit der der entsprechenden Software ausrüsten. Die anfänglichen Sorgen von Verbraucherschützern und Technikexperten um die Sicherheit der Technik haben sich bisher nicht bewahrheitet. 

Karten mit Funkchip

Visa-Karte mit Funksymbol
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Schnelles kontaktloses Bezahlen ist mit allen Girocards und Kreditkarten möglich, die einen NFC-Chip haben. NFC steht für „Near Field Communication“, auf Deutsch etwa „Daten übertragen über eine kurze Distanz“. Mit „kurzer Distanz“ ist ein Abstand von wenigen Zentimetern gemeint. Die Technik erkennt man in der Regel an einem kleinen Funk­-Symbol (ähnlich wie das WLAN-Symbol: vier gebogene Streifen nebeneinander) auf der Kartenvorderseite. Wird mit diesen Karten per Funk bezahlt, wird das Geld wie gewohnt vom zugehörigen Konto eingezogen. Ebenfalls kontaktlos funktioniert die „Girogo“- Bezahlfunktion auf der Girocard. Dazu muss der Chip allerdings vor dem Bezahlen aufgeladen werden – maximal 200 Euro sind möglich. 

Auch Smartphone oder Smartwatch können genutzt werden

Ein Mann bezahlt kontaktlos mit seiner Smart Watch
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Um mit Smartphone oder Smartwatch zu bezahlen, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein. Wer ein Android-Smartphone hat, kann sich die Bezahl-App seiner Bank runterladen und damit zahlen. Das bieten inzwischen einige Banken, wie Sparkasse oder Volksbank-Raiffeisenbank an. Auch die Nutzung von Google Pay ist möglich. Der Vorteil ist, dass man hier die Daten mehrerer Kreditkarten hinterlegen kann – vorausgesetzt die jeweilige Bank kooperiert mit Google Pay. Mittlerweile kann man auch Paypal mit Google Pay verknüpfen und braucht so gar keine Kreditkarte. Allerdings sammelt Google gerne Daten und kann sich so problemlos ein Bild der Kaufgewohnheiten machen. Besitzer von IPhones haben es nicht so leicht. Apple lässt noch keine fremden Bank-Apps auf dem IPhone zu. Alles läuft über Apple Pay. Das Bezahl-Prinzip ist wie bei Google-Pay. Auch mit Kunden-Apps von Anbietern wie Edeka, Netto oder Payback kann man kontaktlos bezahlen. Die funktionieren ohne NFC-Technik. Die genannten Apps werden auch von vielen aktuellen Smartwatches unterstützt.

An die Kasse halten, fertig

Smartphone, Smartwatch oder Karte werden fürs Bezahlen im Abstand von maximal vier Zentimetern ans Lesegerät an der Kasse gehalten. Der Händler muss zudem die Zahlungsmöglichkeit per Funk aktivieren. Das soll ungehindertes Bezahlen im Vorbeigehen an der Kasse oder mehrfaches Abbuchen vom Konto verhindern. Die beiden Funkchips tauschen dann in weniger als einer Sekunde Bankdaten und Bedienkommandos miteinander aus. Die Daten sind für die Übertragung verschlüsselt. Bei Beträgen unter 25 Euro muss man nicht mal die PIN eingeben. Das Limit für kontaktloses Bezahlen mit der Kreditkarte wurde bereits auf 50 Euro erhöht. Demnächst sollen Kunden auch mit der Girocard bis Einkäufe bis zu 50 Euro kontaktlos zahlen können. Bei höheren Beträgen gibt man die PIN ein.

Diebe und unehrliche Finder könnten mit Smartphone und Karte bezahlen

Zwei junge Frauen mit Handtaschen fahren lächelnd eine Rolltreppe hoch.
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Ein Risiko gibt es bei der Bezahlvariante über Funk: Verliert man das Handy oder die Karte könnten andere kleinere Beträge damit bezahlen. Das klappt auch, wenn das Smartphone-Display mit einer PIN oder einem Muster gesperrt ist. Erst bei größeren Summen muss das Handy entsperrt werden. Ähnlich ist es mit den Karten: kleinere Beträge können Diebe damit zahlen, bei größeren wird die PIN gebraucht. Bei der Einführung der Technik sorgten sich viele Kunden und auch Verbraucherschützer, Kreditkarten könnten sozusagen im Vorbeigehen ausgelesen werden. Dem ist nicht so. Ist der Abstand größer als drei oder vier Zentimeter, funktioniert das Ganze nicht. Für die Verbraucherschützer hat sich damit die Angst, im Vorbeigehen oder auf der Rolltreppe per Funk „ausgeraubt“ zu werden, nicht bestätigt. Wer dennoch unsicher ist, kann seine Karte mit einer speziell beschichteten Hülle schützen. Sie verhindert, dass der Chip unbemerkt ausgelesen werden kann. Bei Onlinehändlern kann man solche Hüllen für unter 10 Euro bestellen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 07. April 2020 | 11:45 Uhr

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