So gesund ist Kokosöl wirklich

Beim Abnehmen soll es helfen, die Haut schöner machen und Zecken abschrecken: Kokosöl, so liest man, ist eine echt Wunderwaffe. Was ist dran an dem Mythos Kokosöl? Wir haben es gecheckt.

Kokosnuss 1 min
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MDR JUMP Mi 29.07.2020 10:45Uhr 01:01 min

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Was ist Kokosöl?

Das Öl wird aus dem getrockneten Fruchtfleisch der Kokosnuss gepresst. Qualitativ hochwertig ist es, wenn es nativ, also kaltgepresst wurde. Dadurch sollen die Inhaltsstoffe besonders gut erhalten bleiben. Industriell hergestellt und in gehärteter Form verkauft wird dagegen Kokosfett, das viele zum Frittieren oder Backen verwenden. Im Gegensatz zum Kokosöl soll es weniger aromatisch sein. Kokosöl ist weiß bis gelblich und wird bei Raumtemperatur hart, was die Qualität jedoch nicht beeinträchtigt. Kokosöl schmeckt leicht süßlich, deshalb wird es in der Küche unter anderem für Desserts und exotische herzhafte Gerichte eingesetzt.

Hilft Kokosöl wirklich beim Abnehmen?

Der Kaloriengehalt von Kokosöl ist nicht geringer als der anderer Öle: 110 Kilokalorien pro Esslöffel. Das Besondere am Kokosöl und der Grund, warum gerade dieses Fett als Fettkiller gehandelt wird, sind die enthaltenen gesättigten Fettsäuren, die zum Großteil von Laurinsäure bestimmt werden. Sie gehört zu den mittelkettigen Fettsäuren, die einen zehn Prozent niedrigeren Energiegehalt haben und den Energieverbrauch besser ankurbeln als die üblichen Nahrungsfette. Einigen Studien zufolge können diese Fette, also auch Kokosöl, beim Abnehmen helfen. Allerdings, so die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, fehlen Langzeitstudien dazu. Es ist also unklar, ob diese Fette auf lange Sicht das Gewicht reduzieren können. Sie werden daher nicht generell für eine Adipositastherapie empfohlen.

Hilft Kokosöl gegen Krankheiten?

Teile einer aufgeschlagenen Kokosnuss vor einer Strandkulisse.
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Wer im Internet danach sucht, findet Kokosöl als Wunderwaffe gegen so ziemlich jede Krankheit. Die Studienlage dazu ist jedoch sehr dünn. Ob und inwiefern es einen Einfluss auf Krankheiten hat, ist in den meisten Fällen nicht bewiesen. Kokosöl sollte also nie als alleiniges Allheilmittel angesehen werden. Abgesehen von der Laurinsäure sind die anderen Inhaltsstoffe gesundheitlich eher unbedeutend: Mineralstoffe wie Magnesium oder Calcium sowie Vitamin E sind im Kokosöl in Spuren vorhanden und haben somit aus ernährungsphysiologischer Sicht kaum Auswirkungen.

Hilft Kokosöl gegen Zecken?

Deutsche Forscher haben 2008 in einer Studie gezeigt, dass Laurinsäure, die in Kokosöl enthalten ist, tatsächlich gegen Zecken hilft. Der Studie zufolge wurden bis zu 80 Prozent der Zecken durch die Laurinsäure abgeschreckt. Sie ist deshalb auch in einigen Anti-Zecken-Mitteln enthalten. Andere Untersuchungen zeigen aber auch, dass die Mittel nicht bei allen Menschen gleich wirken. Und: Zeckenmittel bieten nie einen vollumfänglichen Schutz, da sie nur für die Körperregionen helfen, die damit behandelt wurden. So ist etwa der Kopf meist ungeschützt, weil er nicht eingecremt wird.

Sorgt Kokosöl für schöne Haut und Haare?

Wer unter trockener Haut leidet, benötigt in erster Linie Feuchtigkeit. Die kann das Kokosöl zwar nicht liefern, aber dafür sorgen, dass die Feuchtigkeit erhalten bleibt. Eine gute Möglichkeit, die Haut zu schützen, ist also, sie mit einer feuchtigkeitsspendenden Creme zu behandeln und anschließend Kokosöl zu verteilen. Es verhindert, dass die Haut Feuchtigkeit verliert und wirkt damit unterstützend. Auch ins Haar verteilt schützt das Kokosöl vor dem Austrocknen, etwa am Strand im Sommer. Als Sonnenschutzmittel ist es jedoch nicht geeignet. Gut für empfindliche Haut: Bislang sind kaum Allergien auf Kokosöl bekannt. Kurzum: Wer sich mit Kokosöl pflegen möchte, kann wenig falsch machen, die Wirkung ist aber eher indirekt und unterstützend.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 29. Juli 2020 | 10:45 Uhr

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