Kochen in der Mikrowelle: Gesund oder schädlich?

Seit 70 Jahren gibt es Mikrowellen und inzwischen stehen sie in fast drei Viertel aller deutschen Haushalte. Doch kein anderes Haushaltsgerät ist so umstritten. Gesundheitsschädlich, was für „Kochmuffel“ oder nur zum Aufwärmen geeignet – so die gängigen Vorurteile. Aber was ist da dran. Kann man gutes Essen in der Mikrowelle kochen?

Eine junge Frau bedient eine Mikrowelle 1 min
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MDR JUMP Di 26.01.2021 10:45Uhr 01:04 min

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Das Prinzip

Mit elektromagnetischen Strahlen versetzt das Gerät Lebensmittelmoleküle in Schwingungen. Die Moleküle reiben aneinander und erhitzen sich dadurch. Das geht sehr schnell, dadurch kann beim Erwärmen von Speisen im Vergleich zum Herd bis zu 80 Prozent Energie und vor allem viel Zeit gespart werden. Da die Wellen sich völlig willkürlich im Gerät ausbreiten und auch nur zum Teil in feste oder flüssige Lebensmittel eindringen können, werden die sehr ungleichmäßig erwärmt. So kommt es gerade in Getränken zu sogenannten Hot-Spots, nahezu kochend heiß, während andere Stellen, die Cool-Spots, noch kalt sind. Getränke also immer gut umrühren, bevor sie getrunken werden.

Die Möglichkeiten

Frischer Brokkoli
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Längst wird die Mikrowelle nicht mehr nur zum Aufwärmen von Tiefkühlkost oder der Reste vom Vortag verwendet. Befürworter bereiten nahezu alle Speisen in der Mikrowelle zu. Gerade Schweinefleisch, Geflügel und Fisch lassen sich sehr schnell und schonend garen. Röststoffe, die den eigentlichen Geschmack ins Essen bringen, liefert die Mikrowelle jedoch nicht. Damit das Fleisch nicht blass wirkt, helfen viele mit Paprikapulver nach. Salz und Gewürze sollte man erst nach dem Garen hinzufügen. Gerade Salz entzieht den Speisen in der Mikrowelle Wasser. So kann Fleisch schnell austrocknen und zäh werden. Das gilt vor allem für Wildfleisch. Gemüse wie Brokkoli, Möhren oder Bohnen lässt sich schnell und problemlos garen.

Vitamine können verloren gehen

Natürliche und künstliche Vitamine
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Aber Achtung: Durch die hohen Temperaturen werden Vitamine, die ja hitzeempfindlich sind, zerstört. Experten sagen, dass die Verluste bei 40 bis 80 Prozent liegen. Vitamin C, Folat und andere wichtige Nährstoffe wie Antioxidantien, Proteine und wichtige Fettsäuren werden sogar vollständig zerstört. Gerade beim häufigen Erwärmen gehen ganz viele wichtige Stoffe verloren. Mikrowellen-Befürworter halten dagegen, dass beim „normalen“ Kochen ebenfalls Vitamine verloren gehen können, vor allem, weil die Garzeiten deutlich länger sind. Wer die Mikrowelle liebt und in Sachen Vitamine auf der sicheren Seite sein will, sollte zusätzlich rohes Obst und Gemüse essen.

Das sollte man nicht in der Mikrowelle aufwärmen

Zum Aufwärmen von Muttermilch sollte man die Mikrowelle nicht verwenden. Die darin enthaltenen antibakteriellen Wirkstoffe würden sonst zerstört werden. Weitere Lebensmittel, die nicht zum Aufwärmen in die Mikrowelle gehören:

  • Kartoffeln
  • Pilze
  • Eierspeisen
  • Geflügel
  • Gemüse wie Rote Bete, Steckrüben oder Sellerie
  • Reis und Nudeln

Das richtige Geschirr

Am sichersten verwendet man Geschirr, das für die Anwendung in der Mikrowelle ausdrücklich geeignet ist. Porzellan und Glas sind auch unbedenklich. Geschirr aus Metall oder mit Metallbeschichtungen reflektiert oder blockiert die Strahlung, das behindert die Erwärmung. Bestimmte Kunststoffe wie Melamin gehören nicht in die Mikrowelle. Sie können bei hohen Temperaturen Schadstoffe in die Nahrung abgeben. Außer bei paniertem Fleisch müssen alle festen Lebensmittel immer abgedeckt werden, sonst wird vor allem die Oberfläche schnell trocken. Bei Flüssigkeiten sollte immer ein Gefäß mit möglichst großer Öffnung benutzt werden, so erwärmt sich die Flüssigkeit schneller und gleichmäßiger.

Zubereitung gesundheitlich unbedenklich

Gerade die elektromagnetischen Wellen sollen Krankheiten auslösen. Dafür gibt es keine überzeugenden wissenschaftlichen Beweise. Auch das Bundesamt für Strahlenschutz hält das Kochen mit Mikrowelle für nicht schädlicher als andere Zubereitungsarten. Allerdings müssen die Mikrowelle und besonders die Kombigeräte dafür wirklich gut bedient werden. Sonst verursachen die schon erwähnten Hot- und Cool-Spots gerade bei Fisch oder rohem Fleisch Probleme mit Bakterien und Keimen. Erst bei Temperaturen über 70 Grad Celsius werden die sicher abgetötet. Vorsicht also, wenn die Käse-Hackfleischsuppe vom Vortag in der Mikrowelle nur mal kurz aufgewärmt wird. Vor zu hoher elektromagnetischer Strahlung hingegen ist man bei den Geräten geschützt. Man sollte allerdings während des Betriebs nicht direkt neben der Mikrowelle stehen. Und immer darauf achten, dass die Tür richtig schließt.

Die Sicherheit

Im Gegensatz zum angelassenen Backofen stellen Mikrowellen kein Sicherheitsrisiko dar, wenn diese mal nicht ausgeschaltet sind. Im Dauerbetrieb können einzelne Lebensmittel zwar verbrennen und die Mikrowelle kann  kaputt gehen. Die Geräte sind aber so konzipiert, dass sie trotzdem weder Feuer noch Strahlung nach außen lassen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 26. Januar 2021 | 10:45 Uhr

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