Kindesunterhalt: Wer muss wieviel zahlen?

23.04.2020 | 02:10 Uhr

Eine Trennung bedeutet meist auch eine finanzielle Umstellung. Mit dem Kindesunterhalt soll die Versorgung der Kinder nach der Trennung der Eltern gesichert werden. Aber wer muss an wen zahlen? Und wieviel?

Kind sitzt zwischen seinen Eltern auf einem Ball. 1 min
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MDR JUMP Do 23.04.2020 02:10Uhr 01:02 min

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Anspruch auf Unterhalt haben Kinder wenn die Eltern sich trennen. Sie sollen so versorgt werden wie in einer intakten Familie. Dabei ist es egal, ob die Eltern verheiratet waren oder nicht.

Wer muss zahlen?

Wer an wen zahlen muss, hängt davon ab, bei wem das Kind mehr Zeit verbringt. Heißt auch: Einer betreut, der andere zahlt. Das ganze nennt sich dann “Residenzmodell”. Daran ändert sich auch nichts, wenn ein Kind für ein paar Tage oder für ein Wochenende beim anderen Elternteil wohnt. 

Anders ist die Situation beim sogenannten “Wechselmodell”. Dabei leben Kinder zu gleichen Teilen bei der Mutter und beim Vater. Selbst wenn sich dann beide Elternteile gleichberechtigt um ihre Kinder kümmern, muss in manchen Fällen Unterhalt gezahlt werden. Beispielsweise wenn ein Partner ein höheres Einkommen hat. 

Wie viel muss gezahlt werden?

Orientierung bietet die „Düsseldorfer Tabelle“. Sie existiert seit 1962, wird von den Oberlandesgerichten und vom Deutschen Familiengerichtstag regelmäßig überarbeitet und dient bundesweit als Richtlinie zur Bemessung des angemessenen Kindesunterhalts. Aber Achtung: Diese Tabelle ist keine gesetzliche Vorgabe und auch nicht bindend. Aber sie bietet eine gute Orientierung und dient allen Familiengerichten in Deutschland als Vorlage. 

Die Höhe des Unterhalts richtet sich dann nach dem Alter des Kindes und dem Nettoeinkommen des zahlenden Elternteils. Allerdings wird vom Nettoeinkommen noch der sogenannte Selbstbehalt abgezogen. Der liegt aktuell bei gut tausend Euro für alle, die arbeiten gehen. Das Kindergeld wird zudem auf den Unterhalt teilweise oder ab einem bestimmten Alter auch voll mit angerechnet. Weil das Ganze im Einzelfall durchaus etwas kompliziert werden kann, helfen zum Beispiel die Jugendämter kostenlos beim Berechnen.  

Was ist, wenn kurzfristig zusätzliche Ausgaben anstehen?

Das kennt jeder: Ein Geburtstag steht an oder die Einschulung - da stehen schnell hohe Zusatzausgaben an. In der “Düsseldorfer Tabelle” ist aber nur der sogenannte “Elementarunterhalt” geregelt. Was darüber hinausgeht, muss auch gezahlt werden. Beispielsweise gilt die regelmäßige und planbare Schülernachhilfe als Mehrbedarf, Zuzahlungen für Zahnspangen oder die Kosten für eine längere Klassenfahrt. Für die Berechnung wird auch auf die Einkommensunterschiede der Eltern geschaut und die Extra-Zahlungen entsprechend angepasst oder auch aufgeteilt.

Ab wann und wie lange müssen Eltern Unterhalt zahlen?

Vorweg: Einen Automatismus beim Unterhalt gibt es nicht. Bedeutet: der frühere Partner muss zur Zahlung aufgefordert werden. Weigert sich der Partner, helfen die Jugendämter weiter. Die beraten auch zum Unterhaltsvorschuss. Dabei schießt der Staat Geld vor und treibt das später beim unterhaltspflichtigen Elternteil wieder ein. Wie lange gezahlt werden muss, hängt auch von der Ausbildung des Kindes ab.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 23. April 2020 | 10:45 Uhr

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