Mit Kinderpatenschaften langfristig helfen

Kinderpate sein, mithelfen, dass ein Kind in einer armen Region eine Chance auf Essen, Kleidung und eine Schulbildung hat. Das klingt gut. Was wirklich mit dem Geld passiert und welche Vor- und Nachteile so eine Patenschaft hat, erfährst du hier.

Group of African pupils sitting with pencils in the class and looking at camera. 1 min
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MDR JUMP Di 05.01.2021 10:45Uhr 01:05 min

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Darum ist Spenden für alle gut

Rund fünf Milliarden Euro spenden wir Deutschen jedes Jahr- für Katastrophenopfer, Entwicklungshilfe und eben im Rahmen einer Patenschaft. Einen kleinen Teil seines Geldes zu spenden, bringt dabei nicht nur andere Regionen auf der Welt voran, es ist auch gut für das eigene Gefühl. Tatsächlich sollen dabei Glückshormone ausgeschüttet und sogar das Immunsystem gestärkt werden. Dazu Spendenexperte Sebastian Schwiecker: "Es geht aber in erster Linie nicht darum, sich selbst gut zu fühlen, sondern zu helfen."

Zusammengefasst: Auch wenn es, wie im Folgenden etliche Stolperstellen und Kritikpunkte an Patenschaften und Spenden gibt, das Grundprinzip ist gut und die rund 30 Euro pro Monat, die so eine Patenschaft meist kostet, sind gut angelegt.

Kinderpatenschaft - pro und contra

Die Vorstellung ist schon verlockend, dass man ein bestimmtes Kind auf der Welt mit einer monatlichen Summe unterstützt. Und so gibt es denn auch Organisationen, die in einer Art Katalog Kinder als Spendenempfänger anbieten. "Kinder so auszusuchen hat ja schon ein Geschmäckle. Man muss sich das mal praktisch vorstellen. Nur die süßen Kinder bekommen einen Paten. Das wäre ja grausam. Und in der Praxis funktioniert das auch nicht so", weiß unser Experte. Denn im Normalfall kommt dein Geld nicht direkt beim Kind an sondern fließt in Projekte, die im Lebensumfeld des Kindes realisiert werden.

Das können Kleiderspenden, Aufklärungsprogramme oder gar der Bau einer Schule sein. Dein Kind fungiert dabei meist als eine Art Botschafter seiner Gemeinde. Die Spende also für nachhaltige Selbsthilfeprojekte. Und das ist nach Sebastian Schwiecker auch ziemlich logisch: "Es wäre erstens extrem teuer, immer nach einem einzelnen Spender für ein bestimmtes Kind zu suchen. Und zweitens würde ein Kind im Dorf, das alleine die Unterstützung erhält, ganz schnell den Neid auf sich ziehen und ausgeschlossen werden."

Wenn du direkten Kontakt möchtest

Organisationen wie Terres des Hommes bieten schon seit Jahren gar keine direkten Kinderpatenschaften mehr an. Vielmehr wird deine Spende hier in gezielte Projekte für viele Kinder gesteckt. Bei anderen Organisationen kannst du trotzdem eine Patenschaft übernehmen und bekommst auch tatsächlich Kontakt zu deinem Patenkind. Sogar kleine Geschenke, Briefe und Besuche sind drin. "Aber auch hier sind die Kinder eher eine Art Leuchtturm für die Gemeinschaft und bekommen Ihr Geld nie direkt", so der Experte. Du musst dir also immer im Klaren sein, dass du nicht eins zu eins unterstützt und dass das auch keinen Sinn ergeben würde.

Worauf es bei deiner Spende oder Patenschaft ankommt

Für Sebastian Schwiecker ist klar: "Wichtig ist, dass aus Ihrem Geld der maximale Nutzen gezogen wird." Deswegen sollte die Organisation über die du spendest, möglichst viel von deinem Geld tatsächlich in Projekte stecken. Rund 80 Prozent sind ein guter Wert. Daneben ist das Engagement für ein ganz bestimmtes Ziel oft effektiver als eine breite Streuung. Beispiel Entwurmung:

Die Deworm-the-World-Initiative hilft Kindern in Afrika, Darmwürmer loszuwerden. Das kostet pro Kind nicht mal 50 Cent, kann aber entscheidend sein. "Es gibt Studien, die belegen, dass entwurmte Kinder öfter und regelmäßiger zur Schule gehen und später bessere Berufschancen haben", so unser Experte. Von den genannten 30 Euro Patenschaftsbeitrag könnten 60 Kinder entwurmt werden. Schau also nach klar formulierten Projekten und möglichst guten Belegen für die Wirksamkeit.

So findest du die richtige Organisation

Paten- und Spendenorganisationen setzen gern Promis als Werbebotschafter ein. Das ist nett gemeint, aber daran solltest du dich nicht orientieren. "Was wissen Prominente schon über die Durchführung und langfristige Wirkung der Arbeit", kritisiert Sebastian Schwiecker. Er empfiehlt stattdessen, sich vor einer Patenschaft klar zu machen, was oder wen man unterstützen will. Eine genaue Recherche solltest du dir also nicht ersparen. Dabei kannst du dich in Deutschland auch auf die Informationen des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen verlassen. Hier findest du vertrauenswürdige Organisationen mit Angaben zu Ihrer Arbeit und Transparenz. Unterschreib also nicht im ersten Schwang der Gefühle einen Patenschaftsvertrag, sondern nimm dir bei der Auswahl Zeit. Positiv: Bei fast allen Organisationen kannst du solch einen Vertrag ohne Angabe von Gründen jederzeit auflösen.

Bestehe auf deiner Wahl

Sollten Organisationen dir versprechen, dass du eine Patenschaft in einem Land deiner Wahl übernehmen kannst, bestehe auf deiner Wahl. Lass dich nicht von Aussagen beeindrucken, dein Geld würde eventuell gerade woanders viel dringender gebraucht. Im Ernstfall such dir lieber ein andere Organisation. Du solltest beim Spenden ein gutes Gefühl haben, nur so macht es auch langfristig Sinn.

Du kannst die Spende von der Steuer absetzen

Das ist für bis zu 20 Prozent von deinem Einkommen als Sonderausgabe problemlos möglich. Achte darauf, dass die Organisation, an die du spendest als gemeinnützig geführt wird, dann gibt es mit dem Finanzamt keine Schwierigkeiten.

Fazit

Eine Patenschaft für ein Kind irgendwo auf der Welt ist ein ehrenwerter Gedanke. Mach dir aber klar, dass dein Geld niemals direkt nur deinem Patenkind zugute kommt und dass so etwas vor Ort auch zu Problemen für Kind und Familie führen würde. Trotzdem kannst du Pate werden oder auch deine Spende in einzelne direkte Projekte stecken, deren Wirkung oft direkter und nachhaltiger ist. Informiere dich vor einer Patenschaft in aller Ruhe über die Organisation und ihre Arbeit, lass dich nicht drängen und entscheide mit gutem Gewissen. Eine katalogähnliche Auswahl von Kindern solltest du strikt ablehnen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 05. Januar 2021 | 10:45 Uhr

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