Medikamente für Kinder: Diese Fehler vermeiden

Falsche und falsch dosierte Medizin kann für Kinder fatale Folgen haben. Welche Pillen und Säfte erfolgreich wirken, hat die Stiftung Warentest geprüft. Die Ergebnisse und Tipps für den richtigen Umgang mit Kindermedizin gibt’s jetzt.

Einem Kind wird Medizin auf einem Löffel gereicht 1 min
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MDR JUMP Di 30.06.2020 10:45Uhr 01:05 min

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Wieso Kinder keine Erwachsenen-Medikamente vertragen?

In den Kinder- und Jugendjahren baut der Körper eine immer größere Widerstandkraft auf, das Immunsystem entwickelt sich. Auch viele Organe funktionieren erst im Erwachsenenalter zu 100 Prozent. Stoffwechsel und Wasserhaushalt funktionieren anders. Deshalb kann ein kindlicher Körper auf bestimmte Stoffe und Einflüsse viel extremer reagieren. Honig, ätherische Öle aber auch Lebensmittel wie Hackfleisch, Pilze oder Fisch zum Beispiel können für Kinder unter zwei Jahre gefährlich sein. Und das gilt auch für Medikamente. Der Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS) der in vielen Schmerzmitteln enthalten ist, kann bei Kindern unter 12 Jahren zu gefährlichen Hirn- oder Leberschäden führen. Kinder sind also nicht einfach kleine Erwachsene. Deshalb brauchen sie speziell für sie zugeschnittene Medikamente und Dosierungen.   

Wie werden Medikamente für Kinder richtig eingesetzt?

Das richtig Medikament oder Heilmittel ist immer davon anhängig, wie alt, groß und schwer ein Kind ist. Sogenannte Pädiatrische Dosistabellen helfen Kinder- und Notärzten bei der Abschätzung von Art und Dosis des notwendigen Medikaments genauso wie ein Notfalllineal, mit dem das Kind schnell vermessen und sein Bedarf eingeschätzt werden kann. Eltern haben sowas in der Regel nicht zur Verfügung. Deshalb solltest du dich unbedingt vom Kinderarzt oder in der Apotheke beraten lassen. Genaue Dosierungsangaben findest du neben dem Beipackzettel zu vielen Medikamenten auch in der Tabelle für Zugelassenen Arzneimittel für Kinder. Die gilt von 0 bis 16 Jahren.

Wichtig: Auch wenn es seit 2007 per EU Verordnung immer mehr sichere extra für Kinder zugelassenen Medikamente gibt, kritisiert die Stiftung Warentest:

…dass für viele Arzneimittel und Anwendungsgebiete die nötigen Unterlagen fehlen, um neben der therapeutischen Wirksamkeit bei Kindern auch die angemessene Dosis in der jeweiligen Altersgruppe zu ermitteln.

Deshalb ist es sicherer, immer nochmal beim Arzt nachzufragen!

Wann sind Medikamente sinnvoll?

Nicht bei allen Beschwerden musst du sofort zum Medikament greifen, auch wenn das Kind häufiger Mal erkältet ist. Drei bis fünf Infekte pro Erkältungssaison sind für Kinder völlig normal. Es wäre ein Fehler, solche Krankheiten von vornherein zu unterdrücken.

Ein junges Abwehrsystem braucht unkomplizierte Infekte wie Husten oder Schnupfen als Trainingseinheiten um sich zu entwickeln.

Bei leichten Beschwerden sind einfache Hausmittel wie Tee, Massagen, Wärmekissen und vor allem Zuwendung oft sehr hilfreich. Tatsächlich können Liebe, kleine Streicheleinheiten und selbst ein einfaches Pusten am Wehwehchen enorme Selbstheilungskräfte freisetzen.

Allgemeinmedizinerin Dr. Franziska Rubin

Kommst du mit den Symptomen gar nicht klar, können Diagnosehilfen im Internet nützlich sein. Im Zweifel und wenn es dem Kind über längere Zeit schlecht geht, muss es unbedingt zu einem Arzt.

Welches Medikament braucht dein Kind?

Das sollte bei schweren Verläufen in der Endkonsequenz immer der Arzt entscheiden. Ob das Mittel als Zäpfchen, Tablette oder Saft verabreicht wird, hängt vom Alter ab und davon, wie das Kind die Medizin annimmt. Für gewöhnliche Kinderkrankheiten, wie Erkältung oder Durchfall sollten in einer Kinderhausapotheke immer genügend und vor allem noch nicht abgelaufene Medikamente vorhanden sein. Nützlich sind auch Infobroschüren für erste Hilfe Maßnahmen und Übersichtstabellen für Notrufnummern. Wichtig: Die Kinder dürfen nicht alleine an die Medikamente kommen. 

Die wichtigsten Medikamentengruppen – und ihr Anwendung

In ihrer aktuellen Überprüfung hat die Stiftung Warentest Medikamente für über 50 Anwendungsgebiete untersucht. Dabei wurde neben der Wirksamkeit und Nützlichkeit auch getestet, welchen Sinn bestimmte Medikamente allein verabreicht oder im Zusammenhang mit anderen therapeutischen Maßnahmen machen. Besonders auffällig dabei die Bewertung von Medikamenten für seelische Störungen wie ADHS. Ohne vorherige oder begleitende Maßnahmen stuft die Stiftung nämlich alle der getesteten ADHS- Mittel als wenig geeignet ein. Dr. Franziska Rubin sieht das ähnlich:

In vielen Fällen wird das Medikament dazu benutzt, Zappelphillipe zur Ruhe zu bringen, ohne dass nach den wirklichen Ursachen des Syndroms, zum Beispiel der täglichen Reizüberflutung oder falschem Essen auch nur gefahndet würde.

Alle Ergebnisse hat die Stiftung Warentest zu einer nützlichen Übersicht zu Art, Dosierung und Nutzen von Medikamenten für Kinder in Buchform zusammengefasst. Im Buch lässt sich auch gut Nachvollziehen, welche Wechselwirkungen Medikamente haben können und wie die falsche Einnahme und manchmal schon eine kleine Überdosierung ernsthafte Probleme verursachen können. Auch dabei: Fünf  Tabellen in denen du die besten rezeptfreien Medikamenten für Kinder für weit verbreitete Krankheitsbilder findest.

Naturheilmedizin

Einige nicht klassisch medizinische Therapien wie die Homöopathie sind umstritten. Ob hierbei neben dem Placebo Effekt noch andere Dinge wirken, darüber gehen die Meinungen und Studien auseinander. Kräutermedizin und Naturheilverfahren wie etwa das Schröpfen hingegen haben ganz klar belegte Wirkungen. Dr. Franziska Rubin zu einem möglichen Effekt:

Naturheilkundliche Mittel beseitigen Symptome nicht einfach, sondern stoßen im Körper Prozesse an um ihn zur Selbstheilung oder Besserung von Symptomen anzuregen.

Achtung: Obwohl natürlichen Ursprungs, haben viele Kräuter eine besonders starke Wirkung. Eine genaue Dossierung nach fachkundiger/ärztlicher Anleitung ist auch hier enorm wichtig.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 30. Juni 2020 | 10:45 Uhr

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