So schlecht sind viele Kerzen für die Umwelt

07.12.2018 | 02:10 Uhr

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Umschau-Quicktipp Kerzen

Kerzen

MDR JUMP Fr 07.12.2018 02:10Uhr 00:59 min

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Seit über 5.000 Jahren erleuchten sie uns: Kerzen oder auch Wachslichter sorgen dabei bis heute nicht nur für Helligkeit. Sie sind der Inbegriff für gemütliche Stimmung und feierliche Atmosphäre. Früher waren Kerzen teuer und wertvoll, weil fast ausschließlich aus Bienenwachs. Heute gibt es eine Riesenauswahl - und verschiedene zum Teil bedenkenswerte Rohstoffe. Wir sagen dir, wie du eine gute Kerze erkennst und behandelst.

Daraus werden Kerzen gemacht

Die meisten Kerzen, egal welcher Form und Größe, bestehen aus Paraffin, welches aus Erdöl gewonnen wird. Das ist zwar preiswert, aber nicht nachhaltig. Paraffin wird schnell weich und brennt deshalb auch relativ schnell ab. Daher enthalten einige Kerzen – vor allem die höherwertigen – Stearin, das aus pflanzlichen oder tierischen Fetten hergestellt wird. Es ist härter und verlängert die Brenndauer der Kerze. Stearin steht allerdings auch in der Kritik, weil für die Anpflanzung riesiger Palmenplantagen wertvoller Urwald gerodet wird.

Für spezielle Farben, Legierungen und Düften werden den Kerzen außerdem noch weitere Stoffe hinzugefügt. Problem: Als Käufer kannst du die Herstellung oder Zusammensetzung einer Kerze kaum erkennen. Am besten orientierst du dich deshalb am RAL-Gütesiegel der deutschen Kerzenindustrie. Ist das vorhanden, dürfen bedenkliche Stoffe nämlich nicht oder nur in begrenzten Mengen in der Kerze vorkommen. Auch Wachs und Docht müssen definierte Anforderungen erfüllen. Billige Kerzen ausländischer Produktion sind laut Stiftung Warentest und Ökotest tatsächlich bedenklich. Sie brennen auch oft kürzer und rußen mehr.

Bienenwachskerze
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Nur noch ein bis zwei Prozent aller heute verkauften Kerzen bestehen aus Bienenwachs. Die sind gesundheitlich für die meisten Menschen völlig unbedenklich, weil zu 100 Prozent natürlichen Ursprungs. Bienenwachskerzen sind deshalb die teuersten.

So erkennst du die gute Kerze

Das genannte RAL-Gütesiegel ist der beste Schutz vor Billig-Kerzen aus bedenklichen Stoffen. Gute Produkte enthalten eine Angabe zur Brenndauer - ein Merkmal, das auf die Zusammensetzung schließen lässt und gut zu vergleichen ist. Und: Gerade bei dicken Stumpenkerzen, die oft als Adventskerzen benutzt werden, ist ein Hinweis darauf wichtig, dass sie selbstlöschend sind. Dafür verantwortlich ist ein kleines Metallteil im unteren Bereich der Kerze. Es sorgt dafür, dass die Kerze von selbst erlischt, bevor sie ganz herunterbrennt. Achtung: Je teurer, desto besser gilt nicht für Kerzen. In verschiedenen Tests konnten Produkte vom Discounter genauso überzeugen wie teure Kerzen aus dem Fachhandel.

So belasten Kerzen die Raumluft

Wenn du Kerzen abbrennst, verbraucht das den Sauerstoff im Raum. Außerdem entstehen dabei Feinstaubpartikel und bedenkliche Gase. Allerdings geschieht das im Normalfall in so geringen Mengen, dass es für gesunde Personen unproblematisch ist. Die Ausnahme: Duftkerzen können durch die enthaltenen Öle und Aromen Kopfschmerzen auslösen. Empfindliche Menschen können gar Atembeschwerden oder Allergien bekommen.

So brennen deine Kerzen optimal

Vor und nach dem Abbrennen von Kerzen solltest du aus genannten Gründen im Zimmer gut lüften. Setze die Kerzen während des Abbrennens aber nie der Zugluft aus. Sie rußen dann schnell oder brennen einseitig ab. Lass Stumpenkerzen immer mindestens solange brennen, bis der gesamte Durchmesser flüssig ist. Ansonsten brennt die Kerze nur innen ab und erstickt bald an ihrem eigenen Wachs. Achte darauf, dass der Docht nie länger als maximal 15 Millimeter ist. Alles darüber hinaus kannst du im kalten Zustand abschneiden. Gerade in der Weihnachtszeit brennen oft mehrere Kerzen gleichzeitig. Achte dabei auf ausreichend Abstand. Kerzen die zu nah beieinander stehen, nehmen sich den zur Verbrennung wichtigen Sauerstoff weg. Sie beginnen zu flackern und zu rußen. Lösch eine dünne Kerze am besten mit einer Löschglocke bzw. -haube. Die gibt es für wenige Euro im Handel. Bei dicken Kerzen tauchst du den Docht zum Löschen vorsichtig kurz in das flüssige Wachs und richtest ihn dann gleich wieder gerade auf.

So sorgst du für Sicherheit

Lass Kerzen nie ohne Aufsicht oder allein mit Kindern oder Haustieren im Raum brennen. Achtung: Auch eine Kerze im Dekoglas kann ohne Aufsicht zur Gefahr werden. Läuft nämlich heißes Wachs aus, kann es das dünne Glas beschädigen. Im schlimmsten Fall können unterliegenden Servietten oder Decken Feuer fangen. Sorge für hitzebeständige Unterlagen und Kerzenständer und für einen sicheren Stand. Kerzen haben nichts in der unmittelbaren Nähe von Weihnachtsdekoration, Tannenzweigen, Schneespray und ähnlich brennbaren Materialien zu suchen. Auch wenn es anstrengt: Wenn du den Raum verlässt, und sei es nur für wenige Augenblicke, löschst du die Kerzen!

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 07. Dezember 2018 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Dezember 2018, 02:10 Uhr