Welche Unterstützung Igel im Winter wirklich brauchen

Igel kommen klar. Im Sommer fressen sie sich dick, im Winter schlafen sie. So die Theorie. In der Praxis klappt das nicht immer und dann kannst du helfen. Wie das richtig geht und du es dabei nicht übertreibst, erfährst du jetzt.

Igel 1 min
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MDR JUMP Mi 18.11.2020 10:45Uhr 01:05 min

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Wann Igel deine Hilfe brauchen

Ein ziemlich eindeutiges Zeichen dafür, dass mit einem Igel etwas nicht stimmt, beschreibt die Leiterin des Tierschutzzentrums Eilenburg Annett Albrecht: „Wenn Sie dem Igel mitten am Tag begegnen, dann ist was faul. Die Tiere sind nachtaktiv und kommen eigentlich erst in der Dämmerung raus.“ Zu anderen Zeiten treiben entweder der Hunger oder Krankheit und Schmerz einen Igel aus seinem Unterschlupf. Siehst du einen solchen Igel, gibt es weitere deutliche Zeichen für ein Problem. Auch die Jahreszeit und Temperatur spielen eine Rolle. Ab November und bei Temperaturen um den Gefrierpunkt sollten Igel eigentlich im gemütlichen Bau im Winterschlaf liegen. Wer dann noch draußen unterwegs ist, hat sich nicht genug Gewicht für den Winter angefressen. Merke also: Tagaktive Igel, Tiere die mitten im Winter unterwegs sind, und Igel die von Parasiten befallen oder erkennbar zu dünn sind, brauchen deine Hilfe.

Was der gesunde Igel wiegen sollte

Ein gesunder Igel ist tatsächlich kugelrund. „Hat er hingegen hinter dem Kopf einen deutlich erkennbaren Knick, die sogenannte Hungerfalte, dann hat er nicht genug Gewicht, um heil durch den Winter zu kommen“, so unsere Expertin. Ab Mitte November brauchen Igel ein Mindestgewicht von 500 Gramm, 700 sind ideal. Wer weniger wiegt, braucht unbedingt Extrafutter.

Wann der Igel draußen schläft und wann besser drin

Du kannst Igeln in deinem Garten prima helfen, wenn du ihnen einen sicheren Unterschlupf anbietest. So ein Igelhaus ist leicht selbst gebaut und kann ab Oktober an einem festen Platz stehen. „Und dort können Sie dann gerne regelmäßig gutes Katzenfutter und ein Schälchen mit Wasser hinstellen. Wenn Sie aber einmal damit angefangen haben, müssen Sie das auch bis zum Frühjahr durchziehen“, so die Tierschutzexpertin Annett Albrecht.

Tiere mit Untergewicht und welche die völlig unterkühlt sind, müssen drin überwintern. Raumtemperaturen von 16 bis 20 Grad Celsius und ruhige, dunkle Räume sind ideal. Dann brauchst du einen großen Karton oder Tierkäfig mit Unterschale. Dort hinein gehört eine Box zum Schlafen. Aus Pappe genügt völlig. Und alles kann mit Zeitungspapier oder auch Stroh ausgelegt sein.

Wichtig: Wenn der Igel einmal drinnen schläft, kannst du ihn nicht mitten im Winter wieder rausbringen, das wäre sein Tod.

Nächste Sendung im MDR Fernsehen

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02.12.2020, 19:50 Uhr /
18:00 Uhr in der Mediathek

aus der Tierheim Langenberg

Wie das ideale Außen - Winterquartier aussieht

Ein großer Haufen totes Holz, Äste und Laub oder auch eine dichte, vor Wind schützende Hecke; dort richten sich Igel gerne für die kalte Jahreszeit ein. Du kannst noch einen zusätzlichen ringförmigen Windschutz aus Feldsteinen errichten. 

Was der Igel im Winterschlaf braucht und was er frisst

Vor allem Ruhe. Ist es draußen kalt genug, dann schläft er lange Strecken durch und wacht nur ab und zu mal auf, um ein bisschen zu fressen oder sich zu erleichtern. Drinnen ist es im Prinzip das Gleiche, er wacht nur öfter auf.

Täglich frisches Wasser und Futter in sauberen Schalen sind Pflicht. Und: Du musst dich auf Geruch einstellen. Igel und ihre Hinterlassenschaften können gewaltig stinken. Als Futter ist Feucht- oder Trockenfutter für Katzen mit einem hohen Fleischanteil ideal. Unsere Expertin warnt dabei: “Das Feuchtfutter muss aber ohne Gelee oder Soße sein, davon bekommen Igel Durchfall. Milch ist ebenfalls absolut tabu denn Igel sind Laktose intolerant.“ Spezielles Igelfutter braucht der Igel nicht. Gekochte Eier oder gegartes Hühnchen frisst er gern.

Wohin mit schwachen Tieren

Sollte der Igel apathisch wirken, sich bei Berührung nicht zusammenrollen oder gar gelähmte Hinterbeine haben, dann müssen dringend Profis helfen.

In speziellen Igelstationen wirst du beraten, im Ernstfall bleibt der Igel besser dort. „Wir können aber natürlich nicht unbegrenzt Igel aufnehmen, so dass Sie bei einem leichten Pflegefall auch nach Igelpaten suchen können, falls Sie selbst keine Zeit haben.

Wann Zeit zum Aufwachen ist

Der Außenschläfer wacht in der Regel von selbst auf. Der Hunger treibt.

Einen Igel der drinnen überwintert hat, solltest du erst raussetzen, wenn das Frühjahr wieder völlig frostfrei ist. Da die Tiere ein sehr gutes Ortsgedächtnis haben, ist es ideal, wenn du den Igel in der Nähe der Fundstelle wieder aussetzt. In den ersten Wochen sollte er dort auch noch regelmäßig Futter und Wasser bekommen. Er braucht schnell sein Idealgewicht von mindestens 700 Gramm. Dann kann er wieder alleine losziehen und für Nachwuchs sorgen.

Wer dir weiterhilft

Sollte ein Igel wirklich richtig krank aussehen und eventuell noch von Würmern oder andern Parasiten befallen sein, muss er zum Tierarzt. „Es sollte aber ein Wildtierarzt sein oder einer, der sich wirklich mit Igeln auskennt“, mahnt unsere Expertin. Manche Tierärzte behandeln Igel nämlich mit Wurm- oder Zeckenkuren, die für Katzen bestimmt sind. Das kann den Tieren enorm schaden. Besser ist, du suchst dir einen ausgewiesenen Igelexperten.

Wie du Igel das ganze Jahr unterstützt

Wenn du einen Garten hast, kannst du ihn igelfreundlich gestalten, indem er möglichst naturnah bleibt. Ein paar Ecken können wild bewachsen sein. Nicht jedes Kraut muss dort gezogen, nicht jeder Busch verschnitten werden. Totholz bleibt liegen. Ein schöner Laubhaufen ist im Herbst ideal. Dünger, Unkrautvernichter oder gar Insektizide sind tabu. Das alles hilft dem Igel auch indirekt, indem mit Schnecken, Würmern und Früchten ein großes Nahrungs-angebot besteht. Außerdem hat er genug Raum und Ruhe. Große Holzhaufen solltest du vor einem geplanten Feuer unbedingt umstapeln. Es kann sein, dass ein Igelnest darunter ist. Wichtig: Igel sind keine Haustiere und gehören nach dem Winter wieder in die Freiheit. Da sie standorttreu sind, siehst du sie im Normalfall sowieso das ganze Jahr über in der Dämmerung in deiner Nähe.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 18. November 2020 | 10:45 Uhr

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