Pfotenwärmer, Strickpulli und Mütze - was dein Hund in der kalten Jahreszeit wirklich braucht

Zuerst waren sie nur eine Modeerscheinung. Heute gehören Hunde mit Pulli oder Hundemantel fast schon zum Alltag. Sind die Besitzer solcher Hunde überempfindlich oder macht so eine Klamotte wirklich Sinn?

Hund mit wärmender Weste 1 min
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MDR JUMP Mi 06.01.2021 10:45Uhr 01:09 min

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Warum Hunde tatsächlich frieren

Der Hund stammt vom Wolf ab. Außer in Rotkäppchen tragen Wölfe keine Klamotten. Aber: Im Laufe der Zeit sind viele Hunderassen vom Wolf ganz weit weg gezüchtet worden. Aus langem Fell wurden kurze Stoppeln, aus langen Wolfsbeinen kurze Dackelstumpen. Hinzu kommt, dass Hunde, die in einer Wohnung gehalten werden, nicht ansatzweise so abgehärtet werden, wie ein frei lebender Wolf. Geht’s vom warmen Wohnzimmer in den winterlich kalten Wald, muss ein Hund mitunter 30 Grad und mehr Temperaturunterschied ausgleichen. Da können einzelne Hunde erheblich drunter leiden. Im schlimmsten Fall droht eine Unterkühlung. Das hängt vor allem vom Fell, der Rasse und dem Gewicht eines Hundes ab.

Welche Hunde es besonders trifft

Hat dein Hund von Haus aus ein langes dichtes Fell, schützt ihn das besser vor der Kälte. Ein Berner Sennenhund oder ein Husky haben es demzufolge wärmer als ein Dobermann oder Boxer. Hinzu kommen Muskelmasse und Gewicht.

"Aber bei uns leben ja auch Rassen, die ursprünglich aus Afrika kommen, wie der Rhodesian Ridgeback, der überhaupt keine Unterwolle hat, weil er die ursprünglich nicht braucht. Und solche Hunde können im Winter schon arg frieren", weiß Hundebekleidungsexpertin Ramona Sieler. Große, trainierte Hunde können mehr Wärme erzeugen als zum Beispiel ein kleiner Pinscher. Außerdem sind Welpen und ältere Hunde anfälliger für Kälte. Das gilt grundlegend. Zusätzlich solltest du als Besitzer/in immer schauen, ob sich dein Hund aktuell wirklich wohl fühlt. Ist er angeschlagen oder einfach nur matt, kann er der Kälte nicht viel entgegensetzen und wird früher als gewöhnlich anfangen zu frieren.

Nächste Sendung im MDR Fernsehen

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12.05.2021, 19:50 Uhr /
18:00 Uhr in der Mediathek

aus dem Tierheim Delitzsch

Wie du merkst, dass dein Hund friert

Dein Hund spürt sehr schnell, ob es ihm draußen gefällt oder zu kalt wird. Hat er von vornherein keine Lust, raus zu gehen, dann könnte es ihm schon an der Tür zu kalt sein. Ist das ungewöhnlich, solltest du checken, was dahinter steckt. Friert dein Hund beim Gassi gehen nach einer Weile, erkennst du das an einem verspannten, hochgezogenem Rücken, einem eingekniffenem Schwanz und ganz deutlich daran, dass er zittert. Achtung: Hört er trotzt andauernder Kälte auf, zu zittern, kann das ein Anzeichen für eine Unterkühlung sein. Dein Hund muss schnell ins Warme.

Hundepulli – Hundemantel, was sind die richtigen Klamotten?

Neigt dein Hund dazu, zu frieren, fahrt Ihr in den Winterurlaub oder sind lange Spaziergänge im Schnee geplant, solltest du über eine passende Bekleidung nachdenken. Dazu unsere Expertin: "Dabei kommt es auf die Witterungsverhältnisse an. Der reine Pulli hilft gegen trockene Kälte. Bei Regen und nassem Schnee schützt ein Regenmantel, gegen Wind helfen Softshell- oder Windmäntel." Wichtig ist, dass du die richtige Variante fürs aktuelle Wetter wählst. Dabei musst du für einen Pulli ab 15 Euro rechnen, einen hochwertigen Hundemantel bekommst du für rund 50 Euro. Für Freuden im Tiefschnee gibt es auch Schneeanzüge mit Bein. Vorsicht: Ziehst du deinen Hund falsch oder zu warm an und kommt er draußen richtig in Bewegung, kann er auch leicht überhitzen. Das musst du kontrollieren.  Der Wollpulli passt nicht zum Regenwetter, dein Hund wird nass und kann sich erkälten.

Passen müssen die Sachen

Möglichst körpernah sollten Hundesachen sitzen und so, dass der Hund sich wohlfühlt. "Darum ist es wichtig, dass Sie sich ganz am Anfang richtig beraten lassen, welche Größen Ihr Hund braucht und worauf Sie bei den Sachen achten müssen. Bei einem einfachen Halswärmer können Sie nicht viel falsch machen, bei Mantel und Pulli schon", so Ramona Sieler. Wichtig ist, dass die Hundesachen möglichst wenig rascheln, einfach anzuziehen und leicht zu pflegen sind.

Und die Größe?

Die findest du, indem du deinen Hund einmal richtig ausmisst. Drei Maße sind wichtig: Brustumfang, Halsumfang und die Länge vom Kopf zum Schwanzansatz. Damit kannst du ganz einfach nach Größentabelle einkaufen.

So verwendest du die Sachen richtig

Ist es draußen besonders kalt, solltest du Mantel und Co. schon drinnen anziehen, damit dein Hund gar nicht erst anfängt zu frieren. Auf langen Autofahrten braucht dein Hund keine Kleidung, im Auto wird es warm genug. Und solltest du merken, dass es deinem Hund zu warm wird, kannst du Pulli oder Mantel zwischendurch auch mal ausziehen.

Pro und Contra Pfotenwärmer/schuhe

Schnee, Eis und Streusalz sind nicht gut für Hundepfoten. Dagegen gibt es Pfotenwärmer oder sogar Gummistiefel. Die schützen zwar, sind aber für deinen Hund oft unangenehm. Er kann nämlich sein Krallen nicht mehr gegen die Glätte einsetzen und hat allgemein ein sehr befremdliches Laufgefühl. Im Normalfall versuchen Hunde, solchen Pfotenschutz möglichst schnell wieder loszuwerden. Besser ist deshalb, die Hundepfoten selbst gegen den Winter zu schützen: Schneide die Haare zwischen den Zehen regelmäßig, dann kann sich dort kein Schnee festsetzen. Vor dem Spaziergang kannst du ein Pfotenschutzspray auftragen. Nach dem Spaziergang können ein sanftes Pfotenbad und Eincremen mit einer Wund- und Heilsalbe gereizten Pfoten helfen.     

Was wirklich Unsinn ist

Ohrenschützer oder gar Hundemützen solltest du deinem Hund nur dann verpassen, wenn er mit Lautstärke ein Problem hat und es medizinisch angeraten ist. Ansonsten schränkst du einen seiner wichtigsten Orientierungssinne ein.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 06. Januar 2021 | 10:45 Uhr

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