Mit Hund und Katze - wie kann ein Zusammenleben klappen?

Eigentlich geht es nicht, sagen die einen. Naja, vielleicht doch, meinen die anderen. Die Wahrheit liegt dazwischen. Auf jeden Fall ist ein Zusammenleben von Hund und Katze kein Selbstläufer. Wie könnte es also klappen?

Darum haben es Hund und Katze schwer miteinander

Es sind zwei völlig verschiedene Tierarten. Raubtier und Fell, sind so ziemlich alles, was sie gemeinsam haben. Ansonsten mag der Hund gern sein Rudel, die Katze ihre Ruhe, er jagt am Tag, sie in der Nacht. Er mag auch mal Gemüse, sie will Fleisch. Wedelt der Hund mit dem Schwanz, heißt das: „Ich freu mich.“ Bei Katzen ist es ein ziemlich deutliches Warnsignal. Wenn Katzen leise knurren und schnurren bedeutet das Frieden und Kuscheln. Der Hund ist da kurz vorm Angriff. Ergebnis: Wenn erwachsene Tiere aufeinander treffen, haben sie völlig unterschiedliche Körpersprachen und Bedürfnisse. Und auch zu uns Menschen ist die Beziehung sehr verschieden.

Wichtige Infos im Vorfeld

Beiden gemeinsam ist, dass sie ein sogenanntes episodisches Langzeitgedächtnis haben. Bedeutet: Hat ein Tier schon mal so richtig schlechte Erfahrung mit der anderen Gattung gemacht, wird es sehr schwierig, den vermeintlichen Feind in der Umgebung zu akzeptieren. Deshalb: Frag auf jeden Fall im Tierheim oder beim Vorbesitzer nach, ob es schon solche Erlebnisse gegeben hat, bevor du versuchst, Hund und Katze zusammen zu bringen.

Nächste Sendung im MDR Fernsehen

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01.06.2022, 19:50 Uhr /
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Die besten Voraussetzungen

Wenig Vorurteile sind ideal. Dazu Norma Jägersberg vom Internetportal Mein-Haustier: „Am besten funktioniert es, wenn beide noch sehr jung sind und noch als Babys aneinander gewöhnt werden.“ Denn da spielen Kuscheln, Wärme und Nähe eine große Rolle. Im Idealfall hat noch keiner eine Dominanz aufgebaut, oder sich in ein Rudel eingeordnet.“ Und es gibt keine schlechten Erfahrungen. Beste Chancen auf eine lebenslange Freundschaft. „Es funktioniert aber auch sehr gut, einen erwachsenen Hund mit einem Katzenbaby oder eine erwachsene Katze mit einem Welpen zusammenzuführen. Das ist meist unproblematisch, da das Jungtier keine Bedrohung darstellt“, so Nora Jägersberg. In der Regel genießen die ganz Jungen einen Welpenschutz und werden eher mütterlich oder väterlich behandelt. So kann man sich aneinander gewöhnen, ehe das andere Tier auch groß ist. Und: Auch alte Tiere können sich aneinander gewöhnen, dazu braucht es aber Zeit und Geduld auf allen Seiten.

Ich war aber zuerst da – ein Katzenproblem

Tatsächlich kommen Katzen schlechter damit zurecht, wenn ein Hund bei ihnen einzieht. Sie betrachten ihre Umgebung als ihr Revier und den Hund als Eindringling. Hunde dagegen sind eher an ihr Rudel als ihre Umgebung gebunden und haben weniger Probleme damit, dass ein vermeintlich neuer Kumpel in die WG kommt. Wichtig: Wenn eine Katze zuerst da war, braucht sie bei Hundezuzug unbedingt einen großen, eigenen Rückzugsort, am besten ein Katzenzimmer oder zumindest eine sichere, für den Hund nicht erreichbare Zimmerecke.

Gleich und Gleich gesellt sich gern

Es ist fast wie bei uns Menschen: Laute Typen passen gut zueinander, leise ebenfalls. Eine ältere, gemütliche und ruhige Katze kann wenig mit einem jungen Draufgänger anfangen. Und der alte Dackel wird auch von einem jungen wilden Kätzchen eher überfordert sein. Tipp: Die Mitarbeiter im Tierheim kennen ihre Schützlinge meist sehr gut und können einschätzen, wer zu wem passt. Außerdem kannst du auch vor Ort im Idealfall eine erste Begegnung organisieren.

Das Kennenlernen gut planen

Spontan ein anderes Tier mit ins angestammte Revier zu bringen, ist eine schlechte Idee. Kein Mensch würde wollen, dass plötzlich ein neuer Mitbewohner in der Tür steht. Deshalb: Die Zusammenführung genau planen, wer bekommt wo seinen Platz. Welche Abtrennungen, Sperrgitter, Futternäpfe und Schlafutensilien werden gebraucht, damit jeder sein eigenes Reich hat. Nimm dir ein paar Tage frei, dann kannst du Stück für Stück an die Vergesellschaftung gehen. Ist der Hund besonders lebhaft, braucht er für die ersten Tage auf jeden Fall eine Leine und vielleicht sogar einen Maulkorb. Das Anlegen und Tragen solltest du lange vor der Ankunft der Katze üben, damit keine Verknüpfung entsteht. Wichtig: Bei der ersten Begegnung sollten zwei Erwachsene anwesend sein, damit jedes Tier eine Bezugsperson hat.

Wichtige Vorbereitungen

Katzen und Hunde orientieren sich an Geruch und Geräusch. Deshalb ist es vorteilhaft, wenn die Hunde- oder Katzendecke schon ein paar Tage vor dem eigentlichen Kennenlernen beim jeweils anderen ist um sich mit dem neuen Geruch vertraut zu machen. Bellt der neue Mitbewohner laut und gerne, kannst du deine Katze mit ein paar Tonaufnahmen auch darauf schon vorbereiten. Werden die neuen Eindrücke mit Leckerlies verknüpft, kann das vor Vorteil sein.

Das praktische Kennenlernen – immer mit der Ruhe

Da dein Tier deine Anspannung wahrnimmt und sich anstecken lässt, sollten die Bezugspersonen möglichst gelassen und ruhig vorgehen. Wer ein Tiergitter hat, lässt erstmal jedes Tier auf der anderen Seite, den Hund zunächst an der Leine, eine ängstliche Katze kann auch in der Box bleiben. Wichtig: das erste Treffen sollte nicht länger als zehn Minuten dauern. Danach kommt jeder in ein anderes Zimmer. Läuft alles glatt, können die Tiere sich bald näher kommen und die Beschnupperphasen länger andauern.

Besonders die Katze braucht immer einen möglichst hoch gelegenen Fluchtort. Gitter, Leine und Maulkorb erst entfernen, wenn du sehr sicher bist, dass die Tiere friedlich bleiben. Dabei sollte aber auch in der nächsten Zeit immer noch eine Bezugsperson anwesend sein. Wenn es am Anfang etwas Stress gibt, ist das kein Problem, rät unsere Tierkennerin: „Das wichtigste ist Geduld! Das Knurren bedeutet bei einer Katze meist, dass sie ihr Revier vor Eindringlingen verteidigen will. Nach einer gewissen Eingewöhnungszeit sollte das Knurren und Fauchen auf beiden Seiten zurückgehen.“

Damit der Alltag funktioniert,

braucht jedes Tier sein Reich. Schlaf- und Futterplätze sollten getrennt sein. Die Katze muss die Möglichkeit haben, ungestört zu fressen und auch noch was im Napf zu lassen. Besonders auf dem Katzenklo braucht die Mietze ihre Ruhe. Es sollte für Hunde nicht erreichbar sein. Wenn du in einem Raum füttern willst, dann gleichzeitig und so, dass es keinen Futterneid oder Restefressen von der anderen Fraktion gibt.

Wenn es nicht klappt

Von einem ersten Knurren, Fauchen oder gar einer Katzenkralle auf der Hundenase solltest du dich nicht abschrecken lassen. Es muss auch bei Tieren nicht immer Liebe auf den ersten Blick sein. Mit Geduld und eventuell entspannenden Katzendufthormonen, kannst du die Aufregung etwas lindern.

So klappt es nach einiger Zeit vielleicht doch. Wichtig: „Es sollten aber keine Dauerlösung sein, denn die Tiere sollen ja auch ohne Hilfsmittel gut miteinander auskommen“, rät Nora Jägersberg.  Und: Sollten eines oder beide Tiere auch nach Tagen und vielen Versuchen immer noch ängstlich, aggressiv oder völlig panisch reagieren, musst du darüber nachdenken, ein Tier wieder abzugeben. Mit Zwang funktioniert nichts.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 19. Januar 2022 | 10:45 Uhr

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