Hund und Job, kann das gut gehen?

Hunde sind in! Die Corona-Krise leert die Tierheime und Homeoffice lässt die Betreuung des neuen Familienmitgliedes ganz einfach erscheinen. Was aber, wenn der normale Berufsalltag wieder da ist? So klappt es mit Hund und Job.

Geschäftsmann sitzt am Schreibtisch und arbeitet mit Hund auf seinem Schoß 1 min
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MDR JUMP Mi 11.11.2020 10:45Uhr 00:59 min

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Warum der Hund nicht gern alleine bleibt

Er ist ein Rudeltier und begreift sich als Teil deiner Familie. Sind alle aus dem Haus, bedeutet das für die meisten Hunde nicht Ruhe, sondern Stress. Sie können nicht wissen, wohin die Besitzer gehen und wie lange sie wegbleiben. Deswegen entwickeln Hunde die oft und lange alleine zuhause sind mitunter Verhaltensstörungen: Sie jaulen stundenlang, zerstören die Einrichtung, machen überall hin. Kann der Hund nicht mit auf Arbeit, musst du zwingend mit ihm das Alleine sein trainieren. Je älter der Hund, desto länger wird das Training dauern. Wichtig: Auch wenn der Hund es gewöhnt ist, mehr als acht Stunden sollte er nicht regelmäßig alleine sein.

Vorausdenken – Ersatzbetreuung/Kameraden organisieren

Wenn du dir einen Hund anschaffen willst, dann solltest du deine Arbeits- und Freizeitsituation realistisch einschätzen. Wieviel Zeit hast du tatsächlich? Neben dem Job musst du schließlich einkaufen, tanken, zum Arzt usw.. Wann und wo kann der Hund mit, wer kann ihn ersatzweise betreuen?

Das muss im Vorfeld auch mit den entsprechenden Personen besprochen werden. Nicht jeder hat Lust oder/und Mut, einen Hund stundenlang zu beaufsichtigen. Eine Alternative sind tierische Freunde: Zwei Hunde sind denkbar oder auch Hund und Katze. Das kann funktionieren, sollte aber kontrolliert werden, zum Beispiel mit einer Hundekamera. Hundesitter oder Hundetagesstätten sind weitere Möglichkeiten, das Tier während deiner Arbeitszeit zu betreuen. Hundesitter nehmen zwischen fünf und zwanzig Euro pro Stunde, eine Tagesstätte kostet um die 20 Euro pro Tag. Da können bei einem Vollzeitjob schnell 400 Euro und mehr im Monat zusammen kommen.

Nächste Sendung im MDR Fernsehen

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25.11.2020, 19:50 Uhr /
18:00 Uhr in der Mediathek

aus der Tierheim Dessau

Den Hund zur Arbeit mitnehmen

Wer es selbst schon mal erlebt hat, weiß, dass ein Hund im Büro das Arbeitsklima völlig verändern kann. Kollegen kommen ins Gespräch, werden lockerer und kommunikativer. Der ganze Alltag ist entspannter und trotzdem schaffen alle ihre Arbeit. Selbst Tierschutzorganisationen werben für den Hund im Büro. Da wäre es doch klasse, wenn es ein Recht auf den Hund am Arbeitsplatz gibt – aber:

Es gibt keinen Anspruch

Der Hundebesitzer und Anwalt für Tierrecht Andreas Ackenheil hat selbst drei Hunde in seiner Kanzlei und erklärt die rechtliche Situation so: "Es gibt grundsätzlich keinen gesetzlichen Anspruch des Arbeitnehmers, seinen Hund mit zum Arbeitsplatz nehmen zu dürfen. Paragraph 106 der Gewerbeordnung gibt dem Arbeitgeber die Möglichkeit, Inhalt, Ort und Zeit der Arbeitsleistung zu bestimmen. Dies gilt auch hinsichtlich des Verhaltens des Arbeitnehmers im Betrieb, was bedeutet, dass er dem Arbeitnehmer verbieten kann, einen Hund mit zur Arbeit zu bringen." Hinzu kommt, dass es in vielen Jobs, wie etwa in einem Krankenhaus praktisch nicht möglich ist. Ausnahmen bilden Hunde, die zwingend zur Begleitung des Arbeitnehmers nötig sind, wie etwa ein Blindenhund. 

Mit dem Chef reden

Unser Tierrechtsexperte empfiehlt, den Chef praktisch von den Vorteilen eines Hundes zu überzeugen: "Voraussetzung hierfür ist häufig, dass der Arbeitgeber den Hund kennen lernt und sich einen eigenen Eindruck verschaffen kann, wie gut der Hund sozialisiert ist und wie auch die Arbeitskollegen auf den Hund reagieren." Du könntest einen Tag Urlaub nehmen und einen Probearbeitstag mit Hund durchspielen. Voraussetzung: Alle betroffenen Kollegen müssen einverstanden sein, sie dürfen keine Angst vor Hunden haben oder auch eine Allergie. Wichtig ist nämlich, dass sich wirklich alle Mitarbeiter und eventuelle

Kunden und Besucher mit dem Hund wohlfühlen. Sonst gibt es auf beiden Seiten Stress. Wichtig ist auch, dass du die Bedürfnisse deines Hundes beachtest. Er sollte sich auf deiner Arbeit natürlich auch wohlfühlen, genug Platz, Licht und frische Luft haben. Ständig wechselnde Personen und große Reize etwa durch Maschinenlärm verträgt nicht  jeder Hund.

Arbeitsalltag mit Hund

Natürlich muss ein Hund auch während der Arbeitszeit Gassi gehen. Dafür musst du deine Pause nutzen. Eventuell lassen sich Kollegen einbinden. Wichtig ist im Büro, das der Hund genau weiß, wo sein Platz ist, wo er hin darf und welche Räume tabu sind. Wichtig ist, den Büroalltag zu trainieren. Dafür können schon mal ein paar Urlaubstage nötig sein. Ist alles eingespielt, kann ein Hund den Arbeitsalltag positiv beeinflussen. "Unsere Hündinnen heißen unsere Mandanten auf das herzlichste Willkommen, lassen sich streicheln, teilweise sogar auf den Arm nehmen. In dieser entspannten Atmosphäre lassen sich selbst die schwierigsten juristischen Beratungsgespräche für den Mandanten einfacher gestalten", so Tierrechtsexperte Ackenheil.

Wer zuerst kommt…

Natürlich könnten auch andere Kollegen auf den Gedanken kommen, ihren Hund mitzubringen. Schließlich gilt doch gleiches recht für Alle? Das hat nun wieder der Chef in der Hand. Die Arbeitsabläufe dürfen nicht gestört werden. Und nicht zuletzt müssen sich die Hunde auch untereinander vertragen. Ist so ein Tier regelmäßig mit auf Arbeit und hat dort seinen festen Platz, wird es diesen schnell als Teil seines Territoriums ansehen. Immer mehr große Firmen erlauben einen Hund am Arbeitsplatz und haben dafür spezielle Vereinbarungen in den Firmenstauten und im Arbeitsvertrag verankert. Für unseren Rechtsexperten ist dabei unter anderem wichtig: "Es muss geklärt sein, wer den Hund beaufsichtigt, wenn der Hundehalter in ein Meeting oder zu einem Auswärtstermin zum Kunden muss. Zu berücksichtigen ist, dass die erklärte Zustimmung seitens des Arbeitgebers jederzeit widerrufen werden kann." Eine rechtliche Garantie gibt also auch solch eine Vereinbarung nicht.

Versicherung ist zwingend nötig

Hunde sind nie zu 100 Prozent berechenbar. Deswegen können ein neuer Postbote, ein ängstlicher Kunde oder ein unbedachter Kollege zu Verwirrung führen und es kommt zu Angriff. Hier bist allein du als Tierhalter  in der Pflicht. Deswegen sollte eine Tierhaftpflichtversicherung Bedingung für jedes Tier im Büro sein.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 11. November 2020 | 10:45 Uhr

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