Hotel über Reiseportale buchen

14.05.2019 | 02:10 Uhr

Frau und Mann mit Reiseprospekten und Laptop zu Hause auf dem Sofa. 1 min
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MDR JUMP Di 14.05.2019 02:10Uhr 01:00 min

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Wer für den nächsten Urlaub oder Kurztrip ein Hotel sucht, wird bei Buchungsportalen schnell fündig. Sie zeigen übersichtlich an, welche Hotels es vor Ort gibt, was diese für den Preis bieten und wie zufrieden bisherige Kunden waren. Die gefundenen Hotels werden meist in Ranglisten nach Preisen und Bewertungen aufgeführt und können auch gleich bequem gebucht werden. Mit ihren Ranglisten vermitteln viele Portale den Eindruck, Nutzer würden immer das für sie beste Angebot buchen. Zwei aktuelle Studien zeigen jedoch, dass Reisende die Suchergebnisse der Buchungsportale kritisch hinterfragen sollten.

Bestes Angebot ganz oben?

Hotelzimmer mit Bett.
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Wer auf Buchungsportalen Hotels sucht, bekommt zuerst "Top-Tipps" (Booking.com), "Empfehlungen" (HRS) oder "Unsere Auswahl" (Expedia) angezeigt. Viele Nutzer gehen dann ähnlich wie bei einer Google-Suche davon aus, dass die für sie am besten geeigneten Hotels ganz oben stehen,  weil diese den besten Mix aus günstigem Preis und Beliebtheit bei Gästen bieten. Doch das stimmt nicht immer, wie eine Studie vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) von Januar 2019 zeigt. Dafür hat das ZEW über sieben Monate die Preise von 18.000 Hotels in 250 Städten auf den Buchungsportalen Booking.com und Expedia untersucht.

So rutschen Hotels in den Ranglisten nach unten

In unserer Untersuchung haben wir festgestellt: Ein niedrigerer Preis auf der hoteleigenen Website oder bei der jeweils anderen Plattform führt zu einer schlechteren Platzierung für das Hotel.

Reinhold Kesler, ZEW

Vereinfacht gesagt rutschen also Hotels in den Ranglisten nach unten, wenn sie außerhalb der Portale günstigere Preise anbieten. So würden Hotels gezwungen, immer das günstigste Angebot auf die Seiten der Buchungsportale zu stellen, kritisierte der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) nach der Untersuchung.

Auf eine MDR-Anfrage, inwieweit günstigere Angebote außerhalb der Portale die Ranglisten beeinflussen, hat Expedia bisher nicht reagiert. Booking.com weist in seiner Antwort darauf hin, dass der Algorithmus für die Ranglisten das Kundenfeedback als Basis nutze. Die Suchergebnisse könnten sich zudem für unterschiedliche Kunden etwas unterscheiden, zum Beispiel wenn das Portal bei den einen wisse, dass ein Kunde eher auf kostenloses WLAN Wert lege und der andere auf die Nähe des Hotels zum Stadtzentrum.

Nicht immer maximale Transparenz

Auch eine aktuelle Studie der Social-Shopping-Plattform mydealz kommt zu dem Ergebnis, dass sich Reisende nicht allzu sehr auf die Ranglisten der Buchungsportale verlassen sollten. Für die Studie hat mydealz die Preise für 750 Hotels auf mehr als 40 Portalen untersucht. Bei gerade einmal 6,6 Prozent der Angebote wurde Kunden tatsächlich der günstigste Preis für das Hotel angeboten. Bei den übrigen Angeboten gab es Hotelzimmer auf anderen Internetseiten oder Portalen für weniger Geld. In vielen Fällen sei zudem die direkte Buchung über die Webseite des Hotels der günstigste Weg gewesen.

Vergleichen, vergleichen, vergleichen

Grundsätzlich bieten Buchungsportale eine gute Möglichkeit, um Hotels zu suchen, zu vergleichen und zu buchen. Nutzer sollten sich aber immer bewusst sein, dass die Portale auch eigene Interessen verfolgen.

Reinhold Kesler, ZEW
Ein Hotel-Schild
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Booking.com, Expedia und Co. könnten also immer eine erste Orientierung über die Hotels und deren Preise am Urlaubsort bieten. Dafür sollten Nutzer auch in den Ranglisten nach unten scrollen und nicht nur die ganz vorn aufgeführten Hotels anklicken.

Nutzer können auch Metasuchmaschinen wie KAYAK oder trivago, nutzen. Diese vergleichen unter anderem Angebote verschiedener Buchungsportale, wodurch Nutzer einen besseren Überblick bekommen.

Reinhold Kesler, ZEW

Das empfiehlt auch Stefanie Siegert von der Verbraucherzentrale Sachsen:

Ich sollte mir verschiedene Vermittlungsportale anschauen und immer auch nochmal auf der Homepage des Hotels nachschauen und dort auch anrufen und nachfragen.

Häufig würden dabei sehr unterschiedliche Preise für das gleiche Hotelzimmer herauskommen.

Nicht unter Druck setzen lassen

Tastatur
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Viele Buchungsportale arbeiten mit Anzeigen wie "Nur noch 1 Zimmer auf unserer Seite", "Zehn andere Kunden schauen sich gerade dieses Angebot an" oder "Sehr gefragt". Damit sollen Nutzer dazu gebracht werden, schnell zu buchen. Das ist laut Wettbewerbszentrale auch erlaubt, so lange die Anbieter bei der Wahrheit bleiben. Die Portale dürfen also nicht behaupten, dass es in einem Hotel zu einer bestimmten Zeit nur noch ein Zimmer gibt, wenn in Wirklichkeit noch mehr frei sind. Die Anbieter nutzen vermehrt eher allgemein gehaltene Hinweise, die Nutzern aber trotzdem eine vermeintliche Knappheit bei den Zimmern suggerieren. Davon sollten sich Reisende aber nicht unter Druck setzen lassen und trotzdem in Ruhe vergleichen, raten Verbraucherschützer. Dabei sollten Kunden auch auf mögliche Zusatzkosten achten, die bei einigen Portalen das Angebot zusätzlich verteuern können.

Oftmals werden ja dann noch Versicherungen mit verkauft oder es kommen noch Servicegebühren mit dazu. Daher sollte man sich immer ganz genau den Endpreis anschauen.

Stefanie Siegert

EU dringt auf transparente Preise

Auf Buchungsportalen im Internet sollen Kunden bald besser als bisher sehen können, welche Faktoren die Ranglisten der Angebote beeinflussen. Das EU-Parlament und der europäische Ministerrat haben sich schon im letzten Jahr für mehr Transparenz ausgesprochen.

Auf EU-Ebene wird gerade eine Richtlinie dazu ausgehandelt und da sollten auch die Verbraucher schützenden Aspekte eine große Rolle spielen.

Stefanie Siegert

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 14. Mai 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Mai 2019, 15:53 Uhr