Die Kosten fürs Homeoffice erfolgreich bei der Steuer ansetzen

Millionen von uns haben es getan oder arbeiten derzeit noch von zu Hause. Manche im eigenen Arbeitszimmer, andere am Küchentisch oder der Computerecke. Für das Finanzamt ein entscheidender Unterschied. Was kannst du tatsächlich steuerlich geltend machen?

Eine Frau nimmt aufgrund der Ausbreitung des Coronaviruses aus ihrem Wohnzimmer an einer Telefonkonferenz teil. 1 min
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MDR JUMP Mi 03.06.2020 10:45Uhr 01:02 min

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Wann du Homeoffice von der Steuer absetzen kannst

Im Normalfall bezahlt dein Chef alle Kosten an deinem Arbeitsplatz. Strom, Computer, Miete, all das sind Betriebsausgaben, mit denen du eigentlich nichts zu tun hast. Arbeitest du aber zuhause, nutzt du deine Geräte und deine Wohnräume. Wenn du das steuerlich geltend machen willst, solltest du dir unbedingt schriftlich vom Chef bestätigen lassen, dass du zuhause arbeiten musst. Homeoffice wird nämlich nur dann voll vom Finanzamt anerkannt, wenn du nachweisen kannst, dass du an allen Arbeitstagen der Woche von zu Hause arbeitest.

Das sind Kosten, die du ansetzen kannst

Ausgaben für Miete, Heizung, Strom aber auch Computer und Telefon kannst du unter bestimmten Umständen bis zu einer (Werbungskosten-) Pauschale von 1250 Euro ansetzen. Achtung: Das bekommst du nicht in dieser Höhe zurück, es wird aber bei der Steuererklärung von deinem Gewinn abgezogen, du zahlst also entsprechend weniger Steuern.  

Volle Kosten vs. Pauschale

Alle Angestellten und Selbstständigen, die nur teilweise zuhause arbeiten, können "nur" die Pauschale ansetzten. Und auch nur, wenn tatsächlich diese Kosten entstanden sind. Deine kompletten Betriebsausgaben kannst du ansetzten, wenn du deinen Arbeitsmittelpunkt dauerhaft daheim hast und zum Beispiel auf Arbeit gar keinen eigenen Arbeitsplatz. Steuerberater Gunar Meisel erklärt das so:

Ein Lehrer hat zwar keinen Schreibtisch in der Schule aber seinen Arbeitsmittelpunkt, deswegen nur die Pauschale. Ein Vertreter ist zwar viel unterwegs, hat aber seinen Arbeitsmittelpunkt zu Hause am Schreibtisch, er kann die vollen Kosten absetzen.

Das ist ein Arbeitszimmer

Willst du die Kosten fürs Homeoffice vollständig in der Steuererklärung geltend machen, brauchst du unbedingt ein Zimmer, das nahezu ausschließlich zur Arbeit genutzt wird. Das Zimmer muss zu deiner Wohnung oder deinem Haus gehören, es sind auch Keller- oder Dachzimmer möglich. Zehn Prozent Fremdnutzung lässt das Finanzamt zu. Eine Couch, auf der du eine Mittagspause machst ist also kein Problem.

Das ist kein Arbeitszimmer

Der Küchentisch oder die Computerecke im Wohnzimmer sind keine Arbeitszimmer, weil die Räume ja auch für Wohnzwecke genutzt werden. Theoretisch könntest du zum Beispiel das Schlafzimmer komplett ausräumen und vorübergehend nur als Arbeitszimmer nutzen, hier musst du aber den Aufwand gegenrechnen.

Diese Kosten kannst du mit Arbeitszimmer absetzen

Bei der ganz klassischen Arbeitszimmer-Ermittlung rechnen sie die Größe des Arbeitszimmers gegen die gesamte Wohn- oder Hausfläche. Als Mieter setzen sie Miete, Strom und Heizung an, als Eigentümer können noch Kosten für Renovierung, Kredite und Versicherungen dazu kommen.

Gunar Meisel

Wichtig: Teure Computer, Drucker oder auch Software, kannst du nur Stück für Stück über die gesamte Nutzungsdauer absetzen. Sogenannte geringwertige Wirtschaftsgüter kannst du auf einmal geltend machen.

Wichtig: Nutzen Partner das gleiche Arbeitszimmer kann die Pauschale von 1250 Euro bei entsprechenden Kosten auch zweimal angesetzt werden.

Alle Kosten für Arbeitsmittel wie Drucker, Papier usw. können ebenso angesetzt werden.

Ausnahmen in der Corona-Krise 

Wenn du ansonsten in der Firma bist und nur für ein paar Wochen im Homeoffice arbeitest, kannst du das natürlich nicht für das ganze Jahr steuerlich geltend machen. Und du musst nachweisen, dass du ein Zimmer zum Arbeitszimmer umgerüstet hast. Unser Berater rät deshalb:

Auf jeden Fall die zeitliche Begrenzung beachten. Am besten den Ist-Zustand fotografieren, dokumentieren und vom Chef bestätigen lassen, dass aktuell kein Arbeitsplatz zur Verfügung steht.

Das gilt auch fürs Homeoffice ohne Arbeitszimmer.

Diese Kosten kannst du ohne Arbeitszimmer absetzen

Arbeitest du am Küchentisch, kannst du wenigstens die Arbeitsmittel anrechnen. Wichtig:

Diese Kosten lassen sich auch bei der sonstigen teilweisen beruflichen Nutzung zu 50 Prozent anrechnen.

Gunar Meisel

Das könntest du von deinem Chef bekommen

Ein netter Chef kann dir aktuell eine Unkosten-Pauschale von bis zu 1500 Euro für deine Aufwendungen zu Hause zahlen. Kommt das Geld bis Dezember dieses Jahres, ist es steuer- und sozialversicherungsfrei.

Das musst du unbedingt beachten

Zu hohe Erwartungen an das große Geld bremst Gunar Meisel:

Final ist nichts geklärt, niemand kann jetzt genau sagen, wie sich die Krise steuerlich auf die Homeofficearbeit auswirkt und welche Gesetze und Regeln bis zum nächsten Jahr noch geändert werden.

Auf jeden Fall darfst du nicht vergessen, die Tage, die du im Homeoffice bei der Steuer ansetzen willst, von den Tagen mit der Fahrtkostenpauschale für den Weg zur Arbeit abzuziehen - klar, du warst da ja gar nicht unterwegs.

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