Wie gut sind Abspielgeräte für Kindermusik und Hörspiele?

11.12.2019 | 02:10 Uhr

Ein Junge liegt mit Kopfhörern auf einem Sofa 1 min
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MDR JUMP Mi 11.12.2019 02:10Uhr 01:04 min

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Bunte Box

Eltern können zwischen mehreren extra für Kinder entworfenen Abspielgeräten wählen, die alle von deutschen Herstellern kommen. "Hörbert" ist laut Hersteller reparierbar und dank Einsatz von Holz besonders nachhaltig (ab 239 Euro). Die "Toniebox" (ab 79 €) wird mit Figuren statt Knöpfen bedient. Stellt man eine Tonie-Figur (eine im Starterset enthalten, weitere kosten rund 15 €) auf die Oberseite, werden Musik oder Hörspiele gestartet. "Tigerbox" (rund 40 €) und "Dog Box" (rund 25 €) sind als handliche Würfel mit extra großen Tasten für Kinderhände gestaltet. Diese Boxen spielen dank Bluetooth auch Inhalte ab, die vom Handy der Eltern kommen. Das können etwa Musik und Hörspiele von Streamingdiensten wie Spotify, Deezer oder iTunes sein. Die "BADOO"-Box (ab 99 €) spielt Inhalte vom USB-Stick oder via Aux-Kabel oder Bluetooth von angeschlossenen Geräten ab und hat ein eingebautes Mikrofon. Über das können Kinder auch selbst Geräusche oder Lieder aufnehmen.

Für Kinderhände geeignet

Die Boxen sind im Wesentlichen MP3-Player mit eingebautem Speicher und Akku, alles verbaut in einer bunten, kreativen Hülle mit Tragegriff und mit einem auf Kinder zugeschnittenen Bedienkonzept. Dafür zahlen Eltern deutlich mehr, als wenn sie ihren Kindern den gebrauchten MP3-Player oder das alte Smartphone fürs Anhören geben. Der Aufpreis kann sich aber lohnen, sagt Prof. Dr. Richard Stang vom Institut für angewandte Kindermedienforschung (IfaK) an der Hochschule der Medien Stuttgart:

Vor allem kleinere Kinder brauchen ein haptisches Erlebnis, da passiert wahnsinnig viel über die Hände. Diese Geräte kann man anfassen, da kommen Töne raus und dieses Zusammenspiel ist für Kinder unheimlich wichtig.

Eine Hörspielbox von Tonies
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Der Pädagoge lobt das Bedienkonzept der "Tonieboxen" mit unterschiedlichen Figuren, die für Musik oder Hörspiele stehen. "Wenn ich die Figur da draufstelle, ist das nochmal was anderes, als wenn ich nur eine Start-Taste drücke. Ich kann die Figuren in meinem Zimmer aufbauen und habe da auch schnell Zugriff drauf. Das schult die Wahrnehmung", sagt Richard Stang. Anders als bei herkömmlichen MP3-Playern oder Bluetooth-Lautsprechern finden sich schon kleine Kinder bei allen bunten Boxen schnell zurecht.

Eltern wollen ja auch etwas, das Kinder möglichst selbst bedienen können. So ein Hörspiel ist oft das erste Medium, dass Kinder ganz alleine konsumieren können. Wo die Eltern nicht immer wieder alles regeln müssen.

Sandra Schwarz, Stiftung Warentest

Damit die Ohren nicht abfallen

Aus Sicht von Stiftung Warentest haben die Kindermusikspieler noch einen weiteren Vorteil gegenüber Smartphones und MP3-Playern: Dank des eingebauten Lautsprechers müssen die Boxen nicht mit einem Kopfhörer verbunden werden. Den könnten Kinder möglicherweise zu laut stellen und damit ihr Gehör schädigen.

Im Test klangen die Lautsprecher der Boxen zum Teil sogar erstaunlich gut für die kleinen Gehäuse.

Sandra Schwarz

Stiftung Warentest hat aktuell 13 Kindermusikspieler für Kinder getestet (Heft 11/19). Die "BADOO"-Box war in dem Test aber nicht dabei. Sandra Schwarz rät Eltern dazu, bei den Boxen auf eine Lautstärkebegrenzung ab Werk zu achten. Damit können Erwachsene vorab einstellen, wie laut Musik oder Hörspiele maximal sein dürfen. So eine Einstellung bietet beispielsweise "Hörbert" unter einer Klappe, die nur Eltern aufbekommen. Auch auf die Akku-Laufzeit können Eltern beim Kauf achten.

Die Laufzeiten sind sehr unterschiedlich: Der 'Hörbert' etwa schafft 57 Stunden, da hat man tagelang keine Probleme. Die anderen Geräte liegen so zwischen fünf Stunden und siebzehn Stunden.

Sandra Schwarz

Fürs Aufladen setzen die Hersteller auf unterschiedliche Varianten: Für die "Toniebox" gibt es eine Ladestation, die "Tigerbox" wird ähnlich wie Smartphones über Micro-USB-Kabel geladen. Beim "Hörbert" müssen die AA-Akkus entnommen und mit einem Ladegerät aufgeladen werden.

Viele verschiedene Quellen für Musik und Hörspiele

Speicherkarte
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Fast alle Hörbox-Hersteller setzen auf einen Speicher, den Eltern mit Audiodateien füllen können. Das sind entweder handelsübliche SD-Karten oder USB-Sticks, die problemlos vom Eltern-Computer aus gelesen und beschrieben werden können. Auf den Speicher können einmal Lieder oder Hörspiele gezogen werden, für die man eigene Audio-CDs einliest und in digitale Dateien umwandelt. Dafür gibt es gute Gratisprogramme wie "Audiograbber" oder "FreeRIP". Auch bei Amazon, Thalia und anderen Shops online gekaufte Hörbücher können auf den Speicher der bunten Boxen gezogen werden. Zudem gibt es online auf ohrka.de Dutzende kostenlose Hörbücher. Das gemeinnützige Portal wurde unter anderem von der Bundesregierung gefördert. Für ohrka.de haben bekannte Schauspieler wie Anke Engelke oder Katharina Thalbach Bücher eingelesen. Viele Bibliotheken bieten inzwischen auch an, Hörbücher als Datei online auszuleihen.

Das Interessante bei den Digitalmedien ist ja, dass sie nicht den üblichen Stress haben, wenn die Ausleihfrist rum ist. Die müssen sie nicht zurückbringen oder Mahngebühren zahlen. Die Datei funktioniert einfach nicht mehr.

Sandra Schwarz

Bei "BADOO", "Tigerbox" und "Dog Box" können zusätzlich noch Streaming-Dienste und deren Hörspielangebote genutzt werden. Dafür muss aber wieder das Handy der Eltern benutzt werden.

Extrakosten für Tonie-Figuren

Ein Sonderweg geht der Hersteller der "Toniebox": Abgespielt werden Inhalte, die auf den Tonie-Figuren gespeichert sind. Diese Figuren gibt es als fertige Hörspiele für rund 15 Euro: Bär Balu beispielsweise bringt das "Dschungelbuch" ins Kinderzimmer, ein Astronaut die "Was Ist Was"-Geschichten. Zusätzlich können Eltern einen Kreativ-Tonie mit eigenen Inhalten wie digitalisierten CDs oder selbst eingelesen Geschichten befüllen. Für die Aufnahme gibt es eine kostenlose Tonie-App fürs Smartphone.

Eltern sollten Hörspiele vorher selbst anhören

Für die Kindermusikspieler gibt es aus Sicht von Sandra Schwarz von Stiftung Warentest kein Mindestalter:

Die Toniebox mit den Figuren etwa ist so ausgelegt, dass die auch Zweijährige bedienen können und das wird meiner Erfahrung nach in dem Rahmen auch schon verschenkt.

Eltern können meist schon sehr gut einschätzen, wie fit ihre Kinder bereits sind.

Da ist aber das Problem, dass wir so viel im Internet bestellen und das gar nicht vorher anfassen. Die Erwachsenen sollten das besser vorher selbst mal ausprobieren.

Richard Stang

Er rät Eltern zudem, alle Hörspiele für die Boxen vorher auch selbst anzuhören.

Ich mach das immer gern am Beispiel vom 'Kleinen Eisbären' fest: Den gibt’s als Film und da wunderten sich Eltern, wenn die kleinen Kinder weinend aus dem Film kommen. Da verstand niemand so richtig, dass der kleine Eisbär von seiner Mutter getrennt wird.

Richard Stang

Fazit

Hörspielboxen bieten auch kleinen Kindern schon die Möglichkeit, ihre Lieblings-Musik oder Bücher ohne Hilfe der Großen zu hören. Die Boxen sind mit Akku mobil, dank Verzicht auf Kopfhörer und mit Lautstärke-Begrenzer auch kinderohrfreundlich. Sie können von den Eltern auch mit kostenlosen Inhalten befüllt werden. Die sollten die Erwachsenen aber vorher einmal selbst hören.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 11. Dezember 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Dezember 2019, 02:10 Uhr

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