Eicheln und Kastanien sammeln – So hilfst du Wald und Tieren

Auf Kinder wirken sie magisch. Wenn Eicheln und Kastanien im Herbst zu Boden fallen, wird gesammelt. Manchmal gibt’s dafür sogar noch Geld und die Tiere freuen sich auch – oder nicht? Was beim Sammeln wichtig ist, klären wir jetzt.

Mutter und Sohn sammeln Kastanien im herbstlichen Wald 1 min
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MDR JUMP Di 29.09.2020 10:45Uhr 01:03 min

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Darum sind Eicheln und Kastanien wertvoll

Schon seit Jahrhunderten stehen sie auf dem Speiseplan von Wild- und Haustieren. Im Mittelalter trieb man Hausschweine vor dem Winter extra in sogenannte Hutewälder (kommt vom Wort Hüten), damit sie sich dort an Eicheln fettfressen konnten. Hirsche und Rehe stehen mehr auf die Kastanie.

Und auch wir Menschen haben früher zum Sattwerden oft zur Kastanie gegriffen. Wichtig: Tiere fressen Rosskastanien, Menschen die Esskastanie – zwei völlig verschiedene Früchte. Eicheln sollten Menschen auf keinen Fall roh verzehren. Sie enthalten zu viel Gerbsäure, das verursacht Magenschmerzen.

Darum kann Sammeln dem Wald auch schaden

Wichtiger als Futter, sind die Früchte zum Teil als Saatgut. Dazu Dr. Renke Cordes vom Staatsbetrieb Sachsenforst: "Der Wald soll sich möglichst selbst regenerieren, dazu braucht er natürlich seine Samen. Werden die flächendeckend abgesammelt, können dort später keine neuen Bäume wachsen." Trockenheit macht dem Wald seit Jahren zu schaffen. Deshalb suchen Experten nach Saatgut-Sorten, die mit den Bedingungen klar kommen.

"Es nutzt also dem Wald aktuell nichts, wenn Sie anderswo Eicheln und Kastanien sammeln und die dann im Wald als Saatgut verstreuen. Das funktioniert nur in ein- und demselben Waldbestand", warnt der Förster.

Die Forstämter veranstalten Pflanz- und Saataktionen, an denen man sich mit der ganzen Familie beteiligen kann.

Wo man wieviel sammeln darf

Einfach in den Wald zu gehen und Kiloweise Früchte zu sammeln ist nicht erlaubt. Die gehören nämlich dem Waldbesitzer, egal ob staatlich oder privat. "Für den Eigengebrauch dürfen Sie aber eine kleine Menge mitnehmen. Man sagt immer so eine Hand voll. Zum Basteln oder Dekorieren sollte es also reichen", so der Förster Dr. Renke. Wer mehr sammeln und dann die Früchte auch noch verkaufen will, sollte unbedingt beim Waldbesitzer nachfragen.

Ganz wichtig: Nicht unter Bäumen sammeln, die mit einem grünen und zwei gelben Ringen markiert sind. Das sind sogenannte Saatgutbestände, aus denen genetisch wertvolle Samen gewonnen werden.

Wer die gesammelten Früchte braucht und wer nicht

Durch die immer milderen Winter finden Wildtiere in der freien Natur normalerweise genug zu fressen. Sie müssen nicht zusätzlich gefüttert werden. Deshalb nehmen einige Forstämter gar keine gesammelten Früchte mehr an.

Dazu der Forstexperte: "Bevor Sie große Mengen an Eicheln oder Kastanien sammeln, informieren Sie sich, ob und wo die überhaupt gebraucht werden." Zum Beispiel  bei Tierparks und Wildgehegen. Dort freut man sich vielerorts noch über das Zusatzfutter. Allerdings sollte man für die Abgabe die bereitgestellten Sammelboxen verwenden und die Tiere auf keinen Fall selber füttern. Um eine geeignete Abgabestation zu finden, kann man sich direkt an die zuständigen Forstämter in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen wenden. Achtung: Es gibt einige Aufkäufer von Wildfrüchten, die ein paar Cent pro Kilo für Kastanien und Eicheln bieten. Nicht viel, aber für ein bisschen Extra-Taschengeld reicht´s.

Wie man richtig sammelt

Ein Mann hält eine Kastanie in der Hand.
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Tatsächlich macht das Sammeln im Wald wenig Sinn. Dort sollen ja die Tiere die Früchte selbst fressen. "Es ist einfach unlogisch, Früchte in großem Stil einzusammeln und sie dann dem Förster zu übergeben, damit der sie den Tieren wieder zurück gibt", so Dr. Renke. Unter Bäumen in Dörfern und Städten oder auch an ruhig gelegenen Alleen und in großen städtischen Parks kann man hingegen bedenkenlos sammeln. Dort kommen Wildtiere in der Regel nicht hin.

Da Kastanien und Eicheln schnell schimmeln, sollten sie nur in Körbe, Pappkartons oder Papiertüten gesammelt werden. Nasses Laub am besten entfernen und die Früchte zu Hause ausbreiten. Verschimmelte Früchte dürfen nicht in Futterboxen gesteckt werden.

Ökologisch fragwürdige Sammelaktionen

Ein großer Süßwarenhersteller aus Bonn veranstaltet seit über 80 Jahren eine einstmals gut gemeinte Sammelaktion für Waldtiere. Für zehn Kilo Kastanien oder fünf Kilo Eicheln gibt es dabei ein Kilo Süßigkeiten. Das hat sich mittlerweile so entwickelt, dass die umliegenden Wälder und Parks jedes Jahr regelrecht leergefegt und an Bäumen Zweige und Äste abgebrochen werden. Zusätzlich nehmen Besucher hunderte Kilometer Anfahrwege in Kauf, um ein Kilo Süßes für Umsonst zu bekommen.

Es gibt gute und schlechte Jahre

Zwei grüne Eicheln liegen auf dem erdigen Waldboden.
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Auch bei Eicheln und Kastanien hat die Natur es so eingerichtet, dass sie in manchen Jahren sehr viele Früchte haben und in anderen nur wenige. Das wird unter anderem durch Fröste im Frühjahr beeinflusst und wirkt sich auf die Population von Tieren aus, die auf die Samen angewiesen sind. Es ist also kein Drama, wenn ein Baum mal so gut wie keine Früchte trägt.  

Wozu Eicheln und Kastanien sonst noch gut sind

Rosskastanien haben waschaktive Substanzen. Ähnlich wie sogenannte Waschnüsse könnte man sie also zum ökologisch nachhaltigen Wäschewaschen benutzen. Das klappt aber nicht mit der Kastanie von der Wiese. Die muss dafür erst behandelt werden und auch dann sind die Waschergebnisse eher dürftig, hat die Stiftung Warentest herausgefunden. Zum Basteln und Dekorieren sind Waldfrüchte hingegen hervorragend geeignet.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 29. September 2020 | 10:45 Uhr

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