Ein Haustier als Weihnachtsgeschenk: Warum das meist keine gute Idee ist

Eine Dogge sitz auf einem Korb und hat eine Weihnachtsmütze auf dem Kopf 1 min
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MDR JUMP Mi 09.12.2020 10:45Uhr 01:00 min

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"Ich möchte bitte einen Hund….", "… eine Katze" oder "… einen Hamster": Das steht auch dieses Jahr wieder auf Wunschzetteln. Viele Kinder wünschen sich ein Haustier zum Kuscheln, Toben und Spielen. Im Corona-Jahr könnten zudem viele überlegen: Mit einem Haustier sind die Großeltern nicht mehr so allein, wenn Kinder und Enkel nicht so oft vorbei kommen. Doch viele zum Weihnachtsfest verschenkte Haustiere landen zwei, drei Wochen später im Tierheim oder werden ausgesetzt. Zu diesem Zeitpunkt haben viele gemerkt, dass das Tier nicht zu ihnen und ihrem Alltag passt.

"Das geht dann so lange gut, bis der Alltag zurückkommt"

Keine Verpflichtungen, ein paar Tage mit den Lieben: Viele sind über Weihnachten und Silvester zu Hause. Diese Zeit wirkt wie der perfekte Start für ein Leben mit einem Haustier. Davon sollte man sich aber nicht verleiten lassen, sagt Sigrid Frotscher vom Tierschutz Halle e.V.:

Dann stellt sich oft nach den Feiertagen raus: Die Anschaffung des neuen Mitbewohners war keine so gute Idee. Der hat seine Bedürfnisse, muss mehrmals täglich versorgt werden. Im Alltag flacht dann die Begeisterung für das flauschige Weihnachtsgeschenk ganz schnell ab.

Sie rät ganz davon ab, zum Weihnachtsfest Tiere zu verschenken. Aus diesem Grund vermittle ihr Tierheim in Halle/Saale zwischen dem 21. Dezember und dem 6. Januar keine Tiere. Aus Sicht von Lea Schmitz vom Deutschen Tierschutzbund kann Weihnachten manchmal ein guter Start für die gemeinsame Zeit mit einem Haustier sein:

Lea Schmitz
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Es gibt tatsächlich Familien, die sagen: Wir haben unser Tier zu Weihnachten angeschafft und das war eine gute Sache. Das war auch alles vorher gut besprochen und überlegt und wir haben unser Haustier auch jetzt nach Jahren noch bei uns. Wirklich ideal ist das Weihnachtsfest dafür aus unserer Sicht trotzdem nicht.

In einer Zeit mit viel Trubel über Geschenke, Kochen und Besuche der Familie habe das neue Haustier nicht die nötige Ruhe, um im Alltag anzukommen. Auf gar keinen Fall sollten Hunde oder Katzen als Überraschungsgeschenk unter dem Weihnachtsbaum landen.

Weil man vielleicht überlegt, dass die Eltern im Corona-Jahr ganz viel allein waren…. Aber was ist, wenn das Tier gar nicht erwünscht ist? Und man gar nicht bedacht hat, was damit alles zusammenhängt: Was mache ich mit dem Tier im Urlaub, was brauche ich alles, was kostet das?

Lea Schmitz empfiehlt, zu Weihnachten Gutscheine, Bücher zum jeweiligen Haustier oder Ausstattung wie Futternapf oder Leine zu verschenken. Über die Feiertage können sich Kinder, Eltern und vielleicht auch Großeltern gemeinsam überlegen, was sie für den neuen Liebling noch brauchen, wer welche Aufgaben verbindlich übernimmt und ob Hund, Katze oder Meerschwein wirklich in die Wohnung, das Haus und zur Familie passen. Damit wird der Kinderwunsch nach einem Haustier erfüllt und alle sind möglichst gut vorbereitet.

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aus dem Tierheim Plauen

"Die Eltern müssen bereit sein, sich um das Tier zu kümmern"

Schon kleine Kinder wünschen sich einen Freund mit Fell oder Federn. Wollen Eltern diesen Wunsch erfüllen, sollten sie vorab noch ein paar Dinge zusätzlich für sich klären. Lea Schmitz sagt:

Gerade die kleineren Kinder haben gern Tiere, mit denen sie schmusen oder knuddeln können. Da wäre auch gut, wenn das Tier recht robust ist und ein Individuum, dass sich gut mit Kindern verträgt. Wo es nicht so schlimm ist, wenn das auch mal am Schwanz gezogen wird. Da würde ich immer sagen, dass hier als Haustier am ehesten Hund oder Katze in Betracht kommen.

Kleine Haustiere wie Meerschweinchen oder Kaninchen hätten eher zarte Gliedmaßen. Werden sie hochgehoben, gedrückt oder gestreichelt, sei das für diese Tiere stressig. Aus Sicht von Sigrid Frotscher könnten auch schon kleine Kinder an das Zusammenleben mit Tieren herangeführt werden und einen respektvollen Umgang mit ihnen lernen.

Das ist eine tolle Sache, aber es muss immer in der Obhut der Eltern passieren. Kleine Kinder können bis zu einem gewissen Alter auch noch keine Verantwortung für ein Tier übernehmen. Sie sagen: Ich kümmere mich schön, füttere jeden Tag. Aber das vergessen kleine Kinder ganz schnell. Eltern sollten sich im Klaren sein: Sie wünschen sich das Haustier dann und ihre Kinder sind die Nutznießer von diesem Wunsch.

Dann habe man vielleicht ein paar Einschränkungen in seinem Alltag durch das Tier. Gleichzeitig bereichere das aber auch das eigene Leben.

Checkliste zum Haustierwunsch

Wir haben die wichtigsten Punkte zusammengefasst, die man vorab klären kann:

  • Vermieter: Im Mietvertrag behalten sich viele vor, Haustiere seien nur mit ihrer Zustimmung erlaubt. Die sollte man einholen, wenn Tiere durch Geräusche oder Gerüche andere Mieter stören könnten. Kleintiere wie Fische oder Hamster dürfen Mieter in der Regel ohne diese Zustimmung halten.
  • Kosten: Abhängig vom Tier können die recht hoch ausfallen: Bei Hunden etwa addieren sich Steuer, Haftpflicht, Futter und Tierarzt im Schnitt zu 100 Euro im Monat. Kurse in der Hundeschule können weitere 100 Euro kosten. Futter, Unterbringung und Arztkosten bei Katzen können sich auf 70 Euro im Monat summieren. Selbst für Hamster sollte man um die 15 Euro einkalkulieren.
  • Platz: Passen Wohnung oder Haus zum Tier? Bei einem großen Hund können die vier Etagen mit Treppe zur Wohnung im Alter zum Problem werden. Kann die Katze ins Freie und hat sie alternativ genug Platz in der Wohnung? Steht der Käfig des nachtaktiven Hamsters im Kinderzimmer, in dem nachts eigentlich Ruhe sein soll?
  • Zeit: Hat man selbst oder jemand aus der Familie genug Zeit, um mit dem Hund rauszugehen? Reicht die für die Katze, die nicht raus kann und deshalb viel Schmuse- und Spielzeit braucht?
  • Urlaub: Kann sich jemand um das Tier kümmern? Kann man das Haustier mit in den Urlaub nehmen? Das empfiehlt der Deutsche Tierschutzbund nur bei Hunden.
  • Sauber machen: Katzenklo oder Kaninchengehege müssen regelmäßig gesäubert werden. Diese Aufgaben sollten verbindlich und mit klaren Ansagen ("Gesäubert wird jeden zweiten Tag etc….") verteilt werden.

"Zuerst bitte im Tierheim nachfragen"

Unsere beiden Experten Lea Schmitz und Sigrid Frotscher e.V. empfehlen Familien und Kinder mit Haustierwunsch, immer zuerst im Tierheim nachzufragen. Lea Schmitz sagt:

Das wissen viele nicht: Dort gibt es nicht nur Hunde und Katzen, sondern auch Kaninchen, Meerschweinchen, Ratten und Mäuse.

So finden vielleicht diese Tiere ein Zuhause, bevor neue Tiere gekauft, gezüchtet und importiert werden. Im Tierheim wird vorab auch geprüft, ob Hund oder Katze und neue Besitzer auch zusammenpassen.

Aber aus unserer Sicht ist es eben natürlich wichtig, bei den Leuten abzufragen, ob das Tier auch im neuen Zuhause dann artgerecht gehalten werden kann und ob die Leute das wirklich durchdacht haben.

Sigrid Frotscher ergänzt:

Die meisten Tierheime sind darauf angelegt, sehr geduldig mit Interessenten zu arbeiten, auch lange Anfahrt zu akzeptieren, wenn ein Tier gut vermittelt werden sollen.

Gütesiegel für Züchter oder Zoofachgeschäfte gibt es in Deutschland laut unseren Experten nicht. Lea Schmitz rät daher, auf ein paar Anzeichen zu achten.:

Den Züchter sollte man auch vorher besuchen können, so dass man sich das alles bei ihm zu Hause ansehen kann. Ein seriöser Züchter ist jemand, der nur eine Hunderasse züchtet, aus Liebhaberei, aus Leidenschaft. Und der kann dann auch das Muttertier zeigen, man kann sich ansehen, wie die Tiere leben und wie die hygienischen Zustände sind.

Wenn jemand nur im Internet inseriere und dann einen Welpen auf einem Parkplatz übergeben wolle, sollte man davon Abstand nehmen. Dann sei die Gefahr zu groß, den illegalen Welpenhandel zu unterstützen. Die Sprecherin des Deutschen Tierschutzbundes sagt:

Aus unserer Sicht wäre der Gang zum Zoofachhandel erst der dritte Weg: Nach Tierheim und nach Züchter. Im Zoofachhandel wird aus unserer Sicht oft nicht hingeschaut, wo ein Tier dann hingeht. Wer zahlt, der kriegt das. Auch wenn es da Verbesserungen gegeben hat. Die Unternehmen sagen auch: Wir legen mehr Wert auf Beratung und weiter.

Könnten im Zoofachgeschäft Nachfragen nach der Herkunft der Tiere nachvollziehbar beantwortet werden und seien genug Rückzugsmöglichkeiten vorhanden, seien das Anzeichen für ein gut geführtes Geschäft.

Wenn da immer wieder Menschen in den Laden kommen und sehr nah an die Gehege gehen können oder sogar reingreifen, dann bedeutet das Stress für die Tiere.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 09. Dezember 2020 | 10:45 Uhr

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