Zeckenbisse: Was du vorbeugend und im Ernstfall für Hund und Katze tun kannst

Zecken sind auf dem Vormarsch. Holzbock, braune Hundezecke und die Buntzecke können nicht nur uns Menschen, sondern auch unseren Haustieren enorm schaden. Wir erklären dir, wie du deine Lieblinge am besten schützt.

Eine Tube wird an das Fell eines Hundes gehalten 1 min
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MDR JUMP Mi 07.04.2021 10:45Uhr 01:19 min

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Zecken sind auch für Hund und Katze gefährlich

Dazu die Tierärztin Dr. Grit Kopke aus Naundorf in Sachsen: "Es sind zwei Aspekte. Das Beißen und Blutsaugen an sich kann bei einem starken Zeckenbefall für die Tiere nervig sein. Es schmerzt und juckt." Durch Kratzen oder nach dem Abfallen der Zecken können kleine Hautkrater entstehen, die sich entzünden. "Viel schlimmer ist aber, dass die Zecken durch ihren Biss auch bei Hunden und Katzen Erreger übertragen, die zu Fieber, Schmerzen, Lähmungen und im schlimmsten Fall bis zum Tod führen können", warnt unsere Expertin.

So merkst du, dass dein Tier gebissen wurde

"Frühestens 24 Stunden nach dem Biss zeigen die Tiere erste Anzeichen. Sie gehen lahm, sind unruhig, fressen nicht mehr oder müssen sich erbrechen", sagt unsere Expertin. Wichtig: Es kann bei Hunden aber vor allem bei Katzen mehrere Wochen dauern, bis sich erste Symptome zeigen. Solltest du also die genannten Anzeichen feststellen, schnell zum Tierarzt. Der kann zum Beispiel mit Antibiotika helfen.

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aus dem Tierheim Stendal

Zecken fern halten

Es gibt zwei grundsätzliche Möglichkeiten, dein Tier gegen Zecken zu schützen: Abstoßende Stoffe, auch Repellents genannt. Damit sprühst oder reibst du dein Tier ein. Oder es trägt ein Halsband, aus dem die Stoffe kontinuierlich abgegeben werden. "Im Idealfall hält so ein Band das ganze Jahr. Sie sollten die Stärke der Wirkstoffe ans Gewicht des Tieres anpassen", rät Tierärztin Dr. Kopke. Vorteil bei den Repellents: Dein Tier nimmt keinen Wirkstoff in sich auf und die Zecke beißt gar nicht erst zu, sondern wird vorher abgeschreckt. Zweite Möglichkeit: Sogenannte Spot on Produkte und auch Kaubonbons, die Stoffe enthalten, an denen die Zecke oft erst nach dem Biss stirbt. Auch diese Mittel können einen monatelangen Schutz bieten. Allerdings nimmt das Tier die Wirkstoffe über die Haut oder den Verdauungstrakt auf. Wichtig: Diese Mittel müssen ganz genau an Alter und Gewicht deines Tieres angepasst werden. Und wenn Tiere gewaschen werden oder Baden gehen, kann die Wirksamkeit der Zeckenabwehr stark nachlassen.

Zecken richtig entfernen

Eine Zecke wird mit einer Zeckenklammer umfasst und entfernt.
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Nach jedem Aufenthalt im Freien solltest du deinen Liebling auf Zecken untersuchen und wenn gefunden, vorsichtig entfernen. Dabei ist es wie bei uns Menschen: Die stechende Zecke mit Öl, Alkohol oder gar dem Feuerzeug zu bekämpfen, setzt sie unter Stress und lässt sie erst recht Erreger ins Blut abgeben. Stattdessen solltest du die Zecke mit Zeckenzange oder Zeckenkarte langsam und gerade nach oben herausziehen. Bitte nicht drehen, dabei können Teile stecken bleiben. Ist die Zecke draußen, wirf sie nicht einfach weg oder spül sie runter, sondern zerquetsche sie mit einem festen Gegenstand oder wirf sie in Desinfektionsmittel. Klingt martialisch aber jetzt geht auch Feuer. Wichtig: Bekommst du die Zecke nicht richtig oder vollständig raus, geh zum Tierarzt.

Auch das Zuhause der Tiere behandeln

Die braune Hundezecke, die auch Katzen befällt, mag es nicht kalt. Deswegen vermehrt sie sich nicht im Freien, gerne aber in kuscheligen Hundedecken, Zwingern oder Kratzbäumen. Sind deine Tiere von dieser Art befallen, solltest du das Zuhause deiner Tiere gründlich säubern und unter Umständen einen Kammerjäger beauftragen.

Wann du deinen Hund impfen lassen solltest

Es ist genau anders als bei uns Menschen: Hunde können nicht gegen FSME geimpft werden, wohl aber gegen Borreliose. Da jedoch jede Impfung auch eine Belastung für das Tier ist, rät Tierärztin Dr. Kopke: "Impfen kann dann Sinn machen, wenn man in einem Zeckenrisikogebiet wohnt und der Zeckendruck entsprechend hoch ist. Das Gleiche gilt für Tierheime oder wenn das Tier oft mit viele Artgenossen in Kontakt kommt, wie etwa in der Hundeschule oder in der Zucht."

Hausmittel sind mit Vorsicht einzusetzen

Natürliche Zeckenmittel wie Schwarzkümmelöl, Zwiebeln, Knoblauch oder auch Halsbänder aus Bernstein sieht unsere Expertin kritisch: "Bei keinem dieser oft angepriesenen Mittel ist eine Wirkung wissenschaftlich belegt. Im Gegenteil, gerade bei Zwiebeln und Knoblauch wird’s für Hunde gefährlich, das ist für die nämlich giftig." Teebaumöl wiederum ist für Katzen gefährlich. Du solltest dich unbedingt mit deinem Tierarzt besprechen, bevor du solche Produkte ausprobieren willst.  

Der Holzbock ist es nicht alleine – Klimaprobleme auch bei Zecken

Normalerweise gibt es richtige Zecken-hoch-zeiten, in denen die Tiere besonders aktiv sind. "Im März geht es richtig los und einen zweiten Schub gibt es dann nochmal von September bis November", so unsere Expertin.

Allerdings ist dieser Zeckenkalender durch die Klimaveränderung durcheinander geraten. Dazu Dr. Grit Kopke: "Wir stellen fest, dass in den letzten Jahren durch steigende Temperaturen immer mehr Tiere auch aus südlichen Regionen zu uns einwandern." Dazu kommen noch milde Winter, die die Zeckensaison verlängern. "Die Zecken sind jetzt teilweise ganzjährig aktiv, auch im Dezember und Januar. Buntzecken sind schon ab etwa sieben grad Celsius unterwegs, selbst leichter Bodenfrost macht Ihnen nichts aus. Da gibt es kaum noch Pausen", so die Tierärztin.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 07. April 2021 | 10:45 Uhr

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