Fell, Federn, Schuppen – welches Haustier passt zu mir?

In den deutschen Haushalten leben über 34 Millionen Haustiere. Am beliebtesten sind Katzen, dicht gefolgt von Hunden. Auch Kleintiere wie Hamster, Meerschweinchen oder Kaninchen, sowie Vögel und Fische werden gern genommen. So süß Haustiere auch sind, die Anschaffung sollte gut durchdacht werden.

Mädchen drückt sich eine Katze ans Gesicht 1 min
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MDR JUMP Mi 14.10.2020 10:45Uhr 01:12 min

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Grundsätzliche Fragen und Überlegungen

  1. Ein Tier bedeutet Verantwortung. Man muss täglich für das Haustier sorgen und zwar solange es lebt. Man sollte sich nie aus einer Laune heraus für ein Tier entscheiden.
  2. Habe ich ausreichend Zeit, mich um das Tier zu kümmern? Wer einen 8-Stunden Arbeitstag und auch sonst viel um die Ohren hat, sollte sich fragen, ob er nebenbei ein Tier gut versorgen kann.
  3. Ein Haustier bedeutet Arbeit. Ob Gassi gehen, Katzenklo oder Aquarium sauber machen – das muss alles erledigt werden. Gerade Kinder verlieren schnell die Lust, sich um das Tier zu kümmern. Deshalb sollte im Vorfeld die Frage geklärt werden, wer welche Aufgaben übernimmt.
  4. Faktor Geld: Haustiere sind kein Schnäppchen. Neben Anschaffungs- und Unterhaltskosten kommen Tierarztrechnungen und gegebenenfalls Versicherungskosten auf dich zu. Ein Hund kann von der Anschaffung bis zum Tod bis zu 17.000 Euro kosten.
  5. Wer kümmert sich um das Tier wenn ich in den Urlaub fahre? Kann ich es mitnehmen? Habe ich Freunde oder Familie, wo das Tier bleiben kann? All das muss unbedingt vor der Anschaffung geklärt sein. Jährlich werden in Deutschland etwa 70.000 Tiere vor den Sommerferien ausgesetzt.

Wie finde ich ein Haustier, das zu mir passt?

Die meisten haben eine genaue Vorstellung, welches Haustier sie haben wollen. Wer aber noch schwankt, der sollte sich an ein Tierheim wenden. Dort wird man gut beraten, sagt Lea Schmitz vom Tierschutzbund. Man bekommt detaillierte Infos über das Verhalten und die Vorgeschichte des Haustiers.

Die wollen nicht das schnelle Geld machen, sondern ein Zuhause für die Tiere finden, wo sie lange und gut leben können.

Auch der Deutsche Tierschutzbund hilft bei der Auswahl eines Haustiers. In der Broschüre des Tierschutzbundes "Welches Tier passt zu mir" findest du nützliche Tipps.

Nächste Sendung im MDR Fernsehen

Nächste Sendung im MDR Fernsehen

28.10.2020, 19:50 Uhr /
18:00 Uhr in der Mediathek

aus der Tierpension Grimm in Salzwedel

Welches Tier passt am besten?

Hund

Ein Bernhardiner (Hund) schaut traurig in die Kamera
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Wer einen Hund will, sollte Zeit haben und darf keine Couch-Potato sein. Hunde lieben ausgiebige Spaziergänge. Mindestens dreimal am Tag Gassi gehen ist Pflicht. Neben dem täglichen Auslauf wollen Hunde auch trainiert und erzogen werden. Für jemanden der täglich acht Stunden arbeiten geht und anschließend seine Ruhe haben will, ist ein Hund nicht geeignet, so unsere Expertin. Will man einen Hund in einer Mietwohnung halten, muss man fast immer den Vermieter um Erlaubnis fragen. Große Hunde brauchen etwas mehr Platz und können sich in einer Mini-Stadtwohnung unwohl fühlen. Die Kosten für einen Hund sind nicht unerheblich: Essen, Hundefriseur, Hundesteuer, Versicherung und Tierarztrechnungen wollen bezahlt werden. Die Ausgaben können sich, je nachdem wie alt der Hund wird, auf insgesamt 12.000 bis 17.000 Euro summieren.

Katze

Ein Kater gräbt in seiner Katzentoilette.
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Auch Katzen brauchen Zeit und Aufmerksamkeit und die richtige Umgebung. Ist die Katze Freigänger, dann ist ein Einfamilienhaus in verkehrsberuhigter Lage das beste Wohnumfeld. Stubentiger fühlen sich in einer katzengerechten Wohnung mit Kratzbaum und Katzenklo wohl. Sie bevorzugen die Gesellschaft eines Katzenkumpels, also sollte man über die Anschaffung von gleich zwei Katzen nachdenken. Katzen schmusen gern und sind daher für Kinder gut geeignet. Sie sind nicht so kostenintensiv wie Hunde

Meerschweinchen, Kaninchen und Hamster

Diese Kleintiere sind keine idealen Begleiter für Kinder, sagt Lea Schmitz:

Meerschweinchen, Kaninchen oder auch Hamster sind oft eine Kompromisslösung, wenn sich die Kinder eigentlich einen Hund oder eine Katze gewünscht haben und die Eltern sagen: Wir fangen mal mit was Kleinerem an.

Nahaufnahme eines Hausmeerschweinchen in seinem Gehege. Kleines, felliges Tier, das an einen Hamster oder eine Maus mit kleinen Ohren erinnert. Umgeben von Holzwänden und Stroh, Umgebung unscharf.
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Problem ist aber: Diese Tiere wollen nicht kuscheln, wie fälschlicherweise immer wieder angenommen wird. Im Gegenteil, verfallen sie in eine Art Schockstarre, wenn sie hochgenommen und herumgetragen werden. Das gilt besonders für Meerschweinchen. Die Kinder verlieren deshalb schnell das Interesse. Hinzu kommt, dass Hamster nachtaktiv sind und erst dann so richtig loslegen, wenn die Kinder schlafen. Die Kleintiere fühlen sich in einem Gehege wohl, wo sie viel Auslauf haben, in den warmen Monaten gern auch im Freien. Deshalb sollte mindestens ein Balkon, besser noch ein Garten vorhanden sein. Auch sind die Tiere sehr gesellig und möchten mindestens zu zweit oder aber in einer kleinen Gruppe leben. Die Kosten für Meerschweinchen und Kaninchen liegen bei etwa 7000 Euro, sagt Lea Schmitz vom Deutschen Tierschutzbund. Aufgrund der kurzen Lebensdauer von Hamstern (zwei bis drei Jahre) gibt man für sie etwa 800 Euro aus.

Vögel

Wer über die Anschaffung eines Vogels nachdenkt, sollte sich im Klaren sein, dass es nicht bei einem Tier bleibt. Vögel brauchen Gesellschaft, mindestens einen Partner. Außerdem brauchen sie große Käfige. Die handelsüblichen sind meist viel zu klein, warnt Tierexpertin Lea Schmitz. Sie empfiehlt zusätzlich mindestens vier Stunden Freiflug in der Wohnung. Das ist eher was für Leute mit robusten Möbeln. Lea Schmitz versichert, dass man die Vögel soweit trainieren kann, dass sie nicht alles anknabbern, dafür kann man ihnen Holz- oder Kork-Spielzeug aus dem Zoofachhandel anbieten. Je nach Art sind Vögel vergleichsweise preiswerte Haustiere.

Fische

Wer glaubt, Fische seien anspruchslos und für jeden als Haustier geeignet, der irrt sich. Fische brauchen Sachkunde, sagt unsere Expertin. Man muss wissen, welche Tiere zusammen ins Aquarium dürfen und wie viele; welche Temperatur und Qualität das Wasser haben muss, welches und wie viel Futter die Fische brauchen und vieles mehr.

"Bei Fischen wird viel falsch gemacht." Und auch die Arbeit, die Fische machen, wird oft unterschätzt, so Lea Schmitz. Wer schon mal ein Aquarium sauber gemacht hat, weiß, dass das mehrere Stunden dauern kann.

Wildtiere

Von Reptilien, Papageien oder exotischen Spinnen als Haustiere rät der Deutsche Tierschutzbund ab. Meist wird der Haltungsaufwand völlig unterschätzt. Hinzu kommt:

Wildtiere sind keine Heimtiere. Sie sind das Leben im Freien gewohnt und können im heimischen Wohn- oder Kinderzimmer kaum artgerecht gehalten werden.

Außerdem muss man bedenken, dass viele exotische Tiere sehr alt werden können. Oft landen Schildkröten, nachdem die Kinder aus dem Haus sind, im Tierheim, weil sich niemand aus der Familie mehr um sie kümmern will, so Lea Schmitz.

Tiere

Vier Katzen (Thea und Kitten)
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Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 14. Oktober 2020 | 10:45 Uhr

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