Haustier-Tracking: Wie verlässlich sind die Geräte?

05.12.2019 | 02:10 Uhr

Haustier-Tracking 1 min
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MDR JUMP Do 05.12.2019 02:10Uhr 01:18 min

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Viele Hundebesitzer lassen Bello und Co. in Wald und Park gerne mal von der Leine. Die meisten Katzen sind von Hause aus Freigänger und somit unkontrollierbar unterwegs. Kein Wunder, dass im Jahr 2018 allein bei der Tierschutzorganisation Tasso rund 68.000 Katzen und rund 38.500 Hunde als vermisst gemeldet wurden. Der Großteil der Tiere kann zwar relativ schnell gefunden werden. Trotzdem landen Jahr für Jahr zehntausende entlaufene Tiere im Heim, während Herrchen und Frauchen Kummer und Sorgen haben.     

Der Sinn des Trackings

Freilaufende Hunde können für Wildtiere, Spaziergänger und den Straßenverkehr eine Gefahr darstellen. Katzen kommen im öffentlichen Raum viel besser zurecht. Allerdings sind sie so neugierig, dass sie in offenen Schuppen, Kellern und Garagen stöbern und dabei versehentlich eingesperrt werden können. Nach spätestens sieben Tagen ohne Wasser und Fressen verhungern die Tiere dann qualvoll. Per Tracking sollen Besitzer ihr Tier schnell wiederfinden.

Sinnvolle Vorarbeit: Tierchip

Tierärztin sucht Chip bei Hauskatze
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Noch bevor über ein Tracking nachgedacht wird, empfiehlt es sich grundsätzlich, jeden Hund und jede Katze, die sich im Freien aufhalten werden, bei Tierarzt chippen zu lassen. Dabei bekommt das Tier einen etwa Reiskorn großen Metallchip per Spritze unter die Haut gesetzt. Der Chip enthält eine 15 stellige, weltweit einmalige Identifikationsnummer. Er wird nur beim Ablesen durch ein Lesegerät aktiviert und lässt dein Haustier eindeutig zuordnen. Für Auslandsreisen in die EU ist so ein Chip Pflicht. Die Kosten betragen bis zu 50 Euro. Alternativ geht auch eine Tätowierung, die für das Tier allerdings wegen einer notwendigen Betäubung belastender ist. Über so einen Chip kann nachgewiesen werden, dass es sich um das eigene Tier handelt, beispielsweise bei gestohlenen oder entlaufenen wertvollen Rassen oder auch, wenn es um Versicherungsstreitigkeiten geht.

GPS-Tracking

Hierbei bekommen Hund und Katze ein Halsband mit einem Funksender inklusive eingebauter SIM-Karte angelegt. Per zugehöriger App kann nun nachverfolgt werden, wo sich das Tier gerade befindet. Je nach Gerät  und Ausstattung können die Bewegung des Tieres in Echtzeit verfolgt werden. Alternativ werden diese Informationen in bestimmten Zeitabständen verschickt. Zusätzlich lassen sich Bewegungsprofile der letzten Stunden, Tage und Wochen anzeigen und sogar der Kalorienverbrauch des Tieres kann daraus annähernd ermittelt werden. Die Nutzer können virtuelle Zäune oder Gebiete definieren und werden informiert, wenn das Tier diese Gebiete überschreitet. Zusätzlich bieten manche Geräte Warntöne, die genau in solchen Momenten am Halsband aktiviert werden. Gut trainierte Tiere sollen so mitbekommen, dass sie sich jetzt zu weit weg wagen. Zumindest theoretisch soll das funktionieren. Sehr viel praktischer sind Töne und LED-Lichter am Halsband, die Besitzer/innen per App aktivieren können. Das hilft bei der Suche in der Nacht.    

Vorteile des GPS-Tracking: Es können alle Funktionen direkt auf dem Handy genutzt und verwaltet werden. Je nach Angebot funktioniert der Sender "nur" in Deutschland und Nachbarländern oder auch weltweit. Du bekommst Daten in Echtzeit.
Nachteile des GPS Tracking: Um zu funktionieren, brauchen die Tracker ein gutes Mobilfunknetz. Im Bergland, im Wald oder auch in tiefen Kellern können die Tracker teilweise nicht geortet werden. Die Geräte sind mit bis zu 50 Gramm relativ schwer, die Akkus haben meist nur eine Laufzeit von zwei bis fünf Tagen.

Die Geräte kosten zwischen 30 und 300 Euro. Für die Funkübertragung muss meist noch ein Abo abgeschlossen werden. Das kostet zusätzlich ab acht Euro im Monat und bis zu 50 Euro im Jahr. Je teurer das Gerät und je länger die Laufzeit, desto günstiger wird es in der Regel.

Peilsender

Alternativ kann ein Tier auch über einen Peilsender geortet werden. Der Sender wird am Halsband deines Tieres befestigt und sendet regelmäßig Radiowellen aus. Das Empfangsgerät bleibt beim Besitzer/der Besitzerin. Per einfacher Funkpeilung wird der Sender nun anvisiert. Bei den meisten Suchgeräten wird per Piepton und LED-Anzeige mitgeteilt, in welcher Richtung sich das Tier bewegt und ob man ihm näher kommt.

Vorteile der Peilsender: Die Geräte sind zum Teil kleiner als eine Streichholzschachtel und mit bis zu acht Gramm inklusive Batterie sehr leicht. Deswegen sind sie für kleine Hunde und Katzen gut geeignet. Die Batterien halten theoretisch und nach Angaben vieler Hersteller bis zu einem Monat und länger. Sie benötigen kein Funknetz und die Peilsender sollen auch in geschlossenen Räumen und durch Wände hinweg besser funktionieren als GPS-Tracker.
Nachteile der Peilsender: Die Reichweite beträgt maximal 500 Meter, oft liegt sie deutlich darunter. Die Suche ist durch fehlende Kartenanzeigen oder genaue Ortsangaben schwierig. Es kann sich lediglich nach stärker oder schwächer werdenden Signalen gerichtet werden.

Die Geräte kosten ab 30 Euro, Zusatzkosten für Abos fallen nicht an. 

Worauf beim Kauf geachtet werden sollte

Hundehalsband
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Robust und wasserdicht sollte der Tracker auf jeden Fall sein und – entsprechend der Gewohnheiten des Tieres - eine ausreichende Reichweite der Signale haben. Je leichter und kompakter das Gerät, desto besser. Gewicht geht aber oft zu Lasten eines ausdauernden Akkus. Geräte mit SOS-Knopf bieten Findern die Möglichkeit, den Halter/die Halterin sofort zu kontaktieren. Beim Druck auf den Knopf bekommt dieser eine SMS mit Koordinaten über den Fundort. Außerdem können bis zu drei gespeicherte Nummern angerufen werden. So kann live gehört werden, was mit dem Tier gerade passiert. Optische und akustische Warnsignale sind ebenfalls sehr sinnvoll. Ganz wichtig ist nach Aussage der Tierschutzorganisation Tasso, dass alle verwendeten Katzen-Halsbänder eine Notlösefunktion haben. Bleibt das Tier zum Beispiel an einem Zaun hängen, kommt es mit einem gewissen Druck frei und kann so nicht ersticken.

Weitere Möglichkeiten, das Tier zu finden

Tierschutzorganisationen, wie beispielsweise der spendenfinanzierte Tasso e.V., bieten die Möglichkeit, Tiere in den dortigen Datenbanken registrieren zu lassen und die zugehörige App für verloren gegangene Tiere zu nutzen. Damit wird die Gemeinschaft von registrierten Hunde- und Katzenbesitzern über vermisste Tiere informiert und kann beim Suchen helfen. Voraussetzung für eine Registrierung in solchen Datenbanken ist das Vorhandensein eines Identifikations-Chips im Tier.     

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 05. Dezember 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Dezember 2019, 02:10 Uhr