Haustiere aus dem Internet - Vorsicht!

Haustiere bereiten meist viel Freude und steigern sogar das Wohlbefinden ihrer Besitzer. Wer will bei so vielen positiven Eigenschaften nicht auch ein kleines Tier zu Hause haben. Im vergangenen Jahr lebten demnach insgesamt 34 Millionen Hunde, Katzen, Kleinsäuger und Ziervögel in Haushalten in Deutschland. Hinzu kamen Zierfische und Terrarientiere. 45 Prozent aller Haushalte besaßen Heimtiere.

Zwei Hundewelpen 1 min
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MDR JUMP Mi 30.09.2020 10:45Uhr 01:15 min

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Einer Umfrage zufolge ist die Katze weiterhin Deutschlands beliebtestes Haustier (14,7 Millionen). An zweiter Stelle folgen 10,1 Millionen Hunde, an Position drei 5,2 Millionen Kleintiere. Entsprechend umfangreich sind deshalb auch die Angebot an Haustieren. Besonders im Internet gibt es unzählige Angebote von lebenden Tieren.

Warum man Tiere nicht im Netz kaufen sollte

Sucht man derzeit beispielsweise auf „eBay Kleinanzeigen“ nach Welpen, bekommt man mehr als zehntausend Anzeigen aufgelistet. Da blicken neben „Welpenkörbchen“ und „Welpenleine“ auch süße Hundebabys in die Kamera. Klar, dass da kein Menschenauge trocken bleibt. Kirsten Schiekiera von der Stiftung Warentest im MDR JUMP-Interview: 

Da läuft ganz viel über den ersten visuellen Eindruck. Da sieht man dann süße „Kuscheltiere“, aber über den Züchter kann man im Netz oft nur sehr wenig erfahren. Da ist die Gefahr groß, an schwarze Schafe zu geraten.

Das Problem: Nur für Experten ist erkennbar, ob das Katzenbaby oder die Hundewelpen von einem liebevollen Züchter stammen oder ob die Tiere von Geschäftemachern angeboten werden, für die Tierwohl und Tierschutz Fremdwörter sind. Immer wieder haben Behörden in der Vergangenheit vor „illegalem Welpenhandel“ gewarnt. Die angebotenen Tiere waren meist krank und verhaltensgestört. Oft werden die Jungtiere zu früh von ihren Müttern getrennt oder bekommen nie die Sonne zu sehen. Dazu fehlt bei unseriösen Anbietern meist ausreichender Platz für die Tiere.

Die Rechtslage beim Haustierkauf im Netz

Da unseriöse Tierhändler oft kranke Tiere anbieten, werden diese oft in Tierheime weitergegeben. Solche Händler zur Lieferung eines gesunden Tieres zu verpflichten, ist meist schwierig. Bedeutet: Das gezahlte Geld ist weg. Oft verschleiern solche Anbieter auch ihre Kontaktinformationen. Schließlich kann jeder mit wenigen Klicks ein Angebot bei einschlägigen Plattformen erstellen. Kirsten Schiekiera von der Stiftung Warentest:

In Deutschland gibt es keine Regelungen, die speziell den Handel mit Tieren im Internet betreffen. Sämtliche Verordnungen beziehen sich auf den Handel allgemein. So gibt es beispielsweise die Tierschutz-Hundeverordnung. Sie regelt etwa, dass Welpen erst nach acht Wochen von ihrer Mutter getrennt werden und dann zu einem neuen Besitzer dürfen.

Trotzdem sind Verbraucher nicht schutzlos. Rechtlich betrachtet gelten Tiere als Sachen. Der Verkäufer haftet für zwei Jahre ab Kauf für alle Mängel an dem Tier. Theoretisch kann man also kranke Tiere beim Verkäufer innerhalb dieser Zeitspanne reklamieren. Und: Käufer haben einen Anspruch auf ein „mangelfreies“ Tier. Bedeutet: Das Tier muss gesund sein. Ist das nicht der Fall, hat der Käufer dem Verkäufer die Möglichkeit zu geben, den Mangel zu beseitigen. Heißt: Kommt das Hundebaby mit Flöhen im Fell zur neuen Familie, kann der Verkäufer das Tier einer Floh-Kur unterziehen.

Worauf beim Tierkauf im Netz achten?

Fakt ist: Professionelle Tierhändler brauchen eine Genehmigung des zuständigen Veterinäramtes. Gut ist auch, wenn die Tierhändler eine Mitgliedschaft im Verband für das deutsche Hundewesen oder im Deutschen Edelkatzenzüchter-Verband besitzen.

Ich würde bevor ich mir ein Tier im Internet aussuche, mindestens ein längeres Gespräch mit dem Anbieter führen. Will der mir das Tier förmlich aufschwatzen, wäre das für mich ein klares Warnsignal. Ein guter Züchter wird sich immer erkundigen, wie es dem Tier in der neuen Familie gehen wird und unter welchen Bedingungen es zukünftig gehalten werden soll.

Kirsten Schiekiera

Aufpassen sollte man auch bei vermeintlichen Schnäppchen. Werden beispielsweise angebliche Rasse-Tiere für wenige hundert Euro angeboten, sollte man lieber vom Kauf Abstand nehmen. Die Gefahr an einen Betrüger zu gelangen, ist einfach zu groß.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 30. September 2020 | 10:45 Uhr

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