Weihnachtsbaum, Adventsdeko und Haustiere – So geht es ohne Unfälle ab

Für unsere Haustiere ist Weihnachten auch eine besondere Zeit. Die Wohnung oder das Haus sehen völlig anders aus als gewohnt, weil mit Kerzen und Lichterketten, mit Räuchermännchen und Weihnachtsbaum dekoriert wurde. Aus der Küche duftet es häufig besonders lecker. Das ist für Katzen, Hunde oder Vögel spannend, aber manchmal auch gefährlich

  

„Der Hund hat die komplette Roulade mit Metallspieß verschluckt“

Der Tierarzt Mirco Stemann arbeitet in Leipzig in der Praxis Fabritius. Zu ihm kommen in der Adventszeit regelmäßig Haustierbesitzer, bei denen es zu Hause „Weihnachtsunfälle“ gab: Mit der Dekoration und häufig mit dem Essen.

Tierarzt Mirco Stemann
Bildrechte: Mirco Stemann/Privat

In den meisten Fällen sind das Haustiere, die was vom Weihnachtsessen stibitzt haben. Von den Plätzchen oder von der Gans und die haben das nicht vertragen. Wir hatten auch schon einen Hund, der in der Weihnachtszeit eine komplette Fleischroulade mit Metallspieß verschluckt hatte. Da mussten wir schnell operieren.

Unser Experte hat ein paar Tipps zusammengestellt, mit denen die Weihnachtszeit für Menschen und Haustiere entspannt und ohne ungeplante Besuche beim Tierarzt verläuft.

Weihnachtsbaum: Besser ohne Lametta und ohne Glaskugeln

Wenn der Baum mit einem stabilen Ständer richtig fest steht, können ihn auch kletternde Katzen oder tobende Hunde nicht gleich umwerfen. Viele Weihnachtsfans setzen auf Ständer mit Wasserbehälter, damit der Baum lange frisch bleibt. Dieser Wasserbehälter lässt sich idealerweise so verschließen, dass Haustiere nicht daraus trinken können. Das kann sonst bei den Tieren zu Durchfall führen.

Am besten verzichtet man auf Baumschmuck, der potenziell gefährlich sein könnte. Dazu zählen unter anderem Glaskugeln, die leicht zersplittern und zu Schnittverletzungen führen können.

Als Alternative gibt es Baumschmuck aus Plastik oder Holz, idealerweise ohne gefährliche Metallhaken. Wer Katzen zu Hause hat, hängt besser kein Lametta an den Baum, rät Tiermediziner Stemann.

Katzen spielen gern mit Lametta. Die Metallstreifen können aber zu schweren lebensbedrohlichen Darmverschlüssen führen.

Das alte und schwere Lametta enthält meist Blei, das zusätzlich zu Vergiftungen führen kann. Haustierbesitzer verzichten besser auch auf Schneesprays, mit denen Weihnachtsbaum oder -strauß ein noch festlicheres Aussehen bekommt. Auch das ist für Haustiere gefährlich, wenn sie an dem Spray lecken.

Nächste Sendung im MDR Fernsehen

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18.05.2022, 19:50 Uhr /
18:00 Uhr in der Mediathek

aus dem Tierheim Leipzig

Weihnachtsdeko: Am besten außer Reichweite der Tiere

Für viele gehören zu einer schönen Adventsdekoration Weihnachtssterne und Mistelzweige dazu. Die können allerdings bei Haustieren zu schwerwiegenden Vergiftungen führen, wenn diese daran herumknabbern. Unser Experte rät daher, diese Pflanzen-Dekoration außerhalb der Reichweite von Tieren anzubringen. Wer Vögel als Haustiere hält, lässt diese in der Adventszeit besser nicht frei in den geschmückten Zimmern fliegen. Den Adventskranz mit brennenden Kerzen oder Räuchermänner stellen Hausbesitzer am besten weit weg von Hund oder Katze auf.

Schon bei kurzen Berührungen mit heißen Oberflächen oder brennenden Kerzen kann es aufgrund des Fells zu starken Verbrennungen kommen. Und scharfe Gegenstände oder auch verschluckbare Kleinteile der Weihnachtsdeko sollten unbedingt außer Reichweite der Tiere aufgestellt werden. Da kann man vieles eins zu eins aus dem Leben mit Kleinkindern ableiten.

Auch blinkende Lichterketten oder andere leuchtende Weihnachtsdekoration sind für viele Haustiere sehr verführerisch und eben auch gefährlich.

Da besteht die Gefahr, dass sich Tiere mit den Ketten strangulieren. Und sie könnten einen Stromschlag bekommen, wenn sie dran knabbern.

Leben Kaninchen, Katzen oder Hunde mit im Haushalt, wird die leuchtende Dekoration daher besser für sie unzugänglich angebracht. Unser Experte rät, Lichterketten besser ganz vom Stromnetz zu trennen, wenn Haustiere unbeaufsichtigt in Haus oder Wohnung unterwegs sind.

Bescherung: Geschenkverpackungen danach gleich wegräumen

Ein kleines Mädchen spielt mit einem Welpen währen sie auf dem Boden neben dem Weihnachtsbaum sitzen
Bildrechte: IMAGO / Westend61

Wenn an Heiligabend mit der Familie die vielen Geschenke ausgepackt werden, sind meist auch die Haustiere dabei. Die gehören dazu und wenn alle mit aufpassen, sind auch Schleifen oder Geschenkbänder für sie keine Gefahr.

Haustierbesitzer können aber nach der Bescherung, wenn alle im Bett sind, Geschenkverpackungen, Schleifen und alle Kleinteile wegräumen. Außer Reichweite der Tiere. Das ist sicherer.

Sonst könnten sich Katzen oder Hunde mit den Schleifen strangulieren. Werden Überreste der Bescherung verschluckt, kann das zu einem gefährlichen Darmverschluss bei den Tieren führen.

Weihnachtsessen: Was für Menschen lecker ist, kann Tieren Probleme bereiten

Zartbitter-Schokolade enthält Theobromin, das bei Hunden und Katzen zu Vergiftungen und Herzproblemen führen kann. Nüsse in Plätzchen lösen bei Haustieren häufig Allergien aus. Rosinen wiederum enthalten viel Oxalsäure, die zu starken Blähungen und Krämpfen in Magen und Darm von Haustieren führen kann. Das Fleisch der Weihnachtsgans ist oft stark gewürzt. Die Knochen können splittern und so den Verdauungstrakt der Tiere lebensgefährlich verletzen. Mirco Stemann rät daher ganz davon ab, Haustieren etwas von den Weihnachtsleckereien der Menschen abzugeben.

Wenn das Tier was stibitzt, eine runtergefallene Rosine zum Beispiel oder wenn sich der ausgewachsene Schäferhund den Kopf vom Vollmilchschokoladen-Nikolaus holt, da muss man nicht gleich in Panik geraten. Da reicht es aus, das Haustier danach zu beobachten.

Bei Tieren mit Vorerkrankungen oder wenig Körpergewicht, beispielsweise Katzen, kleinen Hunden, Welpen sollten Haustierbesitzer generell etwas vorsichtiger sein.

Schnelle Hilfe für Haustiere über die Feiertage

Die meisten Städte und Regionen haben einen organisierten Notdienst für die Zeiten, in denen Tierarztpraxen geschlossen sind. In Thüringen gibt es die zentrale Notrufnummer 0361 - 644 788 08, über die Haustierbesitzer den nächsten diensthabenden Tierarzt erfragen können.

Diese zentrale Notrufnummer haben wir in Sachsen und Sachsen-Anhalt leider nicht. Aber wenn man nach dem ‚diensthabenden Tierarzt‘ im Internet sucht, findet man den schnell.

Die Tierkliniken in unserer Region bieten zudem einen 24-Stunden-Notdienst an. Die Kontakte zu den Klinken hat das Hundeinfoportal für alle Bundesländer zusammengestellt

Bei den Tierkliniken sollte man sein Tier wirklich nur bei lebensbedrohlichen Notfällen vorstellen. Die sind gerade in der Weihnachtszeit zu stark überlastet und können sich dann nicht Fälle wie Erbrechen und Durchfall kümmern.

Alle wichtigen Schritte bei Haustier-Notfällen sind in einem Flyer der Bundestierärztekammer zusammengefasst.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 15. Dezember 2021 | 11:45 Uhr

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