Krankgeschrieben – Was wird mit dem Haustier?

Der Halter ist krank und das Haustier wird zur Belastung. Wer zu dieser Einsicht kommt, für den ist es viel zu spät, zu rätseln, was mit Hund, Katze und Co. nun werden soll. Kluge Planung und vor allem tierfreundliche Lösungen sind gefragt.

Frühzeitige Planung ist wichtig

Es klingt so gut: Haustierkauf ist Herzenssache. Ja, aber eben nicht nur eine Frage der Emotionen. Vielmehr ist Weitblick gefragt, rät auch Hester Pommerening vom Deutschen Tierschutzbund e.V.: „Schon bevor Sie sich ein Haustier zulegen, sollten Sie überlegen, ob Sie mit der Betreuung alleine zurechtkommen, wer im Krankheitsfall oder Urlaub für Sie einspringt.“ Und das sind bei weitem nicht die einzigen Gedanken, die man sich vor der Anschaffung eines Haustieres machen sollte. Wie alt wird das Tier, welche besondere Betreuung braucht es, wieviel Zeit muss ich am Tag für Pflege und Unterhaltung einplanen?

Hier findest du Unterstützung

Wer mit solchen Fragen überfordert ist, findet Hilfe beim Profi. „Ihr erster Gang sollte ins Tierheim führen. Dort kennen sich die Mitarbeiter mit den Tieren aus und sie wissen auch um die Eigenheiten ihrer Schützlinge. Sie können am besten einschätzen, ob Hund oder Katze zu Ihnen passen, zum Beispiel auch charakterlich“, so unsere Expertin.

Nächste Sendung im MDR Fernsehen

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19.01.2022, 19:50 Uhr /
18:00 Uhr in der Mediathek

aus dem Tierheim Crimmitschau

Wer springt für dich ein – und kann er sich genauso gut kümmern?

Noch vor der Anschaffung des Haustieres ist es wichtig, zu klären, wer im Krankheitsfall für dich einspringen könnte. Sind Nachbarn, Freunde oder die Familie bereit? Und sind sie es im Notfall auch für mehrere Wochen? Kommt die Notbetreuung auch mit deinem Tier zurecht und kann sich artgerecht kümmern? Nicht jeder kann in Sachen Kraft und Ausdauer mit einem großen Hund mithalten.

An die heimische Pinnwand -Notfallbetreuungsliste

Es kann zum Beispiel durch einen Unfall mal ganz schnell gehen. Und du selbst bist erstmal nicht in der Lage zu agieren. Für diesen Fall solltest du Ansprechpartner, Adressen und Telefonnummern der Ersatzbetreuer auf einer gut sichtbaren Notfallliste genauso hinterlegen, wie die Bedürfnisse deines Tieres in Sachen Futter, Medizin und Bewegung.

Du bist in Quarantäne – und darfst nicht raus!

Es sind zwei völlig verschiedene Paar Schuhe: Bei einer Ausgangssperre ist es in der Regel erlaubt, den Hund auszuführen. Das ist in der Tierschutz-Hundeverordnung sogar gesetzlich festgelegt. Bist du aber in Quarantäne, darfst du nicht raus. Auch für diesen Fall brauchst du eine vertrauensvolle Person, die sich um das Gassi gehen kümmert.

Wer kümmert sich kurzfristig

Eine staatliche Stelle gibt es nicht. Können auch Nachbarn, Freunde oder Verwandte nicht einspringen, helfen Tierrettung und Tierschutzvereine. Dazu Hester Pommerening: „Es ist sinnvoll, die Telefonnummern immer parat zu haben und sich im Vorfeld schon mal im nächsten Tierheim umzuschauen.“ Eine Tierpension ist auch eine gute Möglichkeit. Das kann aber ordentlich kosten und du solltest genau hinschauen. „Haben die Tiere genug Platz, gehen die Pensionsbetreiber auf die individuellen Bedürfnisse Ihres Tieres ein? Fragen sie gleich zu Beginn danach, ob das Tier geimpft, entwurmt und gechipt ist“, beschreibt die Expertin einige Kriterien, an denen du eine gute Pension erkennst.

Achtung Pensionsvertrag- Sonderklausel

Manche Tierpensionen haben in Ihren Verträgen Klauseln, die tatsächlich zum Besitzerwechsel führen können: Wird das Tier nicht wie vereinbart abgeholt, geht es nach einer gewissen Zeit in den Besitz der Pension über.

Damit verhindern die Pensionen, dass Tiere viel zu spät abgeholt werden oder nicht bezahlt wird. „Das ist durchaus ein gewisser Schutz für die Pension. Holt jemand sein Tier nicht ab, muss es ja weiter gepflegt, gefüttert und vielleicht sogar medizinisch behandelt werden“, erklärt unsere Expertin. Wichtig deshalb: Lies die Verträge genau durch und besprich mit den Pensionsbetreibern Verlängerungsoptionen, beispielsweise, wenn Du eine komplizierte Operation vor dir hast, zur Reha oder Kur musst.

Wer kümmert sich langfristig

Wenn aus Altersgründen oder zum Beispiel wegen einer neuen Wohnung usw. absehbar ist, dass du dich nicht mehr um dein Tier kümmern kannst, solltest du langfristig planen. Vielleicht gibt es in deinem Umfeld jemanden, der das Tier gerne übernimmt. Gemeinsam könnt Ihr den Übergang langsam vorbereiten, zusammen Füttern, Spielen, Gassi gehen. Wer ins Altersheim geht, kann anfragen, ob dort Tiere erlaubt sind. Immer mehr Heime bieten solche Möglichkeiten an.

Ganz wichtig – wie geht es eigentlich dem Tier dabei?

Das ist eine wirklich entscheidende Frage. Denn: Jeder Ortswechsel oder jede Umgewöhnung an eine neue Bezugsperson bedeutet Stress für ein Tier. Dabei muss man laut unserer Expertin auf die speziellen Eigenheiten des Tieres Rücksicht nehmen: „Katzen sind eher an den Ort gebunden und leiden unter ständigen Umzügen. Hunden hingegen ist der Ort nicht so wichtig, sie brauchen aber eine feste Bezugsperson.“ Kannst du also dein Tier aus Krankheitsgründen vorübergehend nicht betreuen, sind bekannte und vertraute Ersatzorte- und personen wichtig für das Wohlbefinden.

Tiervorsorge und Tierabsicherung – genau hinschauen

Es gibt einige Organisationen, die sich im Falle eines Falles um dein Tier kümmern. Bei solchen Tiervorsorgen solltest du aber genau hinschauen: Oft muss im Vorfeld gezahlt oder gespendet werden. Die Kosten können immens sein. Im Ernstfall ist nicht garantiert, dass dein Tier auch wirklich gut betreut wird.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 01. Dezember 2021 | 11:45 Uhr

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