Wenn das Haustier abgegeben werden muss: Wie verhalte ich mich richtig?

Mehr als fünf Millionen Haushalte in Deutschland haben sich nach einer aktuellen Umfrage während der Corona-Pandemie ein Tier zugelegt. Tierschützer und Betreiber von Tierheimen befürchten aber, dass viele Katzen und Hunde schon bald wieder ihr Zuhause verlieren. Mit dem neuen Haustier sind manche überlastet oder können sich nach dem Ende des Homeoffice nicht mehr genug um ihr Tier kümmern. Auch Allergien können manchmal eine Trennung nötig machen.

Gibt es noch einen Weg?

Noch ist die von Tierschützern befürchtete Abgabewelle vorschnell angeschaffter Katzen und Hunden nicht da. Vereinzelt müssen aber schon Tierheime einen Aufnahme-Stop verhängen, auch weil sie zu viele während Corona gekaufter Haustiere aufnehmen müssen. Lea Schmitz vom Deutschen Tierschutzbund rät, vor einer (für beide Seiten schmerzhaften) Trennung immer erstmal nach Hilfe und Unterstützung im eigenen Umfeld zu suchen:

Lea Schmitz
Bildrechte: © Deutscher Tierschutzbund e.V.

Man hat sich ja für das Tier entschieden und ist damit auch in der Verantwortung. Und die kann man auch nicht so leicht wegschieben und sollte dann auch erstmal alles in Bewegung setzen.

Dazu gehöre, bei Freunden, Bekannten oder Nachbarn nachzufragen, ob diese für eine bestimmte Zeit das Tier übernehmen können.

Es gibt ja auch Menschen, die sich einen Hund wünschen und aber selbst keinen halten dürfen. Die sind dann vielleicht bereit, regelmäßig Gassi zu gehen.

Auch die Nachfrage beim Arbeitgeber kann zumindest Hundehaltern manchmal etwas Entlastung bringen. Der Deutsche Tierschutzbund wirbt für einen oder zwei „Bring-deinen-Hund-Tage“ pro Woche, weil diese die Tierhaltung extrem vereinfachen.

Gerade wenn man im Büro arbeitet, ist es mit Hunden oft unkompliziert. Zumindest wenn das Tier sich gut mit Menschen verträgt und nicht Leute attackiert oder den ganzen Tag bellt.

Eine dritte Entlastungsvariante für überforderte Haustierbesitzer können Hunde- und Katzensitter oder auch Tierpensionen sein. Dieser Weg kostet aber. Je nach Region und Haustier kosten Tiersitter um zehn Euro die Stunde aufwärts. Pro Tag in der Tierpension werden acht Euro aufwärts fällig. Das Ganze ist aus Sicht von Lea Schmitz auch keine dauerhafte Lösung. Sie rät, das eigene Haustier maximal ein bis zwei Tage pro Woche beim Tiersitter oder der -pension abzugeben.

Nächste Sendung im MDR Fernsehen

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08.12.2021, 19:50 Uhr /
18:00 Uhr in der Mediathek

aus dem Tierheim Freital

Ein Tier auszusetzen ist kein Kavaliersdelikt!

…und wird deshalb mit bis zu 25.000 Euro Geldstrafe geahndet, wenn Halter etwa über einen Tierchip oder andere Wege gefunden werden können. Leidet oder stirbt ein ausgesetztes Haustier, können die Besitzer mit bis zu drei Jahren Gefängnis bestraft werden.

So viel Verantwortungsbewusstsein sollte man auch haben und versuchen, für das Tier einen guten Platz zu finden.

Lea Schmitz rät, möglichst nach Unterbringungsmöglichkeiten in der Nähe des eigenen Wohnorts zu suchen. So könnten Tierbesitzer mit darauf einwirken, dass ihr Haustier ein möglichst gutes neues Zuhause für einen möglichst langen Zeitraum bekommt.

Die eBay-Kleinanzeigen dagegen sind deutschlandweit zu sehen. Wenn da jemand kommt und den Hund holt, weiß ich nicht: Wo kommt das Tier hin und wird das dann dort wie so ein Wanderpokal immer weitergegeben?

Ideal für Katze, Hund oder auch ein anderes Haustier wäre aus Sicht von Lea Schmitz, wenn ein Mensch aus dem näheren Umfeld das Tier übernimmt. Das kann ein Nachbar, Freund, ein Arbeitskollege oder ein guter Bekannter sein, der im besten Fall das Tier auch schon kennt und auch dem Haustier schon bekannt ist. Bei der Suche nach einem neuen „Herrchen“ oder „Frauchen“ können Aushänge in der Nachbarschaft und auch eine Anfrage beim Tierheim vor Ort oder in der Region helfen.

Oft gibt es die Möglichkeit, dass Tierheime erstmal nur eine vermittelnde Rolle einnehmen. Dass sie auf der Internetseite oder in den Social-Media-Kanälen die Tiere vorstellen, die vermittelt werden sollen. Dann bleibt das Tier erstmal beim Halter und muss noch nicht ins Tierheim.

Sigrid Frotscher vom Tierschutz Halle e.V., der mit Ehrenamtlichen ein Tierheim betreibt, sagt:

Das Tierheim soll bitte immer erst der letzte Weg, die letzte Option sein. Denn dann müssen sich die Tiere erst ans Tierheim und dann wieder an ein neues Zuhause gewöhnen. Um das zu vermeiden, bieten wir Privatvermittlungen an.

Sie sammle zum Beispiel Kontakte von Menschen, die Interesse an einem Hund haben.

Die kommen auf eine Warteliste. Und wenn eine Anfrage kommt, bringe ich sie zusammen, wenn es zu passen scheint.

Der Verein unterstützt die neuen Hundehalter in den ersten Wochen dann auch, damit das Zusammenleben möglichst entspannt klappt.

Was tun, wenn das Tierheim schon voll ist?

Auch wenn das Haustierbesitzer erfahrungsgemäß immer mal wieder von Tierheimen einfordern: Diese sind nicht verpflichtet, „Abgabetiere“ aufzunehmen. Lea Schmitz sagt:

Die Tierheime sind in der Regel in Trägerschaft auch von gemeinnützigen Vereinen. Die haben in der Regel Verträge mit den Kommunen, dass sie Fundtiere aufnehmen. Aber eben keine Abgabetiere. Wenn ich als Halter mein Tier loswerden will und das Tierheim ist voll, kann ich im Grunde nicht viel machen.

Oft könnten die Tierheime Halter aber andere Heim verweisen oder Vereine mit Pflegestellen. Hier würden Haustierbesitzer also nicht alleingelassen. Sigrid Frotscher ergänzt:

Wenn die Tierheime in der Nähe das Tier nicht mehr aufnehmen, sollte man gebietsübergreifend suchen. Es gibt Heime, die auch überregional Tiere aufnehmen. Danach kann man gezielt suchen.

Neuen Besitzer „beschnuppern“

Wer seinem Haustier die Trennung leichter machen will, kann Hund oder Katze an den neuen Besitzer gewöhnen. Ein paar Mal gemeinsam treffen oder Gassi gehen helfen meist schon. Das Tier kommt so nicht in eine komplett fremde, neue Umgebung, sagt Lea Schmitz.

Man kann dem Tier auch gewohnte Dinge mitgeben. Das Körbchen oder die Decke und alles, was man an Zubehör hat. So findet das Tier vertraute Gegenstände auch im neuen Zuhause wieder.

Unsere Expertin rät zu einem klaren Schnitt nach der „Übergabe“ und dazu, Hund, Katze oder andere Haustiere danach nicht mehr zu besuchen. Wenn das Tier den gewohnten, früheren Besitzer immer wieder sieht, könnte das den Aufbau der Bindung an den neuen Besitzer zumindest erschweren. Wer wissen will, wie es seinem Liebling geht, kann auch anrufen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 25. August 2021 | 11:45 Uhr

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