Der Speicher von Handy oder Computer ist voll: Was bringt schnell wieder Platz?

Es scheint völlig egal, wie groß der Speicher vom neuen Handy oder Computer ist. Irgendwann ist der fast voll, alles läuft extrem langsam und es können keine neuen Apps installiert werden. Dann muss aufgeräumt und gelöscht werden. Wir erklären, wie du das am besten machst.

Warum sind auch große Handyspeicher so schnell voll?

Da kommen gleich mehrere Dinge zusammen. Zum einen kann vom Handyspeicher gar nicht so viel genutzt werden, wie auf der Verpackung angegeben. Timo Brauer vom Technik-Magazin inside digital sagt:

Timo Brauer, Technik-Magazin inside digital
Bildrechte: inside digital

Das Betriebssystem und die vorab installierten Apps brauchen Platz. Dann fallen bei einem Handy mit 64 GB dann mal schnell sieben bis acht Gigabyte weg.

Zudem laden die Anbieter der Apps viele Daten auf dem Smartphone ab. Die werden als „temporär“ bezeichnet und sind nicht unbedingt nötig, damit die App läuft. Programme wie der Facebook-Messenger beispielsweise speichern alte Nachrichten-Verläufe mit Fotos und Videos im Cache. Bei Streamingdiensten werden die Daten von Musikstücken abgelegt, die oft gehört werden. Das soll Datenvolumen und Akku sparen. Dazu kommt dann noch alles das, was man selbst in den Speicher packt: Alle Fotos und Videos, die man über WhatsApp, Signal und Co. geschickt bekommt, eigene Fotos und da auch oft gleich mehrere von einem Motiv aus verschiedenen Blickwinkeln, Serien und Filme von Neflix oder Prime und heruntergeladene Alben oder Playlists bei den Musik-Streamingdiensten.

Die schnelle Aufräumvariante: Den Cache löschen

Sportler in warmer Kleidung, der im Winter ein Foto auf dem Handy auf einem Bergrücken unter bewölktem blauem Himmel macht
Bildrechte: IMAGO / Addictive Stock / Julio Rodriguez

Viele Handynutzer kennen den Weg schon, über den bei knappem Speicher schnell Platz frei wird: Sie lassen sich in den Einstellungen des Smartphones die Apps anzeigen und „leeren den Cache“. Damit werden die temporären Dateien gelöscht. Wer das bei einer Handvoll Programme nacheinander macht, hat schnell wieder ein paar Gigabyte frei. Das reicht meist, bis man wieder Zeit für größere Aufräumarbeiten wie das Löschen von unscharfen oder doppelt gemachten Fotos hat.

Wenn man den Cache löscht, geht auch nichts verloren. Da kann es höchstens sein, dass man mehr Datenvolumen braucht, wenn man seine Lieblingsplaylist im Streamingdienst anhört.

Bei manchen Smartphones lässt sich das „Cache leeren“ sogar ganz praktisch automatisieren.

Xiaomi zum Beispiel hat eine App vorinstalliert, die auf dem Homescreen liegt und die kann man dafür starten. Und die löscht den Papierkorb und den Cache von einigen Apps.

Um zu verhindern, dass App-Anbieter zu viel Speicher mit ihren Daten belegen, lässt sich die Größe der Caches auch begrenzen. Das geht aber nicht bei allen Anbieter der Apps. Von automatischen „Speicher-Cleanern“ aus dem Google-Playstore rät unser Experte grundsätzlich ab.

Da gebe ich den Anbietern dieser Tools Zugriff auf die eigenen Daten. Und ich weiß nicht, was die mit den Daten anstellen können.

Timo Brauer würde daher bei den Möglichkeiten bleiben, die Handyanbieter ab Werk bieten.

Platz schaffen auf dem iPhone

Anders als Google bei Android bietet Apple Nutzern keine Möglichkeit, in den Einstellungen den Cache zu leeren.

Einige App-Entwickler haben dann aber die Möglichkeit dazu in die eigene App eingebaut. Viele Apps kann man einfach starten und dann von dort aus den Cache leeren.

Abgesehen davon bleiben iPhone-Nutzern die gleichen Möglichkeiten wie bei Android auch, den Speicher wenigstens wieder etwas zu leer zu bekommen.

Man könnte noch schauen, welche Apps Daten auf dem Smartphone abgelegt haben. Etwa die Playlists und Alben bei Streamingdiensten. Die kann ich löschen. Und Videodienste wie Netflix und Co. bieten ja die Möglichkeit, automatisch neue Folgen einer Serie aufs Handy zu laden. Das könnte man abschalten.

Zusätzlich können noch sehr selten oder gar nicht genutzte Apps vom Handy gelöscht werden. Viele Smartphones zeigen dafür an, wann eine App zuletzt genutzt wurde. 

Zurücksetzen auf Werkseinstellungen: Viel Aufwand, wenig Effekt

Kurz nach dem Kauf hatte das Handy noch immens viel Speicherplatz. Der müsste aus Laiensicht doch auch wieder vorhanden sein, wenn das Smartphone auf Werkseinstellungen zurückgesetzt wird. In der Praxis bringt diese zeitaufwendige Arbeit aber meist nicht so viel, sagt unser Experte.

Ich mache dafür ein Backup von meinen Daten und spiele die wieder zurück. Und damit übernehme ich auch alle überflüssigen Daten wieder mit.

Eine schnellere, weniger aufwendige Methode sei, besonders speicherfüllende Apps einmal zu deinstallieren und dann wieder aufs Handy zu packen. Das ist vor allem sinnvoll, wenn die App keine Möglichkeit bietet, den Cache zu leeren. Die wird dann vereinfacht gesagt immer „größer“.

Speicherkarte kaufen oder gleich auf mehr Speicherplatz setzen?

Memory card und sim card in einem Smartphone
Bildrechte: IMAGO / agefotostock / Fotosearch LBRF

Manche Smartphones bieten die Möglichkeit, den ab Werk verbauten Speicher mit einer Micro-SD-Karte günstig zu erweitern. Auf die können dann zumindest die Fotos und Videos ausgelagert werden, die selbst mit dem Handy gemacht wurden.

Das Problem bei Streamingdiensten ist meist, dass deren Daten meist nicht auf die Karte gespeichert werden können. Und auch Apps würde ich nicht dort ablegen. Weil die von den Schreib- und Lesegeschwindigkeiten langsamer ist als der interne Speicher im Handy.

Die Leistungseinbußen seien spürbar. Leider streichen zunehmend mehr Smartphone-Anbieter den zusätzlichen Kartenslot. Dann bleibt nur, schon beim Kauf auf einen angemessen großen Speicher zu setzen. Timo Brauer liefert dafür eine Orientierung:

Wer immer viele Apps auf dem Smartphone hat und viele Fotos macht, sollte zu einem Modell mit 128 GB greifen. Wer viel filmt, braucht eher schon 256 GB.

Alles unter 64 GB würde unser Experte nur Nutzern empfehlen, die ihr Smartphone wirklich wenig nutzen.

Was hilft schnell, wenn der Speicher vom Computer voll ist?

Auch da hat der Nutzer nur teilweise Schuld, wenn sich Festplatte oder der SSD-Speicher zügig füllen.

Da sind dann oft Reste von Updates, die im Speicher zurückbleiben. Wenn ich zum Beispiel von Windows 10 auf Windows 11 upgrade, bleibt ein großer Teil auf der Festplatte liegen. Von den Windows 10-Dateien, falls ich zurückwechseln will.

Wer den Speicher von solchem Datenmüll befreien will, kann auf kostenlos erhältliche Programm wie CCleaner oder PrivaZer setzen.

Beim CCleaner sollte man sich aber schon auskennen, was man da macht. Da kann man viel löschen, aber auch Sachen kaputtmachen. Da kann man Cache-Dateien löschen, aber auch Einträge in der Windows-Registry. Und da sollte man sich auskennen, was geht und lieber weniger löschen als zu viel.

Ungefährlich ist der manuelle Weg, den unser Experte hier für Windows-Rechner empfiehlt:

Im Windows-Explorer auf die Systemfestplatte oder auch C:-Festplatte gehen. Und dann kann man mit einem Rechtsklick auf Eigenschaften gehen. Dann gibt’s einen Button mit Bereinigen und dann listet Windows ein paar Sachen auf, die gelöscht werden können.

Dazu zählen temporäre Dateien vom Internetbrowser oder Miniaturansichten für Bilder im Windows-Explorer. Damit lassen sich schnell bis zu fünf Gigabyte freigeben.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 28. Januar 2022 | 11:45 Uhr

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