Handydisplay zerstört – Wie kann man die Daten retten?

12.03.2020 | 02:10 Uhr

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MDR JUMP Do 12.03.2020 02:10Uhr 01:05 min

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Ein kaputter Bildschirm ist der Ernstfall für Smartphone-Besitzer: Mit ein paar Tricks bekommt man trotzdem persönliche Daten vom Handy. Für wenige Euro gibt es zudem Schutzschichten, die den Bildschirm deutlich widerstandsfähiger machen.

Besitzer von iPhones sorgen besser für Ernstfall vor

Bei Apple-Smartphones kommen Nutzer einfach an private Daten: Das iPhone mit dem kaputten Bildschirm wird via USB-Kabel mit dem Computer verbunden. Das klappt allerdings nur, wenn das Handy vorher schon einmal an den privaten PC oder das MacBook angeschlossen wurde. Der Rechner erkennt das Gerät später wieder. Blasius Kawalkowski von inside digital sagt:

Wenn man ein iPhone dagegen das erste Mal an einen Rechner anschließt, wird man gefragt, ob das Gerät vertrauenswürdig ist. Das kann man nur über das iPhone-Display bestätigen und das geht bei einem kaputten Display nicht mehr.

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Klappt die Verbindung, können Nutzer über die Apple-Software iTunes ein Backup vom Gerät mit dem kaputten Display machen. Alternativ können iPhone-Besitzer über die iCloud ihre Daten retten. Der Online-Dienst muss aber für das Gerät schon vor dem Ernstfall eingerichtet sein. Nachträglich klappt das nicht mehr. Mit der iCloud-Aktivierung werden persönliche Daten wie Kontakte, Bilder oder Nachrichten regelmäßig im Hintergrund mit einem virtuellen Speicher ausgetauscht. Von dort können iCloud-Nutzer ihre online gespeicherten Daten auf den Rechner oder ein neues iPhone laden. Wer auf den Online-Dienst verzichtet oder das iPhone nicht mindestens einmal mit dem privaten Computer verbunden hat, kann nur auf Profihilfe setzen. Blasius Kawalkowski sagt:

Dann sollten sie dem Reparaturdienst aber sicherheitshalber sagen, dass der keine Daten löscht und auch kein Firmwareupdate machen soll.

Eine Übersicht über die Profihelfer bietet die Seite Clickrepair. Je nach Dienstleister und Aufwand kann die Profihilfe zwischen 50 und 200 Euro kosten. Alternativ gibt es noch Apps wie "Phone Rescue", "Fondedog" oder "dr.fone", mit denen sich die Daten retten lassen. Die Programme werden auf den Rechner geladen, der mit dem iPhone verbunden wird. Für manche Dienste können aber Kosten fällig werden. "dr.fone" etwa ruft etwas über 30 Euro für das Datenretten auf.

Mehrere Rettungswege bei Android-Smartphones

Ist das Display eines Android-Smartphones völlig kaputt, können Nutzer mehrere Wege versuchen. Manche funktionieren nur für einen bestimmten Typ privater Daten. Viele Smartphones kommen inzwischen mit einer Micro-SD-Karte als Speichererweiterung. Der Zusatzspeicher kann über ein Kartenlesegerät am PC ausgelesen werden.

Dann muss aber der Kamera am Smartphone vorab gesagt haben, dass sie alle Bilder und Videos auf der Karte ablegt.

Auch bei Android-Geräten können manche Daten über den Onlinedienst gerettet werden: Für das Google-Konto muss sich jeder Nutzer mindestens einmal für das erste Android-Handy anmelden. Auf nachfolgenden Handys kann das weiter genutzt werden.

Auf dem Konto sind alle Kontakte oder E-Mails hinterlegt. Sobald man ein neues Smartphone mit diesem alten Google-Konto verbindet, hat man diese Daten auch auf dem neuen Handy.

Alternativ klappt das Ganze auch über den normalen Internetbrowser am Computer, über den man mit Login und Passwort auch auf das Google-Konto zugreifen kann. Android-Smartphones lassen sich zudem über das USB-Kabel an den Rechner anschließen: Allerdings können Nutzer erst dann auf Daten auf dem Handy zugreifen, wenn sie das Display entsperrt haben. Selbst wenn kein Sperrbildschirm eingerichtet ist, gibt es immer noch ein Hindernis. Das Smartphone muss über das Display als USB-Gerät beim Computer angemeldet werden. Entsperren und Auswählen geht bei kaputten Geräten nicht.

Bei manchen Herstellern wie Samsung kann man dann über die mitgelieferte Handy-Software für den Computer gehen. Die heißt bei Samsung Kies und darüber kann man das Smartphone vom Computer aus entsperren.

Funktioniert dieser Weg nicht, helfen so genannte OTG-Adapter für wenige Euro aus dem Zubehörhandel weiter.

Diese OTG-Adapter steckt man in den Micro-USB-Eingang vom Smartphone und dann kann man eine Maus oder eine Tastatur anschließen.

Darüber kann dann blind die PIN eingegeben werden oder der Menüpunkt USB-Gerät ausgewählt werden.

Auch Schutzschichten sichern Bildschirm nicht perfekt

Online, in Supermärkten oder in Handyläden gibt es Displayschutz, den auch Laien aufbringen können. Mindestens zehn Euro kostet so genanntes "Panzerglas". Das ist eine dünne Folie aus Glas, die man einfach auf dem Display leicht andrückt. Für fünf Euro aufwärts gibt es Plastikfolien, die einfach auf das gereinigte Display aufgeklebt werden. Um die fünf Euro schließlich kostet flüssiger Displayschutz mit Nanopartikeln, der auf den Bildschirm aufgetragen wird. Alle drei Schutzschichten haben eins gemeinsam: Sie sichern ein Display nicht zu hundert Prozent komplett gegen Stöße. Sie reduzieren aber die Wahrscheinlichkeit, dass ein Display bei einem Sturz zersplittert. Den besten Schutz bietet im Vergleich der drei Varianten noch das Panzerglas. Das ist dick genug, um auch Stöße etwas abzufedern. Allerdings sieht die Schutzschicht etwas weniger schön aus als die Plastikfolien und die Nanopartikel-Schicht. Das Auftragen des Schutzes ist etwas fummelig aber mit Geduld machbar. Wolfgang Pauler von CHIP sagt:

Man muss halt drauf achten, dass das Display vorm Anbringen des Schutzes super sauber ist. Staubkörner, Fingerabdrücke oder Luftblasen unter dem Schutz sehen sonst unschön aus.

Immerhin lassen sich etwaige Lufteinschlüsse beim Auftragen bei den Folien auch nachträglich noch rausstreichen. Beim flüssigen Displayschutz müssen Handybesitzer etwas Geduld haben. Die Flüssigkeit muss nach dem Aufbringen noch zwölf Stunden aushärten. Alle Schutzschichten lassen sich bei Fehlern auch leicht wieder entfernen. Das Display wird davon nicht beschädigt. Aus Sicht unserer Experten lohnt sich für Smartphones noch ein zusätzlicher Kantenschutz aus Silikon. Solche sogenannten Bumper gibt es ab zehn, zwölf Euro. In rund fünfzig Prozent der Fälle landet ein Smartphone beim Runterfallen auf der Kante. Über diese kleine Fläche wird dann viel Kraft ins Display eingeleitet. Das springt dann entsprechend schnell.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 12. März 2020 | 10:45 Uhr

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