Woran erkennt man gutes Kinderspielzeug?

Das Gerücht, in China produziertes Spielzeug sei minderwertig, hält sich hartnäckig. Eltern greifen deshalb gern zu deutschen Produkten. Aber kann man den traditionellen Marken trauen? Und woran erkennt man eigentlich gutes Spielzeug?

Spielzeug 1 min
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MDR JUMP Do 17.12.2020 10:45Uhr 01:13 min

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Jedes Jahr zu Weihnachten geben Eltern in Deutschland deutlich über 100 Euro pro Kind für Geschenke aus. Hinzu kommen die Gaben von Oma, Opa und allen anderen Verwandten. Spiele und Spielzeug stehen gerade bei den Kleinen ganz oben auf dem Wunschzettel. Und weil sich hartnäckig das Gerücht hält, dass Spielzeug, welches in China billig produziert wird, nichts wert sei, greifen Eltern und Großeltern vermehrt zu vertrauten Produkten aus deutscher Produktion. Nur wie sehr kann man diesen traditionellen Marken und den Klassikern im Spielzeugbereich wirklich trauen? Woran ist gutes Spielzeug zu erkennen und wovon lässt man besser die Finger?

Spielzeug ist international

Teddy Bären
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Regelmäßig zu Weihnachten prüft Ökotest Spielsachen. Die Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen Sachsen prüft das ganze Jahr. Mal abgesehen von den verwendeten guten oder schlechten Materialien steht bei beiden Organisationen immer wieder in der Kritik, dass es dem Verbraucher oft schwer gemacht wird, zu erkennen, woher ein Spielzeug wirklich kommt. Da kann der Steiff-Teddy schon mal aus Tunesien kommen, die Lego-Box aus Ungarn und die klassische deutsche Käthe Kruse Puppe verrät erst über die Entschlüsselung einer Seriennummer, dass sie in Lettland gefertigt wurde. Auf der Verpackung steht zwar Printed in Germany, das bedeutet aber eben noch lange nicht Made in Germany. Im Wirrwarr der Hersteller gibt es vielleicht nur eine wirklich verlässliche Aussage: Der Großteil aller bei uns verkauften Spielzeuge wird in China hergestellt. Das müsse laut Landesuntersuchungsanstalt aber nicht unbedingt etwas Negatives sein. Viele deutsche Hersteller sorgten dafür, dass ihre Qualitätsstandards auch in China umgesetzt würden.

Das Problem beim Kinderspielzeug

Gerade Kinder bis zu einem Alter von drei Jahren erfassen ihr Spielzeug noch mit allen Sinnen. Es wird darauf rumgekaut, angefasst, abgeleckt und sehr intensiv gespielt. Laut Ökotest enthalten aber viele Spielsachen Schadstoffe und Umweltgifte. Kinder könnten die bedenklichen Stoffe aufnehmen, wenn sie intensiv damit spielen. Weitere Gefahr: Kleinkinder nehmen Spielzeug gern in den Mund, um es zu erforschen. Wenn dann was abbricht oder Teile recht klein sind, könnten Kinder diese verschlucken. Auch deshalb müssen Hersteller Kinderspielzeuge altersgerecht deklarieren. Außerdem sollte bei Spielzeug für die ganz Kleinen darauf geachtet werden, dass es speichel- und schweißecht ist. Da sollte sich von Büchern, Puppen oder Baukötzen keine Farbe ablösen.

Tests bringen unterschiedliche Ergebnisse

So groß die Auswahl an Spielzeug ist, so immens ist auch die Zahl der Spielzeug-Tests. Hier nur ein kleiner Überblick:

  • Holzspielzeug:

Stiftung Warentest und Ökotest belegen in Tests immer wieder, dass einige Holzspielzeuge erheblich mit Schadstoffen belastet sind. Das kann zum Beispiel Formaldehyd in Puzzles sein. Der Stoff reizt die Atemwege und ist krebserregend. Bei bunten Bauklötzen können die Farben und Lacke, mit denen das Holz behandelt ist, problematisch sein. Gefährlich ist es auch, wenn sich Kleinteile ablösen, die verschluckt werden können.

  • Puppen:

Vergangenes Jahr hat Ökotest 16 Puppen für unter Dreijährige unter die Lupe genommen. Acht davon wurden als ungenügend eingeschätzt. Es hätten sich Kleinteile wie Knöpfe oder Verschlüsse gelöst, die verschluckt werden können. An fünf Stoffpuppen rissen die Nähte und die weichen Füllungen rutschten heraus, die sich Kinder in den Mund stopfen könnten. Stoffpuppen schnitten besser ab als Kunststoffpuppen, was an den weniger schädlichen Inhaltsstoffen liegt.

  • Metallspielzeug:

Hier warnt das Bundesinstitut für Risikobewertung schon länger vor zu viel Nickel in den Bauteilen. Bei einer Untersuchung 2016 wurden bei 87% der getesteten Metallbaukästen die Grenzwerte überschritten. Besonders problematisch sei unlackiertes Metall. Kinder könnten schlimmstenfalls eine Nickelallergie entwickeln.

  • Kuscheltiere:

Im November hat Stiftung Warentest 22 Plüschtiere untersucht, wovon nur die Hälfte empfehlenswert ist. In den anderen elf Figuren waren entweder Schadstoffe gefunden worden, oder es gab andere Sicherheitsrisiken, wie verschluckbare Kleinteile oder Strangulationssgefahr. Auch wurden u.a. Plasteverpackungen und giftige Etiketten kritisiert.

  • Buntstifte:

An Buntstiften wird gern geknabbert, deshalb testet Ökotest diese regelmäßig auf Schadstoffe und kommt nach wie vor auf schlechte Ergebnisse. Zuletzt wurden 12 Stifte getestet. Davon waren sechs mit krebserregenden oder krebsverdächtigen Aminen belastet. Auch Weichmacher wurden in den Stiften entdeckt.

  • Knete und Schleim:

Babyborn-Puppe
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Hier werden regelmäßig zu viele Schadstoffe angeprangert. Spielschleim gibt oft mehr Borsäure ab als erlaubt. Das ergaben Tests der Stiftung Warentest und von Ökotest. Als Folge können Kinder Durchfall, Erbrechen und Magenkrämpfe bekommen. Die meiste Knete enthält Mineralölbestandteile, die möglicherweise krebserregend sein könnten. Auch hier wurde zu viel Borsäure entdeckt, aber auch Formaldehyd und Weichmacher.

So erkennst du gutes Spielzeug

Auf den ersten Blick sind Spielzeuge alle toll verpackt und machen einen seriösen Eindruck. Auf diese Zeichen kannst du achten:

  • Wenn das Spielzeug stark nach Chemie riecht, ist was nicht in Ordnung. Dasselbe gilt, wenn sich die Farbe leicht abreiben lässt.
  • Weichmacher in Plasteteilen sind mit der Daumennagelprobe relativ leicht zu entdecken. Drück deinen Fingernagel in das Spielzeugteil. Sobald du einen deutlichen Abdruck sehen kannst, ist ein Weichmacher oder Ersatzweichmacher im Spielzeug.
  • Halte Ausschau nach scharfen Ecken und Kanten und auch nach Kleinteilen, die möglicherweise abnehmbar sind.
  • Schau genau, wie Verschlüsse und Nähte verarbeitet sind.
  • Bei Spieluhren, Kopfhörern oder CD-Playern solltest du auf die Lautstärke achten.
  • Verzichte auf Billig-Spielzeug. Hier werden in Tests am häufigsten Schadstoffe festgestellt.
  • Achte auf die Altersangabe. Steht auf der Verpackung „Für Kinder unter drei Jahren nicht geeignet.“, dann könnten verschluckbare Kleinteile enthalten sein.

Gütesiegel wie das GS-Siegel können ein Anhaltspunkt für unbedenkliches Spielzeug sein.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 17. Dezember 2020 | 10:45 Uhr

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