Warum die Grippeschutz-Impfung in Corona-Zeiten besonders wichtig ist

Die Grippesaison hat begonnen und vor allem Risikogruppen sind aufgerufen, sich impfen zu lassen. Dieses Jahr ist das Interesse an einer Grippeschutzimpfung wegen der Corona-Pandemie besonders groß. Ob du dich impfen lassen solltest und welche Empfehlungen gelten, haben wir zusammengefasst.

Grippe-Schutz: Dreifach- oder Vierfach-Impfstoff? 1 min
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MDR JUMP Mo 02.11.2020 10:45Uhr 01:09 min

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Wer sollte sich impfen lassen?

Laut der Ständigen Impfkommission (STIKO) sollten sich insbesondere Menschen ab 60, Personen mit chronischen Krankheiten und Schwangere impfen lassen. Bei ihnen besteht ein erhöhtes Risiko, dass die Krankheit schwerwiegende Folgen hat. Die Impfempfehlung gilt ebenso für medizinisches Personal. Bei dieser Bevölkerungsgruppe besteht durch die Menge von Patientenkontakten eine erhöhte Ansteckungsgefahr. Zudem könnten sie die Grippeviren an ihre Patienten weiter übertragen. Auch für andere, die durch ihre Arbeit mit vielen Menschen in Kontakt treten, ist die Impfung empfehlenswert. Dazu zählen beispielsweise Lehrer, Kindergärtner oder Verkäufer. Einige Ärzte und Krankenkassen empfehlen aber auch allen anderen Personen die Grippeschutzimpfung. Mit dem Impfstoff können Säuglinge und Kleinkinder ab einem Alter von 6 Monaten geimpft werden. Am besten bespricht man mit dem Hausarzt, ob eine Grippeimpfung in Frage kommt.

Grippeimpfung und Corona

Die Grippeimpfung schützt zwar nicht vor dem Coronavirus. Allerdings wird das Risiko, beide Infektionen zu bekommen deutlich minimiert. Eine gleichzeitige Infektion mit dem Corona- und einem Grippevirus kann aus Ärztesicht nämlich zu schweren Krankheitsverläufen führen. Auch ist es einfacher, Covid-19 von der Grippe zu unterscheiden, wenn ein Patient gegen Grippe geimpft ist. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ruft in der Corona-Pandemie vor allem Menschen ab 60 Jahre zur Grippeimpfung auf, da dieser Personenkreis ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf hat. In der Corona-Pandemie ist es wichtig, solche schweren Verläufe zu verhindern, damit es nicht zu Engpässen in den Krankenhäusern kommt. Laut RKI gibt es bisher keine Hinweise darauf, dass eine Grippeimpfung das Risiko erhöht, an Covid-19 zu erkranken. Übrigens rechnen Mediziner in dieser Saison mit weniger Grippe-Kranken, denn wegen der Corona-Maßnahmen (social distancing, AHA-Regeln etc.) sinkt auch die Wahrscheinlichkeit, sich mit dem Influenza-Virus anzustecken. Das RKI hat festgestellt, dass die vergangene Grippe-Saison (2019/2020) um etwa 11 Wochen kürzer war.

Wie wirksam ist die Impfung?

Junge Frau fühlt sich unwohl, hat eine Erkältung, Grippe, Schmerzen.
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Das RKI verweist darauf, dass die Grippeimpfung einen geringeren Schutz bietet als andere Impfungen. Zum einen kann bei einer Ansteckung kurz vor oder nach der Impfung der Impfschutz noch nicht vorhanden oder aber noch nicht vollständig ausgebildet sein. Zum anderen könnte auch ein anderer Virenstamm die Grippe auslösen, gegen den man nicht geimpft wurde. Der Grund: Um den aktuellen Impfstoff herzustellen, wird mehrere Monate im Voraus bereits von der WHO festgelegt, welche Viren voraussichtlich in Deutschland während der Grippe-Saison dominieren. Dagegen wird dann ein Impfstoff produziert. Dieser Prozess dauert mehrere Monate. Ob diese Viren dann tatsächlich so hier ankommen und die Voraussage für die Zusammensetzung des Impfstoffs richtig war, zeigt sich erst, nachdem der Impfstoff bereits produziert und eingesetzt wurde. In der Regel verläuft aber eine echte Grippe mit Impfung deutlich abgeschwächter als ohne Impfung.

Nebenwirkungen

Bei der Grippeimpfung wird normalerweise einmalig ein Totimpfstoff verabreicht. Bei Kindern zwischen 2 und 17 Jahren kann nasal ein Lebendimpfstoff gegeben werden. Bei bisher ungeimpften Kindern unter 9 Jahren wird beides verwendet. In der Regel ist der Grippeimpfstoff gut verträglich, schreibt das RKI auf seiner Internetseite. Es kann zu leichten Schmerzen, einer Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle kommen. Bei nasal verabreichten Impfungen kann die Nase verstopft sein oder ein kurzer Fließschnupfen einsetzen. Gelegentlich treten Symptome wie bei einer Erkältung auf: Fieber, Frösteln, Schwitzen, Müdigkeit Kopf- und Gliederschmerzen, die aber nach wenigen Tagen wieder verschwinden.

Impfung nicht bei Krankheit

Achtung: Bei schweren, akuten Infekten sollte man die Impfung besser verschieben. Eine leichte Erkältung mit einer Körpertemperatur unter 38,5°C spricht jedoch nicht dagegen. Wer unter einer Eiweißallergie leidet, sollte zuerst mit einem Arzt reden, da der Impfstoff zu einem Großteil aus Eiweiß besteht.

Wann ist der beste Zeitpunkt

Grippe-Virus
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Am besten sollte im Oktober oder November geimpft werden. Die Viren im Impfstoff regen unser Immunsystem dazu an, Antikörper zu bilden. Das dauert ungefähr zwei Wochen. Kommen Betroffene danach mit Grippevieren in Kontakt, bekämpfen die frisch produzierten Antikörper das feindliche Virus und schalten es aus. Aber auch wenn die Grippewelle schon in Gang ist, so etwa im Januar oder Februar kann eine Impfung noch sinnvoll sein.

Reicht der Impfstoff für alle?

Ende Oktober standen nach Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts rund 22 Millionen Dosen Impfstoff bereit. Weitere vier Millionen sollen folgen. Damit stehe in Deutschland soviel Grippe-Impfstoff zur Verfügung wie nie zuvor, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Ärzte warnen dennoch, dass die Menge nicht ausreichen werde, da sich wegen der Corona-Pandemie voraussichtlich deutlich mehr Menschen gegen Grippe impfen lassen wollen.

Wer bezahlt die Impfung

Frau putzt sich die Nase
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60 der knapp 100 gesetzlichen Krankenkassen übernehmen für alle Versicherten, die sich impfen lassen wollen, die Kosten. Bei den anderen Krankenkassen wird nur für diejenigen bezahlt, für die das RKI eine Impfempfehlung ausgesprochen hat. Wer nicht zur Risikogruppe gehört und sich dennoch impfen lassen will, muss die Kosten selber tragen. Allerdings zeigen sich in Corona-Zeiten immer mehr Krankenkassen offen für eine Kostenübernahme. Hier lohnt sich ein Gespräch mit der Kasse.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 02. November 2020 | 02:10 Uhr

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