Was du beim Grillen auf dem Balkon beachten solltest

Wer in einer Mietwohnung lebt, hat sich bestimmt schon mal gefragt, ob man eigentlich auf dem Balkon grillen darf. Manche machen es einfach und hoffen darauf, dass die Nachbarn nichts dagegen haben, andere nehmen Elektrogrills, die nicht so viel Rauch in die Umgebung schicken. Wieder andere trauen sich gar nicht erst. Wir klären, was erlaubt ist und was nicht.

Die rechtliche Seite

Im Prinzip ist Grillen auf dem Balkon in Deutschland erlaubt. Es kann aber durch den Vermieter verboten werden. Wer einen Mietvertrag unterschrieben hat, in dem ein generelles Grillverbot drinsteht, der muss sich auch daran halten. Ein wiederholter Verstoß trotz Abmahnung kann dann zur fristlosen Kündigung führen. Nach Abschluss des Mietvertrags kann der Vermieter aber kein nachträgliches Grillverbot aussprechen, da eine Vertragsänderung nur mit Zustimmung des Mieters zu erfolgen hat. Liegt kein Verbot vor, kann gegrillt werden, so lange der Rauch vom Grill nicht in die Nachbarwohnung zieht. Bislang haben deutsche Gerichte Grill-Konflikte sehr unterschiedlich behandelt. Zeitliche Vorgaben, die das Grillvergnügen auf wenige Stunden pro Monat einschränken, sind Einzelfallentscheidungen. Generell empfiehlt es sich, so rücksichtsvoll wie möglich zu Grillen, um Ärger aus dem Weg zu gehen. Durch die Verwendung eines raucharmen Grills, Aluschalen und Folien kann eine Belästigung weitestgehend verhindert werden.

Grillen ohne Rauch

Wenn Grillen also erlaubt ist, kann es losgehen, allerdings sollte man seine Umgebung im Blick behalten - im wahrsten Sinne. Am besten benutzt du einen raucharmen Grill, der zwei Dinge auf einmal kann: Er wird mit Holzkohle betrieben, auf die viele Hobby-Griller großen Wert legen. Gleichzeitig soll bei diesem Grill kein lästiger Qualm entstehen, der Nachbarn oder Umstehende stört. Damit können diese Geräte laut ihren Herstellern auch bequem auf jedem Balkon betrieben werden. Raucharme Grills gibt es für deutlich über 100 Euro von Markenherstellern und für deutlich weniger Geld beim Discounter.

Wie funktionieren raucharme Grills?

Glühende Holzkohle
Bildrechte: imago images / Frank Sorge

Sie sind nicht viel größer als ein Reiskocher und nur wenige Kilogramm schwer. Damit können sie auch leicht transportiert werden, etwa zum Grillen mit Freunden im Park oder am Strand. Durch die doppelwandige Konstruktion sind die raucharmen Grills auch für den Balkontisch geeignet, weil sie vergleichsweise wenig Wärme nach unten abstrahlen. Die Grills sind so aufgebaut, dass sich im besten Fall auf dem Holzkohlebehälter ein Deckel befindet, sodass möglichst kein Fett in die Glut tropfen kann.

Der störende Rauch entsteht, wenn das Fett aus Fleisch, aus Würsten und der Marinade hinunter tropft in die Kohle und dann verbrennt.

Andreas Bräuer, 1. Deutsche Grill- und BBQ-Schule Erfurt

Die Holzkohle selbst sei nicht die Ursache für den Rauch.

Der ist ja auch verflogen, wenn die Holzkohle angezündet ist und eine Weile gebrannt hat.

Abtropfendes Fett wird bei dieser Art Grill in einer Edelstahlschale aufgefangen, die mit Wasser befüllt wird. Das erleichtert das Saubermachen.

Wie raucharm sind die Grills in der Praxis tatsächlich?

Beim ab 130 Euro teuren Spitzenmodell von Lotus ist der Holzkohlebehälter in der Mitte mit einer Platte abgedeckt. Zudem sorgt der Hersteller dafür, dass die Kohle möglichst schnell brennt: Ein Behälter mit maximal 250 Gramm Holzkohle wird mit Hilfe von Brennpaste und der Luft eines batteriegetriebenen Ventilators in wenigen Minuten auf Betriebstemperatur gebracht. Bei einem Test entstand nur minimal Rauch und die Hitze reichte für das gegrillte Steak. Grillprofi Andreas Bräuer kennt den Lotus-Grill auch und lobt dessen wertige Konstruktion:

Bei diesen Geräten gibt’s zudem immer noch Service-Leistungen vom Hersteller dazu und wenn da mal ein Lüfter ausfällt oder ein Drehknopf abgeht, kann das als Service-Leistung ersetzt werden.

Das hat aus seiner Sicht auch etwas mit ökologischem Bewusstsein zu tun. Außerdem sei die Tragetasche hitzebeständig konstruiert, so dass die Grills auch gut transportiert werden können.

Mittelklasse mit Qualitätsproblemen

Wer keine 100 Euro ausgeben will, bekommt auch Geräte, die wenig Rauch machen, allerdings kann es hier passieren, dass sich der Rost verzieht oder die Hitzeverteilung nicht gleichmäßig ist. Das wurde in Praxistests beanstandet. Bei Grills unter 50 Euro kann es entgegen den Versprechungen doch zu starker Rauchentwicklung kommen.

Fürs gemütliche Grillen

Die raucharmen Geräte wirken mit ihren rund 30 Zentimeter großen Rosten nicht so, als könne man damit eine Großfamilie innerhalb von Minuten mit Grillgut versorgen. Dafür sind sie aus Sicht unseres Experten auch gar nicht gemacht.

Wenn man sich Zeit lässt und nacheinander produziert, reicht eine Holzkohle-Füllung auch eine dreiviertel Stunde.

Andreas Bräuer

Bei guter Wärmeverteilung könne man damit sechs bis acht Personen satt machen. Nur habe eben nicht jeder gleich sofort seine Wurst. Einschränkungen beim Geschmack müsse niemand befürchten.

Sie werden weder zum Standardgrill mit Holzkohle noch zum Gasgrill und auch nicht zum Elektrogrill geschmackliche Unterschiede feststellen.

Andreas Bräuer

Er räumt zudem mit dem Gerücht auf, nur Holzkohle bringe das unverwechselbare Aroma ins Grillgut.

Diesen Holzkohle-Geschmack gibt es nicht. Es sei denn, jemand ist in der Lage, Holzkohle zu schmecken.

Andreas Bräuer

Gut verkohlte Holzkohle enthalte kein Holz mehr, und nur das bringe Aroma.

"Holzkohle-Experten grillen besser"

Unser Profi-Griller hat noch zwei Tipps für die Grillsaison: Wer im Laden etwas Zeit für die Suche nach der richtigen Holzkohle investiere, könne dann später beim Grillen eine gleichmäßigere Hitze erzeugen.

Man kann den Sack mit der Kohle in die Hand nehmen und den Unterboden leicht in der Hand tanzen lassen. Wenn man am Boden weniger das Gefühl von Zucker und mehr von Stücken hat, ist das erstmal gut verkohlte Holzkohle.

Andreas Bräuer

Er rät zudem zur "Klangprobe":

Man schüttelt die Holzkohle im Sack neben dem Ohr und lässt sie kullern. Wenn es dabei einen hellen Klang gibt, ist es auch gute Kohle und man bekommt gleichmäßige Hitze.

Andreas Bräuer

Wer über den Kauf eines neuen Grills nachdenke, könne grundsätzlich auch überlegen, ob es ein Modell mit Deckel sein soll:

Der ermöglicht ein besseres Steuern der Hitze, das Ganze ist nicht so windanfällig und es gelangt keine Asche aufs Grillgut. Dann erweitert sich das Repertoire der Dinge, die man grillen kann, um 95 Prozent.

Andreas Bräuer

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 09. Juli 2021 | 11:45 Uhr

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