Sind Gourmetprodukte vom Discounter ihr Geld wert?

In der Vorweihnachtszeit bieten fast alle Lebensmitteldiscounter sogenannte „Gourmet-Produkte“ an. Unter dem Siegel „Premium“, „Gourmet“ oder „Deluxe“ gibt es dann Lachs, Entenbrust, Trüffelbutter oder Festtagssauce. Die Produkte sollen hochwertiger sein als die üblichen Lebensmittel in den Regalen und sind deshalb oft ein wenig teurer. Aber sind die höheren Preise auch wirklich gerechtfertigt?

Auf einem schwarzen Teller sind Käse und Schinken mit Feigen und Tomaten garniert angerichtet. 1 min
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MDR JUMP Fr 18.12.2020 10:45Uhr 01:10 min

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Keine rechtlichen Vorgaben für „Gourmet“ oder „Premium“

Prosciutto Crudo von Lidl, 2016
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In Deutschland gibt es keine Vorgabe, dass Lebensmittel besser und hochwertiger sein müssen, wenn sie mit „Gourmet" oder „Premium" beworben werden. Dazu Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg:  „Das sind oft leere Worthülsen. Es gibt zum Teil im Fleisch oder im Wurstbereich Vorgaben in den Leitsätzen, dass Delikates oder 1a-Ware eine höhere Qualität haben muss als normale Ware. Die Worte Luxus oder Gourmet oder Premium sind nicht genau definiert.“

Unterschiede liegen im Detail

Kritiker behaupten, dass es zwischen den Gourmet-Angeboten und den Standard-Zwillingsprodukten kaum Unterschiede gibt – außer im Preis. So einfach ist es aber nicht. Die Unterschiede liegen oft im Detail. Ganz deutlich sichtbar ist der erste Unterschied: Die Verpackung wirkt bei den Produkten deutlicher edler als bei vergleichbaren Produkten. Doch das ist natürlich nicht das, was den Mehrpreis rechtfertigen sollte. Um eine Kaufentscheidung zu treffen, sollte daher auf folgendes geachtet werden:

Check Nr. 1: Die Hersteller

Die Hersteller der Gourmetprodukte bleiben meist ungenannt. Auf der Verpackung steht oft nur der Name der Handelskette. Man kann jedoch mit dem Veterinärkennzeichen zumindest bei Fleisch, Fisch und Milchprodukten den Hersteller identifizieren.

Check Nr. 2: Die Herstellung

Parmesan
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Aber auch wenn sie vom gleichen Hersteller sind, könnte (und sollte) es Unterschiede in der Herstellung geben: So wird die eine Crème brûlée mit Vanille hergestellt, die andere möglicherweise nur mit Vanillezucker. Und es gibt noch mehr Beispiele: Der gewöhnlich erhältliche Parmesan ist in der Regel neun Monate gereift, die Deluxe-Variante 15 Monate. Ähnliches gilt für Serrano-Schinken, auch hier ist die Reifezeit unterschiedlich. Oft liegen die Unterschiede also im Detail, die dann auch die Preise rechtfertigen können.

Check Nr. 3: Der Inhalt

Bei verschiedenen Produkten fallen eine Menge E-Nummern auf der Zutatenliste auf. Sie stehen beispielsweise für Zusatzstoffe, Geschmacksverstärker oder auch Farbstoffe. Aus der Sicht des Verbraucherschützers Armin Valet  gehört so etwas nicht in Produkte, die mit dem Begriff „Gourmet“ verkauft werden. „Wir haben auch im Nachtischbereich oft Produkte, die den Anschein erwecken, sie seien handwerklich aufwendig hergestellt. Optisch toll in Szene gesetzt, kleine Gläschen. Aber da haben wir viel Chemie drin gefunden, viele Konservierungsstoffe, Farbstoffe." Es lohnt sich, einen intensiven Blick auf die Zutatenliste zu werfen.

Check Nr. 4: Gourmet-Produkte der unterschiedlichen Ketten

Laut Armin Valet sind die „Gourmet-Produkte“ auch oft nicht so exklusiv, wie es immer suggeriert wird: „Die Zimtsterne von Aldi und Lidl sind beispielsweise vom selben Hersteller. Nur die Verpackung ist eine andere.“ Dafür kosten sie auch das gleiche. Zum Teil gibt es aber preisliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Ketten: So kann ein und dasselbe Produkt bei Lidl teurer sein als bei Aldi oder andersherum.  

Check Nr. 5: Der Geschmack

Das kann man natürlich erst zu Hause überprüfen. In Tests erreichen einige Discounter-Gourmet-Produkte erstaunlich hohe Geschmacksbewertungen. Oft schmecken sie besser als die Standard-Vergleichsprodukte. Und in einigen Fällen können sie geschmacklich durchaus mit Feinkost-Produkten mithalten oder schmecken sogar besser.

Fazit

„Gourmet“ und „Luxus“ – vor Weihnachten stehen viele scheinbar hochwertigeren Produkte bei jedem Discounter im Regal. Das Problem: Solche Kennzeichnungen sind in Deutschland nicht geschützt und sagen nichts über die Qualität und den Geschmack aus. Oft können die Gourmet-Produkte vom Discounter geschmacklich nicht das halten, was sie versprechen. Verbraucherschützer raten, die Zutatenliste auf der Rückseite der Produkte genau zu studieren. Daraus kann ersichtlich werden, wie viel Luxus wirklich in dem Lebensmittel steckt.

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Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 18. Dezember 2020 | 10:45 Uhr

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