Girokonten für Kinder und Jugendliche

16.05.2019 | 02:10 Uhr

Ein Junge schaut auf einen Münzstapel vor sich 1 min
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MDR JUMP Do 16.05.2019 02:10Uhr 01:07 min

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Weihnachten, Ostern und Geburtstag sind nur einige Anlässe, bei denen das Sparschwein gefüttert wird. Dort aber ist das Geld nicht immer vor unüberlegten Zugriffen sicher und Zinsen gibt es auch keine. Ein Girokonto ist eine unproblematische und meist kostenlose Alternative. Was du beim Einrichten beachten solltest, erklärt Andrea Heyer, Finanzexpertin der Verbraucherzentrale Sachsen.

Vorteile eines eigenen Jugendkontos

Im Prinzip kann für ein Kind schon direkt nach der Geburt ein eigenes Konto eingerichtet werden. Damit kann es zwar bis zum siebenten Lebensjahr selbst nichts anfangen, weil es bis dahin nicht geschäftsfähig ist, aber sinnvoll kann es dennoch sein. Klar vom elterlichen Geld abgegrenzt, liegt das Geld sicher und könnte zumindest ein wenig verzinst werden.

Ab dem siebten bis zum 18. Lebensjahr sind Kinder und Jugendliche beschränkt geschäftsfähig und dürfen auch kleinere Geldgeschäfte tätigen. Allerdings darf das nie zu ihrem Nachteil sein. Da nun aber speziell Jugendliche ab dem 14. Lebensjahr oft Einnahmen durch Ferienarbeit oder später auch als Lehrlingsgehalt beziehen, ergibt es spätestens dann Sinn, ihnen ein eigenes Konto einzurichten. So können Kinder und Jugendliche mit einem eigenen Konto den Umgang mit Geld lernen und üben. Und: Sind Jugendliche in der Ausbildung weit weg vom Wohnort der Eltern, können sie auch vor Ort auf ihr eigenes Geld zugreifen.

Rahmenbedingungen eines Jugendkontos

Im Prinzip funktioniert das Konto wie jedes normale Girokonto: Mittels einer Kontokarte können in den meisten Fällen Jugendliche unter zwölf Jahren Kontoauszüge ziehen oder Einzahlungen vornehmen. Auszahlungen sind damit aber in der Regel nicht möglich.

Die Kontokarte wird später von der Girokarte abgelöst. Ab welchem Alter das geschieht, regeln die Banken unterschiedlich. Wie viel Geld dann in einer definierten Zeit abgehoben werden kann, können Eltern bei bestimmten Kontomodellen selbst festlegen. Onlinebanking ist bei den meisten Konten mit Kontrolle durch die Eltern ebenso möglich, wie die Benutzung einer Kreditkarte und die Benutzung einer Banking-App.

Zur Kontoeröffnung müssen beide Eltern anwesend sein.

In der Regel müssen tatsächlich beide Ihre Unterschrift bei der Bank vor Ort leisten. Gerade bei getrennt lebenden Eltern ist das ja verständlich.  

Andrea Heyer

Jugendkonten mit begrenztem Risiko

Girokonten für Kinder und Jugendliche unterscheiden sich vor allem in Einem von denen Erwachsener: Sie bekommen keinen Dispo- oder Kreditrahmen. Ist ein Kind zum Beispiel unterwegs und die Girokarte wird gestohlen, kann das Konto zwar leer geräumt werden, ins Minus gerät es allerdings nicht.

Einen Kreditrahmen darf die Bank einem Jugendkonto auf keinen Fall einräumen. Weder per Geldkarte noch per Onlinebanking darf das Konto also überzogen werden können. Falls das doch passiert, ist das ein Problem der Bank.

Andrea Heyer

Nutzt das Kind aber die Girokarte der Eltern, kann im Falle eines Diebstahls zunächst auch ein Dispokredit ausgeschöpft werden.

Umfangreiches Angebot – Unterschiedliche Konditionen

Nahezu alle Banken bieten Kinder- und Jugendkonten an.

Das ist schließlich der Einstieg ins finanzielle Leben und so eine Verbindung besteht bei vielen Menschen über Jahrzehnte.

Andrea Heyer

Deshalb bieten die Banken zwar in Teilen sehr unterschiedliche Konditionen an, die Verträge sind aber durchweg fair gestaltet. Schwarze Schafe sind der Verbraucherzentrale nicht bekannt. Im Januar 2019 hat die Stiftung Warentest die Bedingungen bei 148 Girokonten für Jugendliche untersucht, 125 Kontomodelle darunter waren kostenlos. Hier kannst du die Modelle vergleichen.  

Die geeignete Auswahl treffen

Filialbank oder Direktbank?

Beide Bankformen bieten entsprechende Jugendkonten an. Onlinebanking, Guthabenverwaltung und Überweisungen sind gleichermaßen möglich. Vorteil der Filialbank: Jugendliche können sich persönlich am Schalter beraten lassen. Vorteil der Direktbank: Oftmals sind die Zinskonditionen ein bisschen günstiger. Bei beiden Bankarten lassen sich bei Bedarf Tages- oder Festgeldkonten anlegen.

Gibt es genügend Geldautomaten?

Das ec-Symbol
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Direktbanken haben oft das Problem, dass sie selbst nur wenige Einzahlungs- und Auszahlungsautomaten betreiben. Schließen sie sich mit anderen Banken zu einem Betreiberverbund zusammen, kommen manche Anbieter aber auch nur auf knapp 3.000 Automaten deutschlandweit. Das klingt erstmal viel, damit kann aber tatsächlich nicht jede Stadt abgedeckt werden. Gerade bei Lehrausbildung oder Klassenfahrten in schwach besiedelten Gebieten kann das zum Problem werden. Meist müssen die Kontoinhaber dann auf andere Automaten mit entsprechend teuren Zusatzgebühren zurückgreifen oder die Karte wird gar nicht akzeptiert. Bei vergleichbaren anderen Konditionen sollte daher am besten die Bank mit dem größten Automaten-Netz gewählt werden.

Kostenloses Konto?

Es gibt keinen Grund, Gebühren für ein Jugendkonto zu zahlen. Viele Anbieter haben kostenlose Modelle. Sowohl Konto- oder/und Girokarte, Kreditkarte, als auch die Kontoführung selbst sollten nichts kosten oder an Umsätze oder regelmäßige Einzahlungen gebunden sein. Andrea Heyer von der Verbraucherzentrale Sachsen rät:

Schauen Sie vor dem Abschluss genau darauf, ob nicht irgendwelche Zusatzkosten auf Sie zukommen. Viele Banken werben mit kostenlosem Konto mit Girokarte – und dann gibt es doch irgendwo noch eine Gebühr zu zahlen.

Onlinebanking?

Spätestens ab dem 14. Lebensjahr sollte die Bank einem Kind die Onlinebanking-Option ermöglichen. Das macht den Umgang und die Verwaltung mit dem Geld einfacher. Achtung: Erwähnte Schutzoptionen, also die Kontrolle durch die Eltern, sollte unbedingt möglich sein. 

Spezialfall Kreditkarte

Die Kreditkarte für Jugendkonten funktioniert wie eine Prepaid-Karte.

Schüler auf Klassenfahrten oder auch Jugendliche, die nach Schulabschluss auf große Weltreise gehen, brauchen so eine sichere Kreditkarte.

Andrea Heyer
Die Kreditkartennummer einer Visa-Kreditkarte.
Mit Kreditkarten für Jugendkonten kann nur abgehoben werden, was auch an Geld auf dem Konto ist. Bildrechte: dpa

Der Vorteil: Vor Gebrauch muss direkt vom Girokonto Geld auf die Karte aufgeladen werden. Das heißt, dem Kind steht nur das Geld zur Verfügung, das auch auf der Karte ist. Hemmungsloses Kreditkartenshopping ist somit ausgeschlossen. Eltern sollten mit einem Bankberater besprechen – das geht auch telefonisch bei der Direktbank –, wie sie dieses Aufladen der Kreditkarte steuern können. Auch da bieten manche Banken spezielle Regelungen an.

Auf Vertragslaufzeiten achten

Viele Konten laufen ungeachtet des Alters weiter, auch wenn Ihr Kind den 18. Geburtstag gefeiert hat. Dann aber kann es tatsächlich das Konto überziehen. Damit werden Dispo- oder Überziehungszinsen fällig. Deshalb sollte sich Ihr Kind zu diesem Zeitpunkt über die geänderten Konditionen ausführlich informieren. Die Verbraucherzentralen haben spezielle Beratungsmodule für Kinder und Jugendliche zum Thema "Selbstständiger Umgang mit Geld" entwickelt. Die Experten kommen bei Bedarf und auf Anfrage damit in Schulen und andere Einrichtungen. Wichtige Infos zusammengefasst gibt es auch bei der Verbraucherzentrale online.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 16. Mai 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Mai 2019, 02:10 Uhr