So klappt es mit der richtigen Ernährung und dem Workout fürs Haustier

Das Tier ist zu dick! Das müssten sich rund die Hälfte aller Besitzer von Hund und Katze hierzulande eingestehen. Warum unsere Haustiere immer runder werden und was dagegen hilft, erfährst du jetzt.

Mops sitzt an gedecktem Tisch mit Futter auf dem Teller 1 min
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MDR JUMP Mi 17.02.2021 02:10Uhr 01:05 min

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Eigentlich machen wir alles richtig. Oder?

Ganz simpel: Es gibt zu viel zu fressen und zu wenig Bewegung. Den meisten Besitzern ist das gar nicht bewusst. Sie denken, dass sie sich völlig richtig verhalten. Tierarzt und Tierverhaltenstherapeut Dr. Ronald Lindner erklärt das so: “In der Regel ist es gar nicht das normale Futter, das die Tiere zu sich nehmen. Da achten die meisten Besitzer wirklich auf gute Qualität in der notwendigen Menge. Schuld sind eher die Extras, wie Leckerlies, Kauknochen oder andere Snacks.“

Darum werden Hund und Katze wirklich dick

Wichtig also, dass du über den hohen Energiegehalt von besagten Leckerlies bescheid weißt. Schon ein einfacher Kauknochen, mit dem Schnuffi und Co. gut beschäftigt sind, bringt bei 200 Gramm Gewicht rund 700 Kalorien mit; fast der Tagesbedarf eines zehn Kilo schweren Hundes. Bei Katzen ist es ähnlich. Hinzu kommt bei ihnen, dass sie gerade jetzt in der dunklen Jahreszeit bis zu 20 Stunden am Tag schlafen oder dösen, also fast keine Energie verbrauchen. Wenn sie sich dann noch langweilen, fressen viele tatsächlich aus Frust. Aber auch bestimmte Krankheiten wie Schilddrüsenunterfunktion oder auch ein Diabetes können zu Übergewicht führen. Im Zweifel solltest du das beim Tierarzt prüfen lassen.

Das Idealgewicht für Hund und Katze

Das lässt sich anhand des sogenannten Body-Condition-Scores bestimmen. Auf die Waage muss dein Tier dazu nicht. Es ist vielmehr eine Tabelle, die mit Merkmalen, wie Körperform, Taille, ertastbaren Rippen und Ähnlichem arbeitet. Das braucht zu Beginn ein bisschen Übung. Die Faustregel lautet:  Streichst du mit der flachen Hand bei Hund und Katze am Körper entlang und kannst die Rippen nicht mehr spüren, ist zu viel Speck drauf. „Einen stark von der Norm abweichenden Gewichtszustand sehen Sie aber mit dem bloßen Auge“, so unser Tierarzt.

Nächste Sendung im MDR Fernsehen

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3.3.2021, 19:50 Uhr /
18:00 Uhr in der Mediathek

aus dem Tierheim Vielauer Wald

Die Gefahr für dein Tier

Für Hund und Katze ist Übergewicht genau so schädlich wie für uns. Dicke Tiere sterben mitunter Jahre früher. Sie bewegen sich weniger, putzen sich seltener und haben insgesamt weniger Spaß an ihrem Leben.

Der erste Weg führt zum Arzt

Um abzuklären, ob dein Tier wirklich durch Futter zu dick ist, und wie es vom Gewicht wieder runter kommt, ist der Tierarzt die erste Adresse. „Sie sollten das zumindest einmal richtig abklären lassen. So kann Ihr Tierarzt sehen, ob nicht eine ernsthafte Erkrankung hinter dem Übergewicht steckt. Außerdem können Sie mit der falschen Diät Ihrem Tier richtig Schaden zufügen“, so unser Experte.

So nimmt dein Tier ab – die Ernährung

Nach dem Besuch beim Tierarzt brauchst du das richtige Futter. „Die Futtermittel sind speziell auf die Bedürfnisse Ihres Haustiers im jeweiligen Alter ausgerichtet. Daran sollten Sie sich orientieren“, so der Experte. Hunde und Katzen brauchen in verschiedenen Altersstufen unterschiedlich viel Energie. Ganz wichtig: Setz dein Tier niemals auf eine Nulldiät, das macht alles nur noch schlimmer.

Tierarzt Dr. Lindner empfiehlt für die Ernährung deiner übergewichtigen Katze:
"Sorgen Sie für eine normgerechte Versorgung mit Grundnährstoffen, Mineralstoffen und Vitaminen. Reduzieren Sie den Energiegehalt der Nahrung um bis zu 60 Prozent. Mischen Sie Rohkostsalate unters Futter. Das ist voluminös und sättigend aber energiearm. Und füttern Sie mehrmals kleine Portionen, das verhindert Betteln." Außerdem kannst du für mehr Volumen Trockenfutter in Wasser einweichen.

Ernährung deines übergewichtigen Hundes:
Im Prinzip gilt das Gleiche wie für die Katze. Auch beim Hund kannst du durch Beimischen von Gemüse wie Möhren, Gurken oder weichgekochtem Brokkoli die Energiemenge im Futter verringern. Gut zu wissen: Du bestimmst die Menge und lässt dich nicht anbetteln. Ein normaler Hund wird immer mehr fressen wollen, als er braucht. Drei bis sechs Monate solltest du einen Diätplan durchziehen und aller vier Wochen vom Tierarzt überprüfen lassen.

So nimmt dein Tier ab – die Bewegung

Für Hunde gilt: Raus an die frische Luft. Und das so oft, wie möglich. Nutze die Gassirunde zum Spazieren gehen und entdecken. Nimm Spielzeug mit. Nicht nur schnell um die Ecke gehen sondern immer mal neue Routen entdecken, das macht dem Hund Laune auf Draußen. In Abstimmung mit dem Arzt kannst du auch eine der vielen Hundesportarten ausprobieren. Die gibt es in unter-schiedlichster Form und Aufwand. Unser Tierarzt warnt aber: "Zuviel Bewegung kann für einen fettleibigen Hund gefährlich sein, deshalb sollte man anfänglich nie übertreiben. Bitte nicht „Vollgas-Bewegungsprogramme“, wie die immer gleichen und für Hunde gar nicht so motivierenden Apportierspiele oder das Laufen am Fahrrad - dies kann unter Umständen auch zum plötzlichen Herz-Kreislauf-Versagen und schlimmstenfalls zum Tode führen! Wenn erst Gewichtsverlust eintritt, wird der Hund viel lebhafter, wird auch sein Bewegungsablauf kräftiger, so dass sich der Gewichtsverlust beschleunigt." Besser sind also langsame Spaziergänge, die allmählich und von Tag zu Tag länger und abwechslungsreicher werden können.

Für Katzen gilt: "Hier haben natürlich die Outdoor-Miezen die Pfoten vorn. Soll heißen, dass der Anteil an übergewichtigen Katzen bei den Indoor-Miezen vergleichsweise wesentlich höher liegt", weiß unser Experte. Freigängerkatzen kannst du durch versteckte Leckerlies zum Suchen animieren. Wichtig: Teile deinen Nachbarn mit, dass sie auf das Gebettle der armen Katze nix geben und nicht zusätzlich füttern sollen. Stubentiger müssen besonders bewegt werden. Zweimal am Tag eine halbe Stunde Spielzeit ist ideal. Dazu gibt es reichlich Katzenspielzeug, von der Spielmaus über die Angel bis zum Laserpointer. Außerdem empfiehlt unser Tierarzt: "Vor allem Futtererarbeitungsspiele, wie Fummelbretter bzw. –Türme und vieles mehr."

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 17. Februar 2021 | 10:45 Uhr

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