Geld sparen mit generalüberholten Smartphones?

11.03.2019 | 02:10 Uhr

Behandschuhte Hände reparieren ein Handy. 1 min
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MDR JUMP Mo 11.03.2019 02:10Uhr 01:05 min

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Im Internet werben zahlreiche Anbieter für generalüberholte Smartphones. Darunter sind auch aktuelle Top-Geräte, bei denen Käufer teils bis zur Hälfte des Kaufpreises sparen können. Die Anbieter haben die Gebraucht-Geräte geprüft, aufbereitet und defekte Teile ausgetauscht. Damit sollen Käufer bei diesen Geräten sicherer vor kaputten Smartphones sein als bei Gebrauchtgeräten von Privat oder Händlern. Trotzdem gibt es bei den Handys regelmäßig Schwachstellen, die man checken sollte.

Renewed oder B-Ware?

Für wiederaufbereitete, gebrauchte Smartphones haben sich im Internet inzwischen diese drei Begriffe etabliert: "refurbished", "renewed" oder auch "generalüberholt".

Heißt übersetzt: Da hat sich jemand das Gerät angeschaut, hat es wahrscheinlich sauber gemacht, zurückgesetzt und möglicherweise auch Verschleißteile ausgetauscht, die abgenutzt waren und hat was repariert, wenn was defekt war.

Alexander Spier vom Computermagazin c't

Etwas verwirrend für Smartphone-Käufer sei, dass Onlineshops oder auch Handyhersteller zusätzlich noch Geräte unter den Bezeichnungen "Warehouse Deals" oder "B-Ware" günstiger verkaufen. Das sind in der Regel Neugeräte, die Kunden nach kurzem Ausprobieren zurückgeschickt haben oder die bei Händlern ausgestellt waren. Die müssen selten aufbereitet werden und sind preislich meist etwas über generalüberholten Smartphones angesiedelt.

Bis 25 Prozent Nachlass für gute, neu wirkende Geräte

Je nach Zustand und Alter des Smartphones könnten Käufer bis zu fünfzig Prozent vom Neupreis sparen.

Dann sieht das Gerät aber nicht mehr aus wie neu, wurde schon eine Weile benutzt und hat ein paar Kratzer hier und da.

Alexander Spier

Wer ein fast neuwertiges Gerät haben will, kann mit zehn bis 20 Prozent Ersparnis rechnen.

Das hängt ein bisschen davon ab, wie beliebt das Modell ist, wann es auf den Markt kam - das sind Faktoren, die mit rein spielen.

Alexander Spier

Er rät, zusätzlich noch Gebrauchtgeräte ohne Aufbereitung mit in den Preisvergleich einzubeziehen.

Die Refurbisher polieren manchmal Geräte auch nur auf und checken, ob die funktionieren. Da kann man also sehen, ob man ein Gebrauchtgerät beim Händler günstiger bekommt.

Alexander Spier

Einziger Nachteil: Käufer haben nicht die Garantien, die es für manche generalüberholte Geräte noch gibt.

Nicht immer klar, was "generalüberholt" wurde

Aus der Erfahrung unseres Experten legen die Anbieter von generalüberholten Smartphones leider nicht immer offen, was genau sie am Handy "wiederaufbereitet" haben.

Die sagen zwar, wir haben das gecheckt, ob alles funktioniert, das ist die Grundlage. Nur was getauscht wurde, wird oft nicht gesagt.

Alexander Spier

Käufer wissen so etwa nicht, ob ein Akku getauscht wurde und können so auch nicht genau abschätzen, wie lange das Smartphone in ihrem Besitz dann durchhält. Ähnlich auch beim Display: Hat das Kratzer und muss getauscht werden, setzen nicht alle Wiederaufbereiter auf das teure Originalersatzteil und nehmen stattdessen ein billiges und schlechteres Display. Das ist dann vielleicht nicht so hell oder kratzfest wie das Original oder reagiert langsamer auf Eingaben.

Man sollte beim Kauf drauf achten, dass möglichst viel dazu steht, dass der Händler sagt oder der Aufbereiter, was sie gemacht haben.

Alexander Spier

Zudem behalten sich manche Onlineverkäufer vor, Zubehör der Smartphones wie beispielsweise Ladekabel oder auch den Akku auszutauschen. Das müssen nicht immer Originalteile der Hersteller sein. Auch darauf sollte man beim Kauf achten.

Direkt vom Hersteller kaufen

Unter den Anbietern von generalüberholten Smartphones sind Händler, die neben anderen Produkten auch selbst aufbereitete Smartphones verkaufen und Plattformen wie "Refurbed" oder "Asgoodasnew", die komplett auf die Wiederaufbereitung von Elektronikgeräten setzen. Auch Handyhersteller bieten manchmal über ihre Shops generalüberholte Geräte an. Alexander Spier sieht einen Vorteil bei den Plattformen, die sich auf die Smartphones konzentrieren:

Die wissen, worauf muss man achten, und die kennen die Probleme der Geräte. Da sollte man besser nicht bei jedem Wald- und Wiesenhändler kaufen.

Alexander Spier

Hersteller wiederum zertifizieren ihre Geräte oft und geben ähnlich wie bei einem neuen Smartphone noch eine Garantie dazu. Dafür sind die Preise oft höher als bei Händlern und Plattformen für generalüberholte Smartphones.

Nach dem Kauf Smartphone sorgfältig prüfen

Für den Kauf vom Händler, Hersteller oder von einer Wiederaufbereitungs-Plattform gilt die übliche Frist aus dem Fernabsatzgesetz von 14 Tagen für den Widerruf. In diesem Zeitraum sollten Käufer die Geräte ausführlich überprüfen. Als Erstes kann man das Display auf Pixelfehler, Helligkeit und Kratzer checken. Home-Button und Power-Button sollte man ebenfalls überprüfen. Die zählen genau wie die Kabel- oder USB-Buchse zu den üblichen Schwachstellen.

Bei der Buchse sollte man prüfen, ob die sehr locker ist und ob der Stecker richtig rein geht.

Alexander Spier

Die Buchse bricht oft innen im Gerät. Dann lässt sich das Handy nicht mehr laden. Auch der Anschluss für den Kopfhörer ist eine bei Gebrauchtgeräten typische Schwachstelle. Die Folge sind Aussetzer und Störgeräusche beim Musikhören. Nachsehen sollten Käufer auch bei dem Mini-Aufkleber, der sich bei Wasserschäden verfärbt. Der klebt bei Geräten mit einem abnehmbaren Akku-Deckel oft auf dem Akku selbst. Alternativ kleben ihn die Hersteller auch in den Schacht für SIM- oder SD-Karte.

Schwachstelle Akku

Die in Smartphones verbauten Akkus sind inzwischen so gut, dass auch die Stromspeicher in ein bis zwei Jahre alten Gebrauchtgeräten einen Tag durchhalten sollten. Ob die Leistung des Akkus zu stark abgenommen hat, können Smartphone-Käufer nur in der Praxis testen. Dazu können sie das Handy im Alltag nutzen und am Abend prüfen, wie viel Leistung der Akku noch hat.

Geht das Smartphone nach einem halben Tag aus, ist das verdächtig.

Alexander Spier
Ein Ladekabel liegt auf einem Handy, auf dessen Display gerade der Akkustand angezeigt wird.
Bildrechte: IMAGO

Laut dem Onlineportal inside handy sind über 30 Prozent Akkuladung nach einem Tag Nutzen noch in Ordnung. Bei 20 Prozent und weniger ist der Akku meist schon ein Fall für den Tausch.  Originale Tausch-Akkus gibt es aber schon für zehn bis 15 Euro. Allerdings verkleben immer mehr Hersteller den Energiespeicher fest im Gerät. Den können dann wenn überhaupt nur Profis mit viel Aufwand und gegen höhere Kosten tauschen.

Betriebssystem sollte aktuell sein

Bei gebrauchten Smartphones sollten Käufer immer auch checken, welche Version des Betriebssystems auf dem Gerät installiert ist. Das steht in den Einstellungen. Ein altes und nicht aktuelles Betriebssystem ist anfälliger für Schadsoftware. Im Zweifel sollte eine neue Version des Betriebssystems aufgespielt werden. Bei vergleichsweise alten Geräten bekommen Käufer allerdings manchmal keine aktuellen Updates mehr. Bevor man das wiederaufbereitete Smartphone nutzt, sollte man es in den Einstellungen sicherheitshalber noch einmal in den Werkszustand zurückversetzen. Dann sind sämtliche private Inhalte des Vorbesitzers ebenso verschwunden wie möglicherweise installierte Spähprogramme. Nach dem Zurücksetzen auf Werkseinstellungen hat der Vorbesitzer auch keinen Zugriff mehr auf das Handy, etwa für Suchdienste wie "Mein iPhone suchen" oder "Find my Mobile".

Weniger Risiko beim Kauf vom Händler

Händler müssen anders als Privatverkäufer bei Mängeln am verkauften Smartphone einstehen. Diese Regel gilt auch für generalüberholte Geräte.

Die Händler schränken die Gewährleistungsfrist aber oft von zwei Jahren auf ein Jahr ein und das dürfen sie.

Alexander Spier

Je nach Alter des Gerätes ist die Herstellergarantie oft schon abgelaufen.

Die müssten die Händler dann geben und das sind dann meist nur 90 Tage.

Alexander Spier

Manche große Verkaufsplattformen werben aber mit bis zu 36 Monaten Garantie aufs Gerät. Hier sollten Käufer aber genau im Kleingedruckten nachlesen. Manchmal wird der Akku von der Garantie ausgeschlossen.

Fazit

Mit generalüberholten Smartphones können Käufer im Vergleich zu Neugeräten einiges sparen. Bis zu 25 Prozent Abschlag vom Preis sind laut unseren Experten realistisch. Wer bei Herstellern und professionellen Aufbereitern kauft und zudem alle möglichen Schwachstellen genau prüft, ist vor bösen Überraschungen meist sicher. Fernabsatzgesetz, Gewährleistung und oft auch eine Garantie schützen zusätzlich.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 11. März 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. März 2019, 02:10 Uhr