Zusatzbeiträge steigen: Jetzt Geld sparen durch Wechsel der Krankenkasse

Die Corona-Pandemie sorgt bei den Krankenversicherungen für leere Kassen. Zum Jahreswechsel haben viele deshalb den Zusatzbeitrag angehoben. Doch damit haben Versicherte ein Sonderkündigungsrecht. Heißt auch: Mit einem Wechsel zu einer günstigeren Kasse lässt sich viel Geld sparen.

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MDR JUMP Do 14.01.2021 10:45Uhr 01:01 min

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Seit 2015 gilt für die Beitragssätze der gesetzlichen Krankenkasse: Arbeitgeber und Arbeitnehmer zahlen jeweils 7,3 Prozent des Bruttoeinkommens an die Krankenkassen. Allerdings dürfen die Krankenkassen einen Zusatzbeitrag erheben, der dem Arbeitnehmer prozentual vom Einkommen abgezogen wird. Wie hoch die Zusatzbeiträge ausfallen, kann jede Krankenkasse für sich festlegen.

Einsparungen von mehreren hundert Euro pro Jahr sind möglich

Einige Kassen haben keinen Zusatzbeitrag oder einen sehr niedrigen. Für den einzelnen Versicherten sind theoretisch bis zu 446 Euro Einsparungen möglich – wenn er 4125 Euro brutto pro Monat verdient und von einer Kasse mit 15,5 Prozent zu einer Kasse wechselt, die keinen Zusatzbeitrag verlangt und nur 14,6 Prozent vom Lohn abzieht. Das ist aber nur bei vereinzelten, kleinen Kassen der Fall, die regional tätig sind. Es gibt aber einige Kassen, die ihren Beitrag auf 14,9 Prozent festgelegt haben. Wer zu ihnen wechselt und 2000 Euro brutto im Monat verdient, kann immerhin 144 Euro im Jahr sparen, bei 2500 Euro brutto beläuft sich die jährliche Ersparnis dann auf 180 Euro.

Sonderkündigungsrecht macht Kassenwechsel jetzt möglich

Wer von den günstigeren Konditionen anderer Kassen profitieren möchte, sollte sein Sonderkündigungsrecht nutzen. Das ist möglich, wenn die Krankenkasse einen Zusatzbeitrag erhebt oder diesen Beitrag erhöht. Das Sonderkündigungsrecht sieht vor, dass der Versicherte bis zum Ende des Monats kündigen darf, in dem erstmals der neue Beitragssatz erhoben wird.

Heißt also: Wenn die Kasse im Januar den neuen Satz einfordert, hat der Versicherte bis zum 31. Januar Zeit, die Mitgliedschaft zu kündigen und sich eine neue Kasse zu suchen. Allerdings erfolgt der Wechsel nicht sofort, sondern erst zum Ende des übernächsten Monats – in der aktuellen Situation also zum 31. März. So lange wird auch noch der neue Beitragssatz der bisherigen Krankenkasse abgezogen und man bleibt dort Mitglied. Am 1. April beginnt dann die Mitgliedschaft in der neuen Kasse zu deren Konditionen.

Formalien bei der Kündigung beachten

Damit der Krankenkassenwechsel reibungslos funktioniert, muss unbedingt auch auf das Sonderkündigungsrecht durch den erhobenen Zusatzbeitrag verwiesen werden, wie es im Sozialgesetzbuchs 5 in §175 Abs. 4 Satz 5 festgelegt ist.

Neu ab 2021: Keine Kündigung mehr nötig

Wer in diesem Jahr die Krankenkasse wechseln will, hat es deutlich einfacher. Jetzt genügt es, eine neue Kasse auszuwählen und dort einen Mitgliedsantrag zu stellen. Die neue Krankenkasse informiert dann die Alte über den Wechsel. Wichtig: Mit der Kündigung nicht bis zum letzten Tag warten, denn die Kündigung gilt erst, wenn die neue Kasse die bisherige über den Wechsel informiert hat.

Heißt aber auch: Wer noch im alten Jahr gekündigt hat, muss noch nach der alten Art kündigen. Also: Bei der alten Kasse, mit Verweis auf Sonderkündigungsrecht wegen Beitragserhöhung, schriftlich kündigen. Dann bei einer neuen Kasse einen Mitgliedsantrag stellen. Zu der neuen Krankenkasse muss dann auch die Kündigungsbestätigung der alten Kasse. Außerdem muss der Arbeitnehmer über den Wechsel informiert werden, bzw. die Mitgliedbescheinigung der neuen Kasse muss im Job vorgelegt werden. Ab 2021 entfällt auch dieser Schritt.

Generell dürfte der Wechsel problemlos erfolgen, denn ablehnen dürfen die gesetzlichen Krankenkassen ein neues Mitglied nicht. Sie müssen grundsätzlich jeden Kunden aufnehmen, es sei denn, Personen über 55 Jahren waren bislang nicht versicherungspflichtig, beispielsweise, weil sie privat versichert waren. Ihnen kann die Aufnahme verweigert werden.

Vor Wechsel: über Leistungen der neuen Kasse informieren

Wer in eine günstigere Kasse wechselt muss keine Angst haben, schlechter versorgt zu sein. Weil es der Gesetzgeber so will, sind rund 95 Prozent der Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen identisch. Spielräume haben die Kassen also nur bei einem sehr kleinen Teil ihrer Angebote, etwa bei Zusatzleistungen wie Gratisangeboten oder Kostenübernahmen für besondere Behandlungen. Es lohnt sich, die jeweiligen Leistungen zu vergleichen und nicht allein aufgrund der möglichen Einsparung zu wechseln.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 14. Januar 2021 | 10:45 Uhr

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