Vorsicht beim Kauf gebrauchter Software

12.09.2019 | 02:10 Uhr

CDs mit Software liegen auf einem Tisch 1 min
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MDR JUMP Do 12.09.2019 02:10Uhr 01:03 min

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Darf verkauft werden

Der Verkauf von "gebrauchter Software" oder auch "nicht genutzter Software" ist grundsätzlich erstmal erlaubt. Dabei ist auch egal, ob das Programm auf DVD oder CD-ROM gekauft wurde. Oder als Download aus dem Internet, bei dem Käufer dann in der Regel mit einem Lizenzschlüssel das Programm "aktivieren" müssen. Das ist eine mehrstellige Nummer, die man einfach in ein Fenster auf dem Computerbildschirm eingibt. Das Urheberecht schreibt einzig vor, dass Anwender nach dem Verkauf von Programmen diese bei sich löschen. Sonst ist das Ganze ein Verstoß gegen das Urheberrecht.

Aus vielen verschiedenen Quellen

Sie sind meist sehr günstig und werden unter dem Label "gebrauchte Software" angeboten: Das ist aber oft schon das Einzige, was die online mit Preisnachlass verkauften Programme gemeinsam haben. Die stammen aus vielen unterschiedlichen und nicht immer seriösen Quellen. Zum einen gibt es tatsächlich Software, die auch Laien unter "gebraucht" einordnen würden: Jemand hat beispielsweise Microsoft Office 2013 gekauft, benötigt es irgendwann nicht mehr, verkauft die DVD und löscht die Software von seinem Rechner. Das akzeptieren die Hersteller in der Regel. Probleme kann es aber geben, wenn Lizenzen aus großen Software-Paketen verkauft werden.

Da hat möglicherweise jemand Notebooks gebraucht gekauft, die waren mit einer Windows-Lizenz versehen und diese Lizenzen hat der Händler dann verkauft. Oder ein Unternehmen kauft Windows-Lizenzen für seine Computer in einem großen 50er-Pack und braucht dann nur 35. Dann werden 15 verkauft.

Hans-Peter Schüler vom Computermagazin c't

Wirklich noch nicht genutzt?

Einspielung eines Windows Update
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Genau genommen kann die Kombination aus Download und Aktivierungsschlüssel gar keine "gebrauchte Software" sein: Wurde der Schlüssel schon einmal benutzt, ist er in Regel wertlos. Das heißt für Kunden: Sie müssen dem Händler vertrauen können, dass der Aktivierungsschlüssel nicht schon einmal oder nicht allzu oft benutzt wurde.

Da hat man als Käufer keine Chance rauszukriegen, ob die angebotene günstige Software lizensiert ist.

Hans-Peter Schüler kennt Fälle, in denen einfach raubkopiert wurde:

Da hat vielleicht jemand eine günstige Education-Lizenz gekauft, also für eine Schule oder für eine Uni. Und die Lizenz wird dann einfach tausendfach kopiert und weitergegeben.

Das ist dann auf jeden Fall illegal und ein Verstoß gegen das Urheberrecht und muss theoretisch bestraft werden.

Was droht Privatnutzern?

Weil Endverbraucher es kaum kontrollieren können, ob sie irgendwelche illegale Ware kaufen, werden sie praktisch nicht bestraft.

Käufern drohe aber ein anderes Risiko: Häufig lassen sich selbst raubkopierte Programme zunächst einmal aktivieren.

Dann stellt aber vielleicht Microsoft beim nächsten Sicherheitsupdate fest: Dieser Aktivierungsschlüssel ist jetzt schon so oft benutzt worden, das muss irgendwie illegal sein.

Hans-Peter Schüler

Dann werde die gekaufte Software oder das Betriebssystem blockiert. In solchen Fällen können Computernutzer nur den Händler auffordern, eine funktionierende Lizenz nachzuliefern oder den Kaufpreis zurück zu erstatten. Sitzt der Händler im Ausland, wird das schwierig bis unmöglich.

Wo sind Nutzer beim Kauf sicher?

Unser Experte rät, nur bei den Herstellern der Programme selbst oder auch in Elektronikgroßmärkten zu kaufen. Das ist zwar grundsätzlich deutlich teurer als die online günstig angebotene Software. Bei Problemen sind Nutzer dann aber über die gesetzliche Gewährleistung und die Herstellergarantien abgesichert. Zudem können sie sicher sein, keine Raubkopierer zu unterstützen.

Wichtig ist da immer, dass man einen seriösen Händler hat, wo man Ansprüche tatsächlich durchsetzen kann. Wo man sagt: 'Ich habe diese Software mit der Seriennummer hier gekauft.' Dann kann man rechtliche Ansprüche geltend machen.

Auf Zertifikate oder Siegel wie "Trusted Shop" sollten sich Verbraucher nicht verlassen.

Diese Siegel beziehen sich auf andere Eigenschaften der Händler. Es gibt aber kein Siegel, das garantiert: Diese Software ist wirklich legal.

Hans-Peter Schüler

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 12. September 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. September 2019, 02:10 Uhr