Garantieverlängerung: Wann lohnt sich ein Abschluss?

29.11.2019 | 02:10 Uhr

Ein Stempel, Aufschrift "Beschädigt", aus Holz liegt auf einem Dokument. 1 min
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MDR JUMP Fr 29.11.2019 02:10Uhr 00:57 min

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Was genau ist eine Garantieverlängerung?

Eine Garantieverlängerung ist genau genommen ein Versicherungsvertrag. Darin wird die Garantie über die zweijährige gesetzliche Gewährleistungsfrist hinaus verlängert.

Gewährleistung und Garantie

Die Gewährleistung durch den Verkäufer ist bei Neuware für 24 Monate gesetzlich garantiert und deckt Schäden ab, die an der Ware zumindest in Ansätzen von Anfang an vorhanden waren. Nach Ablauf von sechs Monaten muss jedoch der Käufer beweisen, dass das der Fall ist. Bei Gebrauchtwarenhändlern beträgt die Gewährleistung mindestens zwölf Monate.

Die Garantie ist eine freiwillige Leistung des Herstellers und/oder Händlers und nicht gesetzlich geregelt. Deshalb können die Garantiegewährenden selbst darüber entscheiden, was von der Garantie wie lange abgedeckt werden soll. In der Regel laufen Garantien zwischen zwölf und 24 Monaten. Dabei sind Verschleißteile von der Garantie meist ausgenommen.

Wenn bei Eintritt des Schadenfalls sowohl Garantie als auch Gewährleistung noch laufen, kann der Kunde im Normalfall wählen, nach welchem System reguliert werden soll. Bei Fahrzeugen fast aller Marken werden Anschlussgarantien angeboten. Als sogenannte Reparatur-Versicherung findet man Garantieverlängerungen im Portfolio von vielen Versicherungen.

Was ist in der Garantieverlängerung enthalten?

Aktenordner
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Die Garantieverlängerungen bieten einen Schutz gegen Produktmängel über die zweijährige Gewährleistungspflicht hinaus. Übernommen werden darüber hinaus Reparaturkosten, teilweise sogar für selbst verursachte Schäden. Bei Totalschäden werden oft gleichwertige Ersatzgeräte angeboten. Gleichwertig heißt dann aber auch, dass, wenn ein Schaden erst nach einigen Jahren auftritt, unter Umständen ein gebrauchtes oder generalüberholtes Ersatzgerät zur Vertragserfüllung genügt. Für mobile Geräte wie Handys, Notebooks oder Tablets gibt es sogenannte erweiterte Garantieverlängerungen, die sogar Reparatur bei Stürzen, eindringender Flüssigkeit oder Ersatz bei Diebstahl festschreiben.

Schäden an Verschleißteilen wie zum Beispiel Akkus, Leuchtmittel, Bremsbeläge oder Kupplungsscheiben, die ja oftmals für Geräte- oder Fahrzeugausfälle verantwortlich sind, sind hingegen häufig nur teilweise oder gar nicht mitversichert.

Wie lange kann verlängert werden?

Je nach Art des gekauften Produktes und Klauseln des Verlängerungsvertrages läuft dieser zwischen zwei und fünf Jahre, bei Fahrzeugen auch bis zu einer festgelegten Kilometerleistung. Dabei kann die Garantieverlängerung über einen festen Zeitraum abgeschlossen werden oder, vornehmlich bei Elektronik, als Abomodell mit flexibler Laufzeit und monatlicher Zahlung.

Was kostet die Garantieverlängerung?

Die Kosten für die Garantieverlängerung richten sich nach dem Kaufpreis des erworbenen Gerätes, dem Umfang der Versicherungsleistungen und der Laufzeit des Vertrages. Einige Anbieter verlangen in ihren Verträgen eine Selbstbeteiligung.  Wird die Garantieverlängerung vom Händler angeboten, lohnt es sich unter Umständen, Angebote für eine solche Leistung direkt beim Versicherer einzuholen. Es gibt auch Anbieter, die bei Schadensfreiheit über die gesamte Laufzeit, am Ende Beiträge rückerstatten. Anschlussgarantien für Fahrzeuge können je nach Fahrzeugtyp und Vertrag von mehreren hundert bis mehrere tausend Euro kosten, sich bei entsprechend weit gefasstem Leistungsumfang aber durchaus lohnen. Auch bei Fahrzeug-Garantieverlängerungen gibt es häufig Selbstbeteiligungen.

Was muss ich vor dem Abschluss beachten?

Zuerst sollte man sich über den Leistungsumfang der Police informieren, also darüber, welche Kosten die Versicherung im Schadenfall überhaupt übernimmt. Denn da unterscheiden sich die Verträge sehr. Festgeschrieben kann beispielsweise sein, dass immer repariert wird oder nur, wenn es wirtschaftlich sinnvoll ist, dass der Zeitwert in Geld erstattet wird oder man einen Gutschein des Händlers erhält. Hilfreich ist auch zu wissen, ob während der Reparaturzeit ein Ersatzgerät bzw. Fahrzeug gestellt wird.

Außerdem sollte man vor der Vertragsunterzeichnung durchrechnen, ob sich ein Abschluss wirklich lohnt. Wird eine Garantieverlängerung auf fünf Jahre zum Beispiel bei einem 1.000 Euro teuren Laptop abgeschlossen, kann die 250 Euro kosten. Geht das Gerät nach vier Jahren kaputt, wird meist der Zeitwert ersetzt. Doch gerade bei Elektronik sinkt der aber mit den Jahren rapide. Muss das Gerät beispielsweise am Ende der Laufzeit repariert werden, liegen die Kosten für die Reparatur schnell über dem Zeitwert. Die Differenz zahlt dann meist der Kunde.

Auto wird von Arzt untersucht
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Bei Garantieverlängerungen für Fahrzeuge sollte beachtet werden, dass die Versicherer in der Regel ein scheckheftgepflegtes Auto verlangen. Wer also die Wartungsintervalle nicht einhält, verliert den Versicherungsschutz. Reparaturen dürfen zudem meist nur in Vertragswerkstätten durchgeführt werden.

Ansprechpartner im Schadenfall ist der Garantiegeber. Das muss nicht zwangsläufig der Händler sein. Oftmals sind die Händler aber nur die Vermittler. Der eigentliche Vertrag wird mit einem Versicherungsunternehmen geschlossen und der Händler kassiert eine Provision. Im Schadenfall muss sich der Kunde dann mit der Versicherung auseinandersetzen.

Fazit

Letztendlich lohnt sich der Abschluss einer Garantieverlängerung nur, wenn ein Gerät oder Fahrzeug auf jeden Fall länger als zwei Jahre genutzt werden soll und dann auch noch einen akzeptablen Marktwert hat. Das heißt, für Fahrzeuge, Haushaltsgroßgeräte oder teure Unterhaltungselektronik kann sich eine Garantieverlängerung lohnen, für Elektrokleingeräte rechnet sie sich eher nicht. Die Händler bieten den Abschluss der Garantieverlängerung meist mit dem Kauf an und deshalb fühlen sich Kunden oft zu einer schnellen Entscheidung gezwungen. Wer den Abschluss dann rückgängig machen möchte, kann den Vertrag in der Regel innerhalb von 14 Tagen widerrufen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 29. November 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. November 2019, 02:10 Uhr