Online-Fitness-Portale: Kann man mit dem Internet abnehmen und fitter werden?

06.01.2020 | 02:10 Uhr

Eine Frau macht auf einer Trainingsmatte Liegestütze. Vor ihr steht ein aufgeklapptes Notebook. 1 min
Bildrechte: IMAGO

MDR JUMP Mo 06.01.2020 02:10Uhr 01:01 min

Audio herunterladen [MP3 | 960,8 KB | 128 kbit/s] Audio herunterladen [MP4 | 472,9 KB | AAC | 256 kbit/s] https://www.jumpradio.de/podcasts/quicktipp/fitnessportale-online-102.html

Rechte: MDR JUMP

Audio

Wie funktioniert's?

Sehr unkompliziert: Nutzer melden sich online an, geben ihre Zahlungsinformationen ein und können trainieren. Bei Anbietern wie Gymondo legen sie sich zudem noch ein Profil mit persönlichen Daten wie Gewicht oder Zielen fürs Training an, mit dem das Angebot genauer auf den Sportler zugeschnitten werden kann. Das Trainingsangebot der Portale orientiert sich je nach Anbieter mal mehr und mal weniger an klassischen Fitnessstudios: Nutzer können einmal aus Übungs-Videos mit verschiedenen Schwierigkeitsstufen und Längen auswählen, etwa "Bauch-Beine-Po", "Faszientraining" oder "Rücken-Fit". Zum anderen gibt es mehrwöchige Programme, in denen Übungsvideos zusammengestellt werden. Diese sind dann beispielsweise so angelegt, dass verschiedene Muskelgruppen trainiert werden oder die Intensität des Trainings stufenweise gesteigert wird. Bei Problemen oder Fragen zum Training helfen die Anbieter über Chats, E-Mail oder eine Hotline.

Welche Technik braucht man für die Online-Fitness-Portale?

Eine Frau trainiert mit zwei Hanteln.
Bildrechte: colourbox

Die Trainingsvideos lassen sich auf dem Laptop abspielen oder über die Apps der Anbieter auch auf dem Smartphone oder Tablet. Auch vor dem Fernseher kann man trainieren. Viele der aktuellen Fernseher bieten dafür einen Web-Browser oder können die Angebote alternativ auch über AndroidTV oder einen Amazon Fire-Stick abspielen. Für die Online-Fitness-Portale sollte die Internetverbindung aber nicht allzu langsam sein. Bei fitnessRAUM beispielsweise laufen die Angebote ab einer Verbindung von sechs Mbit/s. Auch ein Kostenfaktor: Für einige Kurse brauchen Nutzer zudem noch eigene Geräte, etwa Fitnessbänder, Matten, Kurzhanteln oder Faszienrollen.

Bei diesen Online-Fitness-Portalen kann man trainieren

Anbieter Kosten Kursangebote Besonderheiten
fitnessRAUM

https://www.fitnessraum.de/
Je nach Laufzeit zwischen 9,90 € und 16,90 € pro Monat,

7-Tage-Probephase
Das Online-Studio richtet sich von Aufmachung und Kurs-Angebot her eher an Frauen. Angeboten werden zahlreiche Kurse zu Zielen wie "Abnehmen" oder "Bikini-Fit". Dazu gibt es viele Übungen für Yoga- und Pilates-Anhänger. Die Trainingsvideos sind übersichtlich in drei verschiedene Schwierigkeitsstufen eingeteilt. Zusätzlich gibt es Ernährungsprogramme. Das Portal arbeitet mit Promis wie Susan Atwell, Eva Padberg und Ralf Bauer oder bekannten Athleten wie Magdalena Neuner zusammen. Über eine App können die Kurse, Trainingspläne und Erfolgstracker auch auf Smartphone und Tablet genutzt werden. Nutzer können über E-Mail und Telefone Fragen stellen und bekommen darüber auch Empfehlungen zu für sie geeigneten Kursen. Im persönlichen Profil können Nutzer eigene Daten wie Gewicht oder Größe eingeben und bekommen auf deren Basis Kursangebote empfohlen.
Tchibo Fitness

https://fitness.tchibo.de/
Je nach Laufzeit zwischen 7,99 € und 13,99 € pro Monat,

7-Tage-Probephase
Hinter dem Portal steht der Anbieter fitnessRAUM: Die Kurse sind daher weitgehend gleich. Einzelne Workouts werden direkt für Tchibo produziert und später auch auf fitnessRAUM veröffentlicht. Siehe fitnessRAUM
Gymondo

https://www.gymondo.com/de/
Je nach Laufzeit zwischen 6,99 und 12,99 € im Monat,

7-Tage-Probephase
700 Angebote aus den Bereichen Krafttraining und Ausdauertraining. Neben "klassischen" Kurs-Angeboten wie

Bauch-Beine-Po, Step, Zumba gibt es auch Tanz- Workouts oder Angebote aus dem Kampfsport.
Nach der Anmeldung wird ein Fitness-Profil angelegt, in dem wichtige Daten wie Gewicht und Größe und persönliche Ziele abgefragt werden. Über das Profil werden zudem Erfolge gemessen, also Fortschritte grafisch dargestellt. In den Videos wird ausgehend von diesen Daten angezeigt, wie viele Kalorien gerade verbraucht werden. Das Portal arbeitet mit bekannten Sport-Anhängern wie Moderator Daniel Animati.
pur-life

https://pur-life.net/
Pro Woche können 30 Minuten Sportkurse gratis genutzt werden. Für 9,99 € im Monat sind Live-Angebote in der Mitgliedschaft enthalten. Bei 13,99 €/Monat gibt es noch zusätzlich den Zugang zu einem Wissensbereich etwa mit Ernährungsthemen, Trainings- und ernährungspläne. Krafttraining, Ausdauertraining, Vorbereitung für den Winterurlaub, Abnehmkurse. Kurse sind nach vier Schwierigkeitsstufen geordnet.

Mix aus sehr kurzen und eher längeren Kursen.
Live-Angebote sollen die Motivation der Nutzer stärken. Dabei kann sich der Zuschauer selbst kontrollieren lassen, indem er sich selbst aufnimmt und das Video neben das vom Trainer gestellt wird. Sehr großes Kursangebot, teils Dutzende Kurse pro Sportart. Die Seite wirbt mit einem gesundheitlichen Ansatz, hat einige Mediziner unter den Trainern.

Ernährungstipps, Artikel mit Tipps zu einzelnen Sportarten. Für manche Kurse sind eigene Geräte nötig, etwa Matte, Schwingstab oder Fitnessbänder. Wochenplan mit Kursen, die teilweise live ausgestrahlt werden. Anzeige des Kalorienverbrauches in Abhängigkeit von Kursdauer und Intensität der Übungen.
My Fitness Video

http://myfitnessvideo.com/
Je nach Laufzeit und Ausrichtung (Traumfigur, Flexibilität) zwischen 8,99 € und 14,99 € im Monat,

7-Tage-Probephase
Etwas mehr als 400 Workouts aus den Bereichen Krafttraining, Ausdauertraining, Rückentraining oder Abnehmen. Kurse sind in drei Level aufgeteilt – Einsteiger, Fortgeschrittene, Experten.    
fitkurs

fitkurs.de
Abrechnung nach Programmen mit 12 Videos á 12 Minuten ab 29,90 oder als Kurs-Paket (Preise variieren, Rückentraining-Paket bspw. für 17,90 €) 12-Minuten-Programme aus den Bereichen Yoga und Faszientraining. Dazu Kurs-Angebote wie Rückentraining, Yoga, Pilates und andere. fitkurs wirbt mit "Meine 12 Minuten". Die können Nutzer als ihre persönliche "Fitzeit" in den Alltag einbauen. Videos können auch heruntergeladen werden und sind so auch offline nutzbar, etwa im Urlaub ohne Internet.

Teilweise Utensilien wie Fitnessmatte oder Faszienrolle nötig.

Das loben Sportexperten an den Portalen

Nutzer der Onlineportale können dann trainieren, wenn es ihnen passt und müssen dafür nicht erst die Sportsachen einpacken und ins Fitnessstudio gehen. Zudem können sie in ihren eigenen Wänden Sport machen und müssen nicht auf andere Sportler Rücksicht nehmen. Solche sehr "niedrigschwelligen" Angebote können Anfängern die Hemmungen davor nehmen, überhaupt mit Sport anzufangen und sich zu bewegen.

Prinzipiell geht es ja darum, dass die Leute dazu animiert werden, irgendwas zu machen und sich zu bewegen.

Rafał Brenk, Personal Trainer Peakformance Leipzig

Er lobt auch, dass die Portale in ihren mehrwöchigen Programmen zahlreiche Übungen für verschiedene Muskelgruppen kombinieren.

Da sind dann auch Übungen dabei, die ich vielleicht nicht mag, die aber wichtig sind. Wenn ich mir nur selbst was aussuchen kann, wähle ich oft nur Übungen, die mir Spaß machen.

Rafał Brenk

Damit sind die Portale aus seiner Sicht auch besser als die vielen kostenlosen Fitnesskanäle auf YouTube.

Das kritisieren Sportexperten an den Portalen

Fehlende oder eher einfache Eingangstests
Anders als klassische Fitnessstudios können die Portale keinen belastbaren Eingangstest anbieten. Dabei misst der Trainer Kraft und Ausdauer, stellt Disbalancen oder gesundheitliche Probleme fest. Damit wissen beide Seiten dann, von welchem Niveau aus ein Anfänger startet und welche Übungen vielleicht weggelassen werden sollten. Die Portale versuchen das Manko auf verschiedenen Wegen zumindest etwas auszugleichen: Bei fitnessRAUM und Gymondo können Nutzer persönliche Daten wie Gewicht und Größe selbst eingeben, die als Ausgangspunkt für Kursangebote gelten. Sie können zudem bei gesundheitlichen Problemen oder bei Unsicherheiten bei den Profis nachfragen. Diese Beratung bietet auch pur-life an. Zudem setzen die Portale auf die Selbsteinschätzung der Nutzer, die verschiedene Schwierigkeitsgrade wählen können. Manchmal wird auch in einfachen Eingangstests abgefragt, wie fit sich Nutzer fühlen und welche Übungen sie gut oder schlecht können.

Das ist besser als nichts, aber wer überprüft das denn? Man stellt sich oft in ein besseres Licht. Solange das nicht ein Profi regelmäßig testet, kann man das eigentlich auch sein lassen.

Rafał Brenk

Im Zweifel überschätzen sich Einsteiger und machen die Fortgeschrittenen-Übungen. Damit könnten sie aber Muskel, Bänder und Gelenke überlasten.

Fehlende Kontrolle beim Sport
Bei den Portalen kann niemand kontrollieren, wie gut oder schlecht Nutzer Übungen ausführen.

Bei Überlastungen kann es dann zu Verletzungen kommen. Wenn man zu wenig macht, bringt das Training nichts.

Rafał Brenk

Zudem prüft niemand, ob man den Bauchmuskelcrunch oder den Überkopfhantelheber auch richtig macht.

Da fehlt das geschulte Auge vom Trainer. Der sieht auch die Kleinigkeiten – ob sich ein Knie in eine Richtung bewegt, ob der Rücken sich rundet oder das Fußgelenk falsch steht.

Rafał Brenk
Frau bei einer Fitness Übungen
Bildrechte: imago images / Panthermedia

Bei ruhigen Kursen wie Tai Chi, Yoga oder Rückengymnastik ist das in der Regel aber weniger ein Problem als bei anspruchsvollen Übungen aus dem Bereich Kampf- oder Kraftsport. fitnessRAUM beispielsweise weist darauf hin, dass man auf Angebote aus Sportarten mit einem hohen Verletzungsrisiko wie Langhanteltraining verzichte.

Trainingspläne werden eher schematisch angepasst
Alle zwei bis drei Monate sollte man den Trainingsplan anpassen, damit der Körper neue Reize bekommt. Der gewöhnt sich sonst an die Belastung.

Die Definition von Training ist ja immer: Leistungssteigerung. Wenn du die nicht hast, ist es auch kein Training mehr. Wenn du die Wiederholungen und das Gewicht schaffst, musst du das Gewicht erhöhen oder die Wiederholungen anpassen.

Rafał Brenk

Das wissen die Anbieter auch: fitnessRAUM beispielsweise weist auf MDR-Anfrage etwa darauf hin, dass in den mehrwöchigen Programmen eine leichte Steigerung der Intensität angelegt ist. Auch bei pur-life wird bauen die Trainingspläne so aufeinander auf, dass Sportlern immer wieder neue Anreize geboten werden, schreibt der Anbieter auf Anfrage. Im Analysebereich könnten Nutzer zudem sehen, wie sich ihre Körperwerte verändern. Eine echte 1:1-Kontrolle durch einen Trainer und ein individueller Zuschnitt der Trainingspläne fehlt aber auch hier. So ist es möglich, dass Sportler etwa beim Krafttraining bestimmte Muskelgruppen schneller aufbauen als andere. Auf solche individuellen Unterschiede wird bei eher schematischen Anpassungen der Pläne nicht eingegangen.

Für wen sind die Online-Fitness-Portale geeignet?

Für Leute mit Trainingserfahrung, die schon regelmäßig im Fitnessstudio waren und dort einen Trainer hatten und jetzt weiter fit bleiben wollen.

Rafał Brenk

Für wen sind die Portale eher nicht geeignet?

Für Menschen, die vorher noch nie so etwas gemacht haben.

Rafał Brenk

Dabei sind die Portale mit ihrem schnellen und leichten Einstieg in den Sport eigentlich perfekt auf Anfänger zugeschnitten. Für die Rafał Brenk schlägt einen Kompromiss vor:

Holt euch einen Trainer, wenigstens für einen Monat. Dem zeigt man das Portal, lässt sich die Übungen erklären und der hilft dann dabei, dass man das allein machen kann.

Die Trainer findet man im klassischen Fitnessstudio oder mit etwas Suche über die Sport- und Fitnessverbände.

Krankenkassen übernehmen manchmal die Kosten

Wer regelmäßig Sport treibt, ist seltener krank und kostet damit auch die Krankenversicherung weniger Geld: Das haben Gesetzgeber und Krankenkassen erkannt und entschieden, dass ab 2020 die Kosten für Gesundheits-Apps auf dem Smartphone ersetzt werden. Darunter fallen grundsätzlich auch erst einmal Sport-Apps, wenn die Anforderungen des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte erfüllen. Die Monatsgebühren für die Online-Fitness-Portale werden aber nicht automatisch übernommen. Darauf weisen die beiden großen gesetzlichen Kassen Techniker Krankenkasse (TK) und BARMER hin. Zuschüsse gibt es nur für Präventionskurse, die vorher bei der Zentralen Prüfstelle Prävention zertifiziert wurden. Diese Kurse bietet etwa Gymondo für den Rücken an. Beim Anbieter pur-life können die Rücken- und Entspannungskurse bei der Krankenkasse angegeben werden. fitnessRAUM und Tchibo-Fitness arbeiten aktuell an einer Zertifizierung für mehrere Kurse.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 06. Januar 2020 | 10:45 Uhr