Was taugen Fitnesstracker?

Sie heißen Wearable, Fitnesstracker oder Smartwatch und sollen unseren Körper prima überwachen können. Für 70 bis 500 Euro darf man das auch erwarten. Die Stiftung Warentest hat's aktuell geprüft, mit ernüchterndem Ergebnis.

Drei Sportler mit Fitness-Trackern. 1 min
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MDR JUMP Fr 28.08.2020 10:45Uhr 01:02 min

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Warum ein Fitnesstracker?

Über 60 Prozent von uns interessieren sich für ihre Gesundheit und wollen sie überprüfen. Konnte man früher nur mit den Fingern mal eben den Puls beim Training messen, geht heute dank Fitnesstracker viel mehr: Kalorien zählen, Blutdruck und Laufstrecke messen und sogar der Schlaf soll kontrolliert werden können. Gesundheitswissenschaftler Prof. Joachim Kugler aus Dresden hält die Tracker deshalb auch für durchaus sinnvoll: "Diese Fitnessarmbänder sind für Menschen, die etwas für ihre Gesundheit tun wollen. Dafür ist das auch eine gute Motivationshilfe. Fürs exakte Training, wo Messgenauigkeit wichtig ist, kommen die Armbänder aber an ihre Grenzen."

Was ist was?

Um dein Training oder den normalen Tagesablauf biologisch erfassen zu können, hast du folgende drei Möglichkeiten:

Den Fitnesstracker - Im Wesentlichen ist das ein Armband mit integriertem Schrittzähler, der aus deinen Angaben zu Größe, Alter, Gewicht und gelaufener Strecke deinen Kalorienverbrauch ermitteln kann.

Die Smartwatch - Sie ist die sportliche Ergänzung zu deinem Smartphone. Puls, Kalorienverbrauch, zurückgelegte Strecke kannst du ebenso erfassen, wie eingehende Anrufe, E-Mails oder das Wetter. Alle Daten lassen sich über Apps speichern und auswerten. Manche Modelle bieten auch Warnfunktionen, etwa bei Herzrhythmusstörungen.

Die Fitness-Uhr - Sie hat im Wesentlichen alle Funktionen einer Smartwatch, ohne allerdings eine Handy-Erweiterung zu sein. Alle erfassten Daten lassen sich über Apps speichern und auswerten.

Was können sie wirklich?

Wie weit bin ich gelaufen? Diese Frage sollten alle drei Gerätetypen beantworten können. Doch Achtung: Willst du genaue Daten, brauchst du ein Gerät mit eingebautem GPS oder eine Smartwatch, die das GPS des Smartphones nutzt. Denn: Bei Fitnesstrackern, die nur mit einem Bewegungssensor die Armschwünge zählen und daraus eine Strecke berechnen, sind große Abweichungen möglich. Gleiches gilt für Geräte, die mit verschiedenen Sensoren versuchen, deinen Puls, Blutdruck oder/und deine Schlafqualität zu messen. Auch da gibt's in der Regel nur Schätzergebnisse.

Eine Frau trägt ein rotes Activity Band am Handgelenk.
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Und das kann problematisch sein, so unser Experte: "Wenn ich Patient bin, dann muss ich darauf vertrauen, dass die Werte stimmen, weil daraus therapeutische Entscheidungen folgen. Wenn ich nur den Kalorienverbrauch schätze oder meine Bewegung registriere, kann es Toleranzen geben, denn da ist es ja eher eine Motivationshilfe." Heißt also: Wenn du dich ernsthaft mit Blutdruck oder Schlafproblemen auseinandersetzen musst, können dich Fitnesstracker nur bedingt unterstützen und ersetzen auf keinen Fall eine genau Messung beim Arzt.

Was sagt die Stiftung Warentest?

25 Geräte wurden getestet, nur zwei lieferten tatsächlich richtige Werte. Die Watch Series 5 von Apple und die Forerunner 245 Music von Garmin für rund 500 beziehungsweise 330 Euro. Vorteil bei Beiden: Positionsbestimmung über Satellit und damit genaue Ermittlung von Trainingsstrecken. Auch die Sensoren für die Pulsmessung funktionieren hier tadellos. Anders bei den getesteten Fitnessarmbändern. Die gibt es zwar teilweise schon ab 30 Euro, dafür lagen einzelne Geräte bei der Pulsmessung im Schnitt um rund 20 Prozent neben den wirklichen Werten. Das kann gesundheitlich richtig bedenklich werden, wenn du nicht über einen bestimmten Maximalpuls kommen darfst. Große Abweichungen gab es auch bei der Streckenerfassung und den verbrannten Kalorien. Fazit also: Zwei Geräte kann man zum verlässlichen Training gebrauchen, alle anderen sind eher eine nette Motivationshilfe.  

Wie gehst du richtig damit um?

Warum du einen Fitnesstracker nicht den ganzen Tag und schon gar nicht in der Nacht tragen sollst, erklärt Prof. Kugler: "Dort sind zum Teil Weichmacher drin, damit sich das Armand besser anschmiegt. Und da besteht schon die Gefahr, dass diese Weichmacher vom Körper aufgenommen werden. Besonders Schwangere und Kinder sollten da vorsichtig sein." Und: Besonders die Überwachung deiner Schlaffunktionen kann dich grundlos unter Druck setzen. Ein Bewegungssensor kann nicht wirklich deine Schlafqualität beurteilen. Und mit der Info, dass du in der nächsten Nacht mehr schlafen musst, schläft es sich dann eher schlecht ein. Fitnesstracker sollten immer nur Motivationshilfe und Kontrolle sein, niemals aber eine zuverlässige Blutdruckmessung oder einen richtigen körperlichen Check ersetzen.

Deine übertragenen und gespeicherten Daten kannst du mit den meisten Geräten gut schützen und das solltest du auch. Medizinische Werte und Informationen zu deinen Körperfunktionen sind nichts für Social Media oder die Allgemeinheit.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 28. August 2020 | 10:45 Uhr

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