Warum feuchtes Toilettenpapier schlecht für deine Haut ist und welche Alternativen es gibt

Rechteckig, hygienisch, sauber – so stehen in vielen Bädern Boxen mit feuchtem Toilettenpapier. Soll ja zusätzlich irgendwie sauberer und besser für empfindliche Haut sein. Wir erklären, warum das nicht ganz stimmt.

Feuchte Tücher – Hoffnung und Versprechen

Wenn es dort juckt, wo es lieber nicht jucken soll, könnte eine gewisse Unsauberkeit dahinterstecken. Das Versprechen von feuchtem Toilettenpapier und Hygienetüchern gegenüber normalem Klopapier: Der getränkte Vliesstoff aus festen Fasern reinigt gründlicher. Aloe Vera, Kamille und andere pflegende Mittel sind schonend zur Haut. Oft ist auch noch ein bisschen Parfüm dabei, damit es besser riecht. Saubere Sache, könnte man meinen, es gibt jedoch gleich mehrere Haken.

Feucht, schimmelfrei und hautfreundlich – das geht nicht

Eine ganz einfache Logik: Dort wo es feucht und warm ist und zudem noch Sauerstoff rankommt, vermehren sich Bakterien und Keime. Dagegen setzen die Hersteller von feuchtem Toilettenpapier oft Konservierungsmittel wie Alkohol und andere Stoffe ein. Diese können die besonders empfindliche Haut in der Analregion schädigen. Das merkt man in der Regel nicht sofort. Über mehrere Wochen können aber Kontaktallergien und Reizungen entstehen, die später zu einer Entzündung führen. „Das vermeintlich reine Gefühl nach dem Wischen erweist sich als trügerisch, die Lotion inklusive unerwünschter Stoffe bleibt auf dem Allerwertesten“, warnt das Portal ÖKO-TEST darum auch vor einem weiteren Problem.

Weshalb es trotzdem weiter juckt

Nicht nur die Inhaltsstoffe können eine Reaktion hervorrufen. Auch dass überhaupt feucht gewischt wird, kann ohne späteres Trocknen dazu führen, dass sich Bakterien und Pilze in der Analregion ansiedeln und vermehren. Und das kann im Verlauf zu einem Juckreiz führen, der ohne feuchte Tücher gar nicht entstanden wäre. Wenn also überhaupt solche Produkte verwendet werden, sollte man sich hinterher noch gründlich trocken tupfen. Das ist übrigens bei empfindlicher Haut schonender als rubbeln oder wischen.

Das große Problem der Entsorgung – wann das Klärwerk streikt

Eine von feuchtem Toilettenpapier blockierte Abwasserpunmpe.
So sehen feuchte Toilettentücher aus, wenn sie eine Abwasserpumpe verstopfen. Bildrechte: Kommunale Wasserwerke Leipzig

Natürlich gehört Klopapier ins Klo – so könnte man jedenfalls denken. Bei normalem Papier sieht Sven Lindstedt, Geschäftsführer vom Abwasser-Zweckverband Espenhain, da auch kein Problem: „Das normale Papier hält ja durch einen wasserlöslichen Leim. Das löst sich ohne Probleme im Abwasserkanal und ist dann auch für Abwasserpumpen, Laufräder und andere Anlagenteile kein Problem.“ Anders sieht es bei den feuchten Tüchern aus. “Obwohl die weich erscheinen, bestehen diese Tücher aus einem sehr festen und robusten Vliesstoff. Der löst sich eben nicht ohne weiteres auf, sonst würde er das ja auch schon in der feuchten Verpackung tun“, so unser Experte.

Und so gelangt eben dieser Vliesstoff durch den Abwasserkanal in die Anlagen der Abwasserbeseitigung und das Klärwerk. „Dort wird er in einzelnen Fasern zerrissen und daraus bilden sich dann mitunter meterlange Zöpfe, die sehr aufwendig per Hand zerteilt und entfernt werden müssen oder im Einzelfall auch mal eine ganze Anlage lahmlegen“, erklärt Sven Lindstedt weiter.

Auch die neue Generation hat ein Entsorgungsproblem

Und das trifft auch auf feuchtes Papier zu, das laut Herstellern spülbar und damit zersetzbar ist. Auch das wird von den Betreibern der Abwasseranlagen und Klärwerke kritisiert. Dazu nochmal unser Experte: „Der Weg vom Endverbraucher zum Klärwerk ist auch für solche Produkte zu kurz, als dass sie sich wirklich auflösen könnten.“ Übrigens gilt das auch für Küchenrollen, Babytücher und sogar einfache Papiertaschentücher. Alle diese Produkte gehören nicht in die Toilette.

Die sauberen Alternativen

Nicht bedrucktes, einfarbiges Toilettenpapier, am besten aus Recyclingmaterial ist am umweltfreundlichsten. Willst du dich richtig sauber fühlen, kannst du im normalen Badezimmer eine Dusche oder einen Waschlappen benutzen. Abtrocknen nicht vergessen. Weitere Möglichkeiten für einen sauberen Po können Analduschen (gibt’s auch für unterwegs), ein Dusch-WC (gibt’s auch mit Fön) oder ein klassisches Bidet (gibt’s auch mit Automatik) sein

Wenn die Probleme bleiben

Ein Hauptgrund für das Verlangen nach einer gründliche Reinigung ist ein unangenehmer Juckreiz. Der kann mit Unsauberkeit zu tun haben, muss es aber nicht. Auch andere Ursachen wie zum Beispiel Hämorrhoiden können eine Rolle spielen. Wichtig: Wenn die Probleme über Wochen bleiben und größer werden, solltest du einen Facharzt wie den Proktologen aufsuchen. Unbehandelt können Ekzeme und Entzündungen in diesem Bereich ernsthafte und langwierige Probleme mit sich bringen.

Fazit

Feuchtes Toilettenpapier ist ein bequemes und vermeintlich gründliches Reinigungsmittel. Es kann aber deine Haut reizen, Allergien auslösen und einen eventuell vorhandenen Juckreiz noch verstärken. Außerdem ist es nur schwer abbaubar und für die Abwasserwirtschaft oft ein Problem. Am schonendsten ist die Reinigung mit klarem Wasser und anschließendem Abtrocknen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 26. August 2021 | 11:45 Uhr

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