Fertigdesserts für Kinder: Knallbunte Kalorienbombe oder gesunde Zwischenmahlzeit?

Eine knallbunte Verpackung, die schnell ausgelöffelt ist, kräftiger Schoko- oder Fruchtgeschmack: Die Kleinen lieben Kinderdesserts aus dem Kühlregal. Eltern sollten aber genau hinsehen, welche Desserts im Einkaufswagen landen: Manche sind echte Kalorienbomben, andere dagegen sind überraschend gut.

Vater und Tochter in der Küche; Tochter hält einen Jogurt 1 min
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MDR JUMP Do 05.11.2020 10:45Uhr 01:03 min

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So viel Kalorien und Fett wie in einem Drittel von einer Tafel Schokolade

Sie sollen mit Kalzium aus der Milch Kinderknochen stark machen, Vitamine und schnelle Energie liefern: So werden Kinderdesserts aus Frischkäse, Joghurt oder Pudding gern beworben. Einige sind aber eher schlecht für die Gesundheit der Kleinen: In einem aktuellen Test hat Stiftung Warentest vier Kinderdesserts nur mit "Ausreichend" bewertet, ein Schoko-Milchdessert von Zott mit extra Schokolade und Butterkeksen bekam sogar nur die Note "Mangelhaft". Diese Desserts sind eher Süßigkeiten als gesunde Zwischenmahlzeit. Ina Bockholt von Stiftung Warentest sagte MDR JUMP:

Die Kinderdesserts, die wir schlecht bewertet haben, liefern etwa so viel Fett und Energie wie ein Drittel von einer normalen Tafel Vollmilch-Schokolade.

Immerhin enthielten auch diese Desserts noch etwas Kalzium: Das ist ein kleiner Vorteil gegenüber Süßigkeiten wie Schokolade oder Kekse.

Viele Hersteller haben bei Rezepten wirklich nachgebessert

Im Kühlregal gibt es inzwischen mehrere Desserts, die aus Sicht von Ernährungsexperten unproblematisch sind: Im aktuellen Test bekamen 12 von 25 Desserts das Urteil "Gut". Sie enthalten vergleichsweise wenig Zucker, Fett und Kalorien und bleiben damit deutlich unter den Maximalwerten, welche die Deutsche Gesellschaft für Ernährung für Kinder empfiehlt. Ina Bockholt sagt:

Wenn man sich an den Empfehlungen von Fachleuten orientiert, dann ist es durchaus vertretbar, wenn mein Kind von diesen Desserts eine Portion pro Tag verzehrt. Etwa als Nachtisch oder als Zwischenmahlzeit.

Viele Hersteller haben offenbar inzwischen auf die Kritik von Eltern und Ernährungsexperten an zu süßen und kalorienreichen Kinderprodukten reagiert. So haben sich die Rezepturen für sehr bekannte Kinderdesserts über die Jahre deutlich verändert. Das zeige ein Vergleich mit einem bereits 20 Jahre alten Test von Stiftung Warentest, sagt Ina Bockholt:

Damals waren auch bekannte Produkte mit vertreten wie Fruchtzwerge, Monsterbacke oder Leckermäulchen. Fruchtzwerge und Monsterbacke enthielten damals doppelt so viel Fett und ein Drittel mehr Zucker und Kalorie als heute. Auch Leckermäulchen ist heute deutlich schlanker.

Worauf können Eltern bei der Zutatenliste achten?

Im aktuellen Test landeten vor allem die Kinderdesserts vorn, die mit Frischkäse zubereitet sind. Eltern sollten aus Sicht von Ernährungsexperten zudem besser zu Produkten ohne zusätzliche Toppings wie Mini-Keksen, Smarties oder Schokolinsen greifen. Die machen die Desserts für Kinder schön "crunchy", liefern aber eben auch viele Kalorien. Manche Hersteller werben auf den Verpackungen für "extra Calcium" oder einfach nur "Calcium". Wirklich viel bringt der Mineralstoff-Zusatz aber nicht.

Die Hersteller bringen ihre Frischkäsezubereitungen beim Kalziumgehalt auf das Niveau von Joghurt. Weil Frischkäse von Haus aus wenig Kalzium mitbringt. Aber man sollte nicht überschätzen, was das bringt.

Durch die kleinen Portionen decken die Desserts nur rund zwölf bis fünfzehn Prozent vom Kalzium-Tagesbedarf von Kindern. Die sollten also zusätzlich noch Milch trinken oder Joghurt essen. Vielen Desserts werden noch natürliche oder künstliche Aromen zugesetzt, damit sie Kindern besser schmecken. Aus Sicht von Ina Bockholt ist das kein Problem:

Es gibt keine Studien, die belegen würden, dass zugesetzte Aromen aus der Natur oder aus dem Labor Kinder abhängig machen. Aber grundsätzlich ist es immer besser, wenn Kinder den Fruchtgeschmack beispielsweise von der originalen Frucht kennenlernen.

Die gesündeste Variante: Selbst anrühren

Wenn Eltern die Zeit dafür haben, sollten sie die Desserts am besten mit ihren Kindern gemeinsam anrühren. Dann fehlt die knallbunte Verpackung, Beerenjoghurt oder Erdbeerquark sind aber nochmal deutlich gesünder als die guten Produkte aus dem Kühlregal.

Zudem können sich so Kinder an den natürlichen Geschmack von Früchten gewöhnen und bekommen Extravitamine und sekundäre Pflanzenstoffe. Selbst in den guten Kinderdesserts liegt der Fruchtgehalt meist bei nicht mehr als sechs Prozent.

Die selbstgemachten Desserts enthalten dann viel weniger Zucker als Kinderdesserts aus dem Geschäft.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 05. November 2020 | 10:45 Uhr

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