Großbild-TV aus dem Discounter: Wie gut sind die günstigen Flachbildfernseher?

Sie wurde um ein Jahr verschoben und startet jetzt: Die Fußball-Europameisterschaft! Viele geben vor so einem Großereignis Geld für einen neuen Fernseher aus. Das wissen Hersteller und Händler und locken daher aktuell mit vielen Schnäppchen. Besonders günstig sind Flachbildfernseher, die bei Rabattaktionen in Supermärkten, Discountern und Baumärkten verkauft werden. Aber sind diese Geräte ihr Geld auch wert?

"Mit einem Markengerät kann man nichts falsch machen, oder?"

Die Flachbildfernseher werden meist direkt von der Palette verkauft und kosten in Bildschirmgrößen bis 43 Zoll oft nur 300 oder 400 Euro. Für diesen Preis gibt es zumindest der Verpackung nach Markenware: Bei den Rabattaktionen werden beispielsweise Geräte von JVC, Telefunken, Toshiba oder Nokia verkauft. Diese bekannten Markennamen stehen aber nicht automatisch auch für Qualität, sagt Christoph de Leuw. Er testet für Computerbild regelmäßig auch günstige Fernseher:

Christoph de Leuw
Bildrechte: Computerbild

Diese Namen haben mit den ursprünglichen Herstellern wie Nokia, Telefunken oder auch Toshiba nichts mehr zu tun. Das sind allesamt Hersteller, die sich schon lange aus der Produktion und auch aus dem Verkauf von Fernsehern verabschiedet haben. Die lizenzieren ihren Namen an Handelsorganisationen oder an andere Produzenten, die Fernseher beschaffen oder selbst herstellen. Die kleben dann die bekannten Namen drauf.

Laut Christian van de Sand von Stiftung Warentest produziert dann beispielsweise ein vielen Käufern unbekannter Hersteller Geräte, die unter verschiedenen bekannten "Markennamen" angeboten werden:

Christian van de Sand
Bildrechte: Stiftung Warentest

Im Fall von Telefunken oder Toshiba ist das zum Beispiel Vestel. Das ist ein großer Hersteller mit Firmensitz in der Türkei. Bei Nokia steckt ein Lizenznehmer aus Österreich dahinter. Das ist also nicht das finnische Unternehmen, das wir seit 30 Jahren von den Handys kennen.

Die Anbieter dieser Geräte hofften, dass der eine oder andere Käufer mit den bekannten Marken noch etwas Positives verbinde.

Sichtbarer Unterschied zu teuren Geräten

Bei der Bildqualität sollten Käufer der günstigen Flachbildfernseher nicht allzu viel erwarten, sagt Christoph de Leuw:

Man bekommt, was man bezahlt. Die Farben sind nicht so natürlich wie bei teureren Geräten. Der Kontrast ist etwas flau und Bewegungen könnten etwas ruckeln.

Gerade bei Fußballübertragungen fielen die Unterschiede bei der Bildqualität deutlich auf, findet Christian van de Sand:

Viele der günstigen Geräte haben keine Bewegtbild-Optimierung. Das heißt, dass es gerade bei schnellen Bewegungen ruckeln kann. Wenn da eine Flanke quer über den Platz geschlagen wird, ruckelt dann der Ball durchs Bild. Das ist dann natürlich nicht attraktiv.

Das liege auch daran, dass die Hersteller neue Technik, schnelle Chips und qualitativ hochwertige TV-Panels eher in Geräten mit größeren Bildschirm-Diagonalen verbauten. Kleinere Geräte würden schlicht vernachlässigt, weil sie deutlich seltener gekauft werden. Entsprechend selten seien Geräte mit einer guten Bildqualität in den Größenklassen von 32 bis 43 Zoll. Die mit Abstand am häufigsten gekaufte Bildschirmgröße liegt derzeit bei 50 Zoll. Dementsprechend groß ist in dieser Größenklasse auch die Auswahl. Der Preiskampf ist somit auch härter.

Es gibt ordentliche 50-Zoll-Fernseher, die nicht teurer sind als ein ordentlicher 43-Zoll-Fernseher. Weil der Markt da entsprechend breit aufgestellt ist. Ab 500 Euro kann man da durchaus schon was finden. Unter der magischen 1.000-Euro Grenze gibt es sehr viel Auswahl und wenn ich da drüber liege, habe ich auch in der Regel nichts zu befürchten.

Manche der Günstig-Geräte in Discountern und Baumärkten liefern sogar UHD-Auflösung (3840 x 2160 Pixel). Wirklich sinnvoll ist aus Sicht von Christian van de Sand so eine hohe Auflösung aber erst bei größeren Bildschirmen. Dort verteilen sich dann die Bildpunkte auf eine größere Fläche.

Anschlüsse für besseren Sound sind immerhin vorhanden

Die Tests von Stiftung Warentest und Computerbild zeigen auch, dass die Hersteller günstiger Geräte häufig bei den Lautsprechern sparen. Schon bei geringer Lautstärke sind dann Verzerrungen beim Sound hörbar. Christoph de Leuw sagt:

Da wird auch gespart, weil man die Tonqualität im Laden noch weniger gut testen kann als die Bildqualität. Und solche günstigen Angebote werden sowieso von der Palette verkauft und nicht großartig vorgeführt. Zudem gibt es keine verlässlichen Kennzahlen für den Sound, auf die Käufer achten können. So was wie Full-HD oder UHD für den Bildschirm.

Wer besseren Ton will, muss externe Boxen oder eine Soundbar anschließen. Immerhin: Dafür liefern die Hersteller der Günstig-Geräte die nötigen Anschlüsse. Auch an anderen wichtigen Stellen wird bei der Ausstattung nicht gespart.

Praktisch alle unsere Test-Geräte in der letzten Zeit hatten die erforderlichen Empfänger für Kabel, Satellit und Antenne. Und sie hatten auch immer den Steckplatz für das Entschlüsselungsmodul, wenn ich die Privatsender in HD sehen möchte. Und bei den Anschlüssen ist es zum Teil sogar so, dass es mehr gibt als bei teureren Markengeräten. Dazu gehören zwei oder drei HDMI-Eingänge und auch analoge AV-Eingänge.

Wer seinen Fernseher auch für Streaming-Dienste wie Netflix, Disney oder Amazon Prime oder die Mediatheken der Öffentlich-Rechtlichen nutzen möchte, sollte beim Kauf die technischen Daten der Geräte etwas genauer ansehen. Nicht alle Fernseher bieten ab Werk die dafür nötigen Apps an. 

Manche Fernseh-Hersteller arbeiten mit dem Android-Betriebssystem, und da ist dann die App-Verfügbarkeit auch in der Regel gesichert. Manche Hersteller arbeiten aber mit eigenen günstigen Betriebssystemen auf Linux-Basis. Da gibt es dann nur wenige Streaming-Apps wie Netflix oder YouTube. Amazon Prime oder Disney dagegen findet man nur selten.

Das Problem lasse sich aber mit einem der günstigen Streaming-Sticks zum Anstecken an den Fernseher leicht lösen. Im aktuellen Test von Stiftung Warentest unterstützte übrigens keines der günstigen Geräte Apples AirPlay-Standard, mit dem etwa iPhone-Nutzer Inhalte direkt auf den Fernseher streamen können. Die müssen sich zusätzlich einen Apple TV-Stick besorgen.

Tipps für den Kauf

Wer zur Fußball-EM oder auch für Serien-Abende einen neuen Fernseher kaufen möchte, kommt mit den folgenden drei Tipps am besten und günstig zu einem neuen Modell: Platz für Fernseher ausmessen. Preise vergleichen. Rückgaberecht aushandeln. Christian van de Sand sagt:

Bei der Bildschirmgröße sollte man sich im Handel wirklich nicht blenden lassen. Die Geräte sehen auf einer großen Verkaufsfläche einfach kleiner aus. Da sollte man wirklich vorher zu Hause ausmessen und dann auch bei der Größe bleiben.

Für das Ausmessen bietet Stiftung Warentest hier einen Überblick. Zuletzt gab es zwar immer wieder Meldungen zur weltweiten Knappheit von Computerchips und entsprechend steigenden Preisen bei manchen Elektrogeräten. Davon sollten sich Käufer aber nicht beirren lassen, rät Christoph de Leuw:

Im Moment ist es jetzt nicht so, dass bei Fernsehern die Preise steigen. Aber sie fallen nicht so schnell im Laufe der Zeit, die man sonst gewohnt war. Und da hilft eigentlich nur geduldig sein. Und die Preise beobachten und dann schauen, dass man zum richtigen Zeitpunkt zuschlägt.

Die Geräte aus den Rabattaktionen können nur so günstig angeboten werden, weil sie von der Palette weg verkauft werden. So fallen anders als in Elektronikgroßmärkten oder beim Fachhändler keine Kosten für Verkaufsflächen oder geschulte Verkäufer an. Das heißt aber auch, dass der Flachbildfernseher vor dem Kauf nicht angeschaut und getestet werden kann. Ein Rückgaberecht bei Nichtgefallen gibt es im stationären Handel nicht. Hier kommt es auf die Kulanz des Händlers, Baumarktes oder Supermarktes an. Wer ganz auf Nummer sicher gehen will, sollte auf dem Kassenzettel vermerken lassen, dass ein Umtauschrecht vereinbart wurde.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 11. Juni 2021 | 11:45 Uhr

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