Faschingsfeiern: Was ist erlaubt, was nicht?

Karneval: von den einen ignoriert, von anderen heißgeliebt. Gerade jetzt kann man doch mal so richtig die Sau rauslassen! An Fasching ist schließlich alles erlaubt - oder etwa nicht?

Karneval, Fasching oder Fastnacht, die drei Begriffe stehen für die närrische fünfte Jahreszeit. Von den einen ignoriert, von anderen heißgeliebt: Gerade jetzt kann man doch dem Affen mal so richtig Zucker geben, die Sau rauslassen und feiern, bis der Arzt kommt. An Fasching ist schließlich alles erlaubt, oder etwa nicht? Wir gehen den größten Faschingsirrtümern nach.

Verkleidet zur Arbeit

Das ist an den heißen Tagen des Karnevals, wie 11.11., Weiberfastnacht oder auch Rosenmontag kein Problem. Euer Kostüm darf nur nicht an der korrekten Ausübung eurer Arbeit behindern. Tragt ihr zum Beispiel Arbeitssachen oder gar Uniform, an denen ihr für andere zu erkennen sein müsst, dann ist Verkleidung tabu.

Fasching
Bildrechte: Colourbox.de

Auch an Stellen, an denen ihr die Firma seriös nach außen vertreten und zum Beispiel Kundenkontakt haben, solltet ihr das Kostüm weglassen. Der Bankangestellte im Büro kann sich also im Prinzip verkleiden, am Schalter verbietet sich das. Das Kostüm darf auch kein Risiko für eure Arbeit und Sicherheit darstellen.
Tragt ihr im Normalfall spezielle Schutzkleidung, dann dürft ihr die nicht durch das Kostüm ersetzen. Auch gegen eine Luftschlange am Monitor oder ähnliche Faschingsdekoration wird niemand etwas einwenden, solange der normale Arbeitsablauf dadurch nicht behindert wird. Fragt im Zweifel den Betriebsrat oder Chef!

Ein Küsschen in Ehren sollten Sie sich auf Arbeit verkneifen

Auch wenn das Küssen - oder Bützchen geben, wie es im Rheinland heißt - vielerorts zur Karnevalstradition gehört, am Arbeitsplatz hat diese Form der Körperlichkeit nichts verloren. Trefft ihr euch mit Kollegen auf einer Faschingsparty und sind die anderen klar erkennbar mit einem Küsschen auf die Wange einverstanden, kein Problem.

Alkohol auf Arbeit...

...ist absolut tabu. Nur wenn der Chef ausdrücklich auf ein Glas Sekt einlädt und ihr danach nicht mehr arbeiten müssen, könnt ihr in Maßen zugreifen. Professionell ist das allerdings in keinem Fall.

Mann liegt mit Kopf auf dem Tisch nach zu viel Bier
Bildrechte: IMAGO/Marius Schwarz

Einmal Polizist sein

Diesen Wunsch könnt ihr euch gerne zum Fasching erfüllen. Allerdings sollte das Kostüm sich deutlich von einer echten Polizeiuniform unterscheiden.

Wenn Sie ein täuschend echtes Kostüm tragen und dann vielleicht noch in der Öffentlichkeit Polizist spielen, dann ist das Amtsanmaßung und das kann bestraft werden

warnt Rechtsanwalt Prof. Markus Heinker. Es muss also immer klar erkennbar sein, dass ihr nur ein Kostüm tragt. Auch eine Spielzeugpistole, die täuschend echt aussieht, solltet ihr nicht öffentlich tragen.

Betrunken nach Hause laufen

Irgendwann ist die schönste Feier zu Ende. Sollten Bus und Bahn nicht mehr fahren und ihr klugerweise Auto oder Fahrrad stehen lasst, müsst ihr im öffentlichen Verkehrsraum laufen. Verhaltet euch dabei unauffällig und gefährden andere nicht, ist das kein Problem. Fallt ihr allerdings mehrfach stark alkoholisiert als Fußgänger auf, dann kann die Polizei von euch einen sogenannten Idiotentest fordern. Solltet ihr dazu nicht bereit sein, kann euch der Führerschein entzogen werden. 

Party ohne Ende?

Egal ob Karneval oder nicht, ab 22 Uhr müsst ihr als Privatperson die Lautstärke auf Ihrer Party so einstellen, dass Nachbarn nicht gestört werden und in Ruhe schlafen können. Für Kneipen, Restaurants und öffentliche Veranstalter können gerade zu Fest- und Feiertagen andere Regeln gelten. 

Weiberfastnacht: Darf jede Krawatte abgeschnitten werden?

Zum Weiberfasching schneidet man den Männern die Krawatten ab. Im Bild zu sehen ist eine grüne MDR JUMP-Krawatte aus Papier, die mit einer Schere durchgeschnitten wird.
Bildrechte: MDR JUMP

Am Donnerstag vor Rosenmontag findet mit dem Übergang vom Sitzungs- zum Straßenkarneval die Weiberfastnacht statt. Symbolisch wird dabei die Macht der Männer, in früheren Zeiten Bürgermeister und Ratsherren, abgeschnitten - die Krawatte muss dran glauben.
In Karnevalshochburgen dürft ihr als Frau mit Schere bewaffnet ins Büro ziehen und den Chef oder die Kollegen derart beschneiden.

In Köln oder Mainz ist das tatsächlich ins Brauchtum übergegangen, da müssen Männer, die an diesem Tag mit Krawatte im Büro erscheinen, mit so einer Aktion rechnen

erläutert Rechtsanwalt Prof. Markus Heinker.

Anders sieht das in Regionen aus, in denen Karneval keine große Rolle spielt. Wenn ihr einem Mann, der damit nicht rechnet oder das nicht möchte, an diesem Tag einfach so die Krawatte abschneiden, ist das rechtlich gesehen eine Sachbeschädigung. Unser Experte rät deswegen:

Holen Sie sich im Zweifel lieber das Einverständnis!

auch wenn das vielleicht nicht mehr so spontan und lustig ist.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 11. November 2021 | 11:45 Uhr

Aktuelle Themen von MDR JUMP

Mehr Quicktipps